JVA-Räumung und die Reaktionen Abriss wird unwahrscheinlich

Münster / Düsseldorf -

Zwei Gutachten, die sich widersprechen? Sicherheit und Denkmalfragen können durchaus unterschiedlich bewertet werden, heißt es zum Thema JVA in Münster.

Von Günter Benning, Hilmar Riemenschneider
Das Gefängnis von innen: Die Kuppel im Zellentrakt ist ein Merkmal des Gefängnisbaus.
Das Gefängnis von innen: Die Kuppel im Zellentrakt ist ein Merkmal des Gefängnisbaus. Foto: Matthias Ahlke

Das NRW-Justizministerium sieht in dem neuen Statik-Gutachten zur JVA keinen Anlass, über einen Rücktransport der Gefangenen in die im Eiltempo geräumte Haftanstalt nachzudenken. „Die Frage, ob wir da wieder einziehen, stellen wir uns gegenwärtig nicht“, sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag.

Soweit, so klar. Weniger klar ist für Markus Vieth , den Leiter der Niederlassung Münster des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB), wie er ein Gutachten aus dem Hause der Bezirksregierung einschätzen muss.

Standsicherheit nicht gefährdet

Aus der Sicht des Denkmalschutzes, heißt es darin, sei die Standsicherheit des Gefängnisbaus nicht gefährdet . In einer Zelle müsse das Mauerwerk abgestützt, Giebelwände sollten durchgemessen werden, um Setzungen festzustellen.

„Vom Umfang und der Methode“, so Vieth, unterschiede sich dieses Gutachten von der Expertise, die sein Haus in Auftrag gegeben hatte: „Die wird seit 2010 fortgeschrieben.“ Die Sicherheitsbedenken, die hierhin vorgetragen wurden, hatten zur Räumung geführt.

Vieth hat nun zwei Wochen Zeit für einen Gutachten-Vergleich.

„Wir haben einen renommierten Gutachter“, erklärt Sigrun Rittrich , Pressesprecher der Bezirksregierung. Aber ihm sei es nicht um die Frage gegangen, ob die Sicherheit der Bewohner des Hauses gewährleistet sei: „Es ging nicht um die Nutzungsmöglichkeiten.“ Im Vordergrund habe der denkmalpflegerische Aspekt gestanden.

Für die städtische Denkmalpflegerin Marlies Voß ist klar, dass bei der Räumung der JVA juristische Haftungsfragen vorrangig waren. „Die Aufgabe der Denkmalschützer ist es“, sagt sie, „Denkmäler zu erhalten.“

Weitere Nutzung zweitrangig

Wie die Gebäude genutzt würden, sei zweitrangig. Immerhin dürfte das Gutachten, das der JVA Standfestigkeit attestiert einen Abriss erschweren. Der war als Gedankenspiel vom BLB ins Spiel gebracht werden. Einen entsprechenden Antrag hat es jedoch noch nicht gegeben, sagt Markus Vieth und er ergänzt: „Der Denkmalschutz ist ein scharfes Schwert.“

Münsters Politik beherrscht eher die Frage, wo eine neue JVA entstehen kann. CDU-Kreisvorsitzender Josef Rickfelder plädiert für den Standort Handorf – „dafür muss die Landesregierung mit der Stadt zusammenarbeiten“. SPD-Ratsherr Thomas Fastermann setzt die Priorität auf den Erhalt der Arbeitsplätze in Münster. Was aus der alten JVA werden soll? „Das ist schwierig“, sagt er, „der Grundriss ist für moderne Nutzungen nicht einfach.“

Der Gronauer FDP-Landtagsabgeordnete und Statiker Karlheinz Busen sieht sich bestätigt: „Die Räumung war völlig überzogen. Man überlässt heute alles der Juristerei. Keiner weiß mehr, wo die Grenzen sind.“

Die JVA an der Gartenstraße

► Münsters JVA war am 6. Juli in die bundesweiten Schlagzeilen geraten, als der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) die Räumung innerhalb von 48 Stunden ankündigte.

► Auslöser war ein externes Gutachten über die mögliche Einsturzgefahr. Die Daten dafür würden seit 2010 fortgeschrieben, so BLB-Leiter Markus Vieth.

► Am 13. Oktober hat die Bezirksregierung ein ebenfalls von einem externen Fachmann erstelltes Gutachten aus Sicht des Denkmalschutzes vorgelegt. Dies kommt zum Schluss, dass nur vereinzelt Sicherungsmaßnahmen nötig seien, um das Denkmal JVA zu erhalten.

►Die JVA Münster wurde ab 1848 an der Gartenstraße nach Plänen des Architekten Carl Ferdinand Busse im Stil der englischen Neugotik erbaut. Sie gilt als zweitältestes Gefängnis Deutschlands.

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