Grippeforscher tagen Kampf der Grippe

Münster -

200 internationale Grippeforscher treffen sich unter Leitung von Prof. Dr. Ludwig Stephan zu einer Fachtagung in Münster.

Von Martina Döbbe
Grippeforscher aus der ganzen Welt treffen sich auf Einladung von Prof. Dr. Stephan Ludwig (r.) in Münster, um sich über aktuelle Fragen der Grippeforschung auszutauschen.
Grippeforscher aus der ganzen Welt treffen sich auf Einladung von Prof. Dr. Stephan Ludwig (r.) in Münster, um sich über aktuelle Fragen der Grippeforschung auszutauschen. Foto: Oliver Werner

Prof. Ludwig ist ein feiner Mann. Höflich, freundlich, wohl erzogen. Vom Händeschütteln aber hält er gar nichts. „Damit breiten sich Infektionen schneller und weiter aus“, sagt der Experte. Prof. Dr. Stephan Ludwig ist Leiter des Instituts für Molekulare Virologie der Westfälischen Wilhelms-Universität – und anerkannter Experte auf dem Gebiet der Grippeforschung. Und als solcher ist er auch Gastgeber der Fachtagung , bei der sich noch bis zum heutigen Dienstag 200 internationale Wissenschaftler in Münster austauschen, um der Grippe weltweit ihre Grenzen zu zeigen.

Doch das ist nicht einfach. Bei allem Forschen, bei allem Fortschritt: „Grippe wird nie komplett auszurotten sein“, betont Prof. Dr. Stephan Ludwig. Umso wichtiger ist es den Forschern, der in schlimmsten Fällen auch tödlich endenden Erkrankung zumindest die Stirn zu bieten. Die Impfung sei eine Möglichkeit, so Ludwig. Der münsterische Wissenschaftler hält den Grippe-Impfstoff für eine der größten, medizinischen Errungenschaften der letzten 100 Jahre. Verstehen kann er deshalb nicht, dass höchstens 40 Prozent der Menschen in Deutschland , für die eine Impfung empfohlen wird, sie überhaupt wahrnehmen.

Natürlich gebe es keinen hundertprozentigen Schutz. Und ob die Grippewelle 2016/2017 leicht vorbei rolle oder lang und heftig werde, könne man auch noch nicht vorhersagen. Sicher sei nur: „Die Impfung schützt Ältere, chronisch Kranke und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.“

Bei der Tagung in Münster wird auch über neue Medikamente diskutiert, die nach ersten klinischen Studien offensichtlich erfolgsversprechend bei der Behandlung schwer erkrankter Grippe-Patienten helfen könnten. Wenn weitere Studien dies untermauern, so Prof. Ludwig, sei es denkbar, in drei bis fünf Jahren darüber verfügen zu können.

Den Behandlungsstandard in Deutschland hält er für sehr gut, wichtig für die erfolgreiche Therapie einer Influenza sei aber, sie ernst zu nehmen und auch so früh wie möglich zu erkennen: „Und genau das ist auch das Problem, denn in den ersten zwei Tagen unterscheiden sich die Symptome gar nicht so gravierend von einem grippalen Infekt.“

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