„Lehman Brothers. Aufstieg und Fall einer Dynastie“ im Borchert-Theater Der Fall einer Dynastie

Münster -

Von Unterfranken zur Wall Street, vom Viehhandel zum Geldhandel – die „Lehman Brothers“ haben in 158 Jahren eine beispiellose Familiendynastie gegründet, zerstört und Weltwirtschaftsgeschichte geschrieben. Mit ihrem Namen verbindet sich das Platzen der Immobilienblase und eine globale Finanzkrise. Das Wolfgang-Borchert-Theater bringt die Familiensaga „Lehman Brothers. Aufstieg und Fall einer Dynastie“ auf die Bühne.

Von Gerhard H. Kock
Brüder im Gelde (v.l.): Alexander Gier, Sven Heiß, Florian Bender und Jürgen Lorenzen sind die Hauptdarsteller in dem Familien-Epos über die drei Lehman-Generationen.
Brüder im Gelde (v.l.): Alexander Gier, Sven Heiß, Florian Bender und Jürgen Lorenzen sind die Hauptdarsteller in dem Familien-Epos über die drei Lehman-Generationen. Foto: Silvia Drobny

Das WBT ist weltweit das achte Theater, das das Epos zeigt. Regisseurin Tanja Weidner inszeniert die Trilogie über drei Generationen dieses Familienunternehmens und hat dafür das Textkonvolut von 260 auf 149 reine Spielseiten heruntergekürzt. Es bleiben dreieinhalb Stunden (es gibt zwei Pausen), in denen sechs Schauspieler in 52 Rollen zu sehen sein werden. Und Manfred Sasse spielt dazu passende Musik und Sounds.

Regisseurin Weidner ist von Stefano Massinis Stück (und der Übertragung ins Deutsche durch Gerda Poschmann-Reichenau) begeistert: „Ich habe den Text in einem Stück durchgelesen. Er entwickelt einen unglaublichen Sog, wird immer schneller, ist rhythmisch durchgeformt, ein Gedicht. Kurz: Man hört einfach nur gerne zu.“

Die Erzählung reicht von der Erfindung der Blue Jeans über das Abenteuer der Eisenbahn, die Finanzierung mehrerer Kriege und die Geburt, schließlich die Entfesselung der Wall Street . Es beginnt mit dem deutschen Juden Heyum Lehmann, der 1844 nach Amerika kommt und ein neues Leben beginnt. Als Henry Lehman eröffnet er ein winziges Stoffgeschäft in Alabama, seine beiden Brüder folgen ihm: „ Lehman Brothers “ steht auf dem Ladenschild. Der Familienbetrieb wächst rasant und entwickelt sich innerhalb von 160 Jahren von einem einfachen Tuchladen zum Finanzimperium. Die Waren rücken mehr und mehr in den Hintergrund bis nur noch eines im Zentrum steht: das Geld.

Weidner will in den drei Teilen „Drei Brüder – Väter und Söhne – Der Unsterbliche“ auch erzählen, wie deren traditionelle Religion immer dürftiger wird und letztlich durch das Geld abgelöst wird. Es gibt gottesdienstähnliche Szenen, in denen es nicht mehr um Transzendenz oder spirituelle Werte geht. Es wird das Geld angebetet.

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Die Premiere ist am Donnerstag (6. Oktober) um 19 Uhr im Borchert-Theater, Am Mittelhafen 10. Nächste Vorstellungen: Samstag (8. Oktober) um 19 Uhr sowie Sonntag (9. Oktober) um 17.30 Uhr. Karten: ✆ 400 19.

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