Nach Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft Warum der Steuerzahler für Abriss und Neubau keinen Cent zahlt

Münster-Hiltrup -

Ein Bagger hat die Außenwände der Flüchtlingsunterkunft am Sportplatz Süd eingerissen. Der Schaden durch die Brandstiftung im Frühjahr tritt durch den Abriss überdeutlich zu Tage: Das Erdgeschoss ist ab Hüfthöhe aufwärts schwarz verrußt. Die Trümmer gelten als Sondermüll, die Kosten für die Entsorgung liegen höher als bei einem normalem Abbruch. Trotzdem kommt der Steuerzahler einigermaßen glimpflich davon.

Von Markus Lütkemeyer
Der Abriss der Flüchtlingseinrichtung am Sportplatz Hiltrup-Süd, auf die im Frühjahr zwei Brandanschläge verübt wurde, ist im vollen Gange. Der Schaden beträgt mindestens 650 000 Euro. Die Stadt plant an derselben Stelle einen identischen Neubau.
Der Abriss der Flüchtlingseinrichtung am Sportplatz Hiltrup-Süd, auf die im Frühjahr zwei Brandanschläge verübt wurde, ist im vollen Gange. Der Schaden beträgt mindestens 650 000 Euro. Die Stadt plant an derselben Stelle einen identischen Neubau. Foto: mlü

Denn die Stadt Münster hatte das Gebäude in Holzrahmenbauweise bei der Firma Terhalle Holzbau schlüsselfertig bestellt „und die Übergabe war zum Zeitpunkt des zweiten Brandanschlags noch nicht erfolgt“, erläutert Rita Wolking , Architektin im Amt für Immobilienmanagement. Die Versicherung des Bauunternehmers aus Ahaus ist gefragt. Ob der Versicherer im Rückgriff die mutmaßlichen Brandstifter zivilrechtlich belangt, um sich einen Teil der Kosten zurückzuholen, ist noch unklar.

Im September hatte bereits die Staatsanwaltschaft ein strafrechtliches Verfahren gegen die beiden Tatverdächtigen aus Hiltrup eingeleitet und Anklage erhoben. Für den Straftatbestand der Brandstiftung sind Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren möglich.

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Der Abriss des Gebäudes war notwendig geworden, weil besonders in den Nasszellen nach dem zweiten Brandanschlag der Ruß kaum zu entfernen war. Es handelt sich um feste Sanitäranlagen – Module wie man sie aus dem Schiffsbau kennt. Lediglich die beschädigten Module auszutauschen, wäre nicht wirtschaftlich gewesen.

Die Stadt Münster plant an derselben Stelle einen identischen Neubau in Holzrahmenweise für knapp 1,1 Millionen Euro. Das Gebäude für weiterhin 50 allein reisende Männer soll Ende des Jahres fertiggestellt werden. Geplant sind nur wenige Änderungen, berichtet die Architektin Rita Wolking. So wird zum Beispiel künftig die Hausmeistertoilette auch vom Flur zugänglich sein. „Wir lassen unsere Praxis-Erfahrungen aus den anderen, baugleichen Unterkünften einfließen.“

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