WLE-Strecke von Münster nach Sendenhorst Zeitplan einer Wiederbelebung

Münster -

1975 fuhr die letzte Personenbahn über die Strecke der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE). Jetzt führt die Diskussion über die Reaktivierung der Strecke zwischen Sendenhorst und Münster zu erregten Anlieger-Diskussionen. Aber, wie weit sind die Planungen eigentlich?

Von Günter Benning
ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler mit einer historischen Übersicht der Bahnstrecken im Münsterland. Im Hintergrund WLE-Betriebsleiter Johann Ubben und ZVM-Mitarbeiter Markus Rümker.
ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler mit einer historischen Übersicht der Bahnstrecken im Münsterland. Im Hintergrund WLE-Betriebsleiter Johann Ubben und ZVM-Mitarbeiter Markus Rümker. Foto: Günter Benning

1975 fuhr die letzte Personenbahn über die Strecke der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE). Jetzt führt die Diskussion über die Reaktivierung der Strecke zwischen Sendenhorst und Münster zu erregten Anlieger-Diskussionen. Aber wie weit sind die Planungen eigentlich? Michael ­Geuckler, Geschäftsführer des ZVM (Zweckverband SPNV Münsterland), und WLE-Betriebsleiter Johann Ubben geben Auskunft.

Wieweit sind die Planungen?

Derzeit wird eine Vorplanung für die Strecke Münster-Sendenhorst erstellt, in der die exakten Kosten ermittelt werden.

WLE-Betriebsleiter Johann Ubben: „Wir haben das Ziel, sie Ende 2016 fertigzustellen.“

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Wann entscheidet das Land über die Realisierung der Strecke?

Das Land ermittelt einen ÖPNV-Bedarfsplan. Die Verkehrsverbände ZVM und NWL haben drei Strecken zur Reaktivierung vorgeschlagen. Michael Geuckler: „Wir hoffen, dass das Land die WLE-Trasse Ende 2017 in den Bedarfsplan aufnimmt.“

Was kostet voraussichtlich die Herrichtung der Strecke? 

Die Herrichtung der 21,1 Kilometer langen Strecke von Münster nach Sendenhorst soll rund 42,3 Millionen Euro kosten. Darin enthalten sind Übergänge, Bahnsteige und Parkflächen. Zum Vergleich: Die 5,8 Kilometer lange Wolbecker Ortsumgehung hat 15 Millionen Euro gekostet.

Wie hoch wären die jährliche Zuschüsse für den Personenverkehr?

Ein aktuelles Gutachten der Gutachter Spiekermann Consulting geht von 3,86 Millionen Euro im Jahr aus. Pro Tag, rechneten Kritiker aus, sind das rund 10 500 Euro. Michael Geuckler vom ZVM relativiert die Zahlen: „Das Land NRW zahlt jährlich eine Milliarde Euro für den Schienenverkehr bei rund 100 Millionen Fahrkilometern. Das sind rund neun Euro pro gefahrenen Kilometer. Bei etwa 510 000 Kilometern Fahrleistung, ist das bei unserer Strecke ein normaler Wert.“

Wie lange würde die Realisierung des Bahnprojekts dauern?

Wenn die Strecke vom Land gefördert wird, kann das Bauleitverfahren starten. Hier geht es um zahlreiche Regelungen mit Anliegern, unter anderem auch um Bahnübergänge. WLE-Betriebsleiter Ubben setzt dafür bis zu zwei Jahren an. Ebenso lange wie für die tatsächliche Bauphase.

Wie viele Menschen werden die WLE benutzen?

Laut den aktuellen Schätzungen werden 6280 Fahrgäste täglich erwartet. Davon wären 920 neu im Öffentlichen Nahverkehr. Die Gutachter von Spiekermann Consulting sprechen davon, dass damit täglich 17 200 Kilometer weniger mit dem Pkw gefahren würden. Im Jahr würden die Fahrgäste rund 115 000 Stunden an Fahrzeiten sparen. Das bedeutet insgesamt: Eine Verringerung der Straßenbelastung. Die Erfahrungen mit den Bahnstrecken Münster-Coesfeld, Münster-Enschede und Münster-Rheine zeigen in den vergangenen Jahren ein stetiges Wachstum.

Wie sicher sind diese Zahlen?

Diese Zahlen hängen stark von der Entwicklung der Wohnbebauung in Wolbeck, Angelmodde und Gremmendorf ab und können durchaus höher ausfallen als bisher vorgesehen. So wird die Entwicklung des Kasernengeländes in Gremmendorf für neuen Bedarf sorgen.

Wird die Bahn den Busverkehr einschränken?

Eindeutig wird die Schnellbuslinie Münster-Sendenhorst entfallen. Für die Stadtbuslinien 8 und 17 würden möglicherweise Veränderungen nötig werden. Michael Geuckler: „Das sind aber Entscheidungen, die noch nicht feststehen.“ Bei den Stadtwerken heißt es, dass künftiger Bedarf erst einmal geprüft werden muss. In jedem Fall wird es Verknüpfungspunkte zwischen Bahnhaltestelle und Buslinien und ein einheitliches Tarifsystem geben.

Die Bürgerinitiative hat vorgeschlagen, auf der WLE-Strecke einen Fahrradweg einzurichten. Was hält die WLE davon?

Gar nichts. WLE-Betriebsleiter Johann Ubben: „Wir haben Güterverkehr auf der Strecke. Täglich verkehrt ein Zug von der Westfalen AG aus. Bei regelmäßigem Personenverkehr müsse man allerdings Wege finden, um den Güterverkehr weiterhin zu ermöglichen. Eine Aufhebung der Strecke – wie es sie etwa zwischen Rheine und Steinfurt gegeben hat – kommt für den WLE-Mann nicht in Frage. Der Fahrradinteressenverband ADFC lehnt im übrigen die Idee, eine Radstrecke auf der Schiene einzurichten für "abwegig", wie ADFC-Münsterland-Vorsitzender Andreas Bittner erklärt. 

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