Tag der Heimat Identität und Flucht

Münster -

Mit einem aktuellen Thema gestaltete der Bund der Vertriebenen (BdV) den Tag der Heimat. Am Samstag sind etwa 100 Gäste ins Rathaus gekommen, um über Identität und Flucht zu reden, daran zu erinnern. Titel der Veranstaltung: „Identität schützen, Menschenrechte achten.“

Von Johanna Keck
Volkstanz in ursprünglichen Trachten: Die Volkstanzgruppe Münsterland führte den „Heiliger Bandriter“ und die „Topporzer Kreuzpolka“ auf.
Volkstanz in ursprünglichen Trachten: Die Volkstanzgruppe Münsterland führte den „Heiliger Bandriter“ und die „Topporzer Kreuzpolka“ auf. Foto: Johanna Keck

Ein besonderer Gast war dabei Dr. Maria Werthan . Sie ist die Vorsitzende des Frauenverbands des BdV . „Jede Gruppe braucht, um zu existieren, die Anerkennung der Anderen“, erklärt sie. In ihrer Rede formt sie auch das Bild verschiedener Identitäten, die individuell sind, wie jeder Mensch. Es geht um Identitäten verschiedener Gruppen Geflüchteter, auch der Deutschen. Es geht um früher und heute. Die Jugend und alte Menschen, Kultur und Sprache.

Unter den Gästen ist auch Harald Dierig , er selbst hat ein Buch zum Thema geschrieben. Von den Gedanken Werthans ist er beeindruckt. „Es ist gut, einmal jemanden von außerhalb zu hören. Sie hat ganz außergewöhnliche Denkanstöße gegeben“, findet er. Das Thema betrifft eigentlich viele, denn laut Werthan sind ein Viertel der hier lebenden Menschen Geflüchtete. Die eigene Identität genau zu definieren sei heute schwierig. Das habe mit Globalisierung zu tun, meint Werthan.

Sie nennt auch das Wort „Patchwork-Identität“. „Unsere Jugend hat heute statt den zehn Grundberufen, wie es sie noch nach dem ersten Weltkrieg gab, heute hunderte von Berufen zur Wahl. Ihre Arbeitsplätze liegen in der ganzen Welt. Die Menschen heute haben einen hohen Lebens- und Bildungsstandard erreicht. Aber alle Lebensbereiche sind kommerzialisiert“, erklärt sie die Schwierigkeiten, die ein junger Mensch heute dabei hat, sich zu definieren. Auch Sprache und Kultur spielen eine Rolle. Das hat der Volkstanzkreis Münster gezeigt. In ursprünglichen Trachten haben sie den „Heiliger Bandriter“ oder die „Topporzer Kreuzpolka“ gezeigt, die Gäste haben das Pommernlied gesungen, das Ostpreußenlied und das Lied der Schlesier. Töne und Texte, die man heute nicht mehr oft hört, aber doch zur Identität gehört.

Auch Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson richtete einige Worte an die Zuhörer, erzählt, dass auch sie geflüchtet ist. Die BdV-Vorsitzende vom Kreisverband Münster, Roswitha Möller, stellt heraus: „Neue Zeiten stellen neue Herausforderungen an jeden von uns.“

Drei Fragen an: Dr. Maria Werthan, Vorsitzende Frauenverband Bund der Vertriebenen

Was gehört neben Heimat noch zur Identität eines Menschen?Werthan: Identität ist für mich ein sehr schwieriger Begriff. Identität ist eigentlich ein Prozess. Aber er hat bestimmte Komponenten, die für mich unverwechselbar bleiben. Und das ist die Sprache und die Kultur. Das ist das Brauchtum, das ist das Leben, das einen prägt, bis zur Esskultur.Sie sind die Vorsitzende des Frauenverbands. Warum haben geflüchtete Frauen für Sie eine besondere Position?Werthan: Vertriebene machen ungefähr ein Viertel der Bevölkerung aus, und die Frauen waren federführend bei der Flucht, denn die Männer waren an der Front oder tot. Die Frauen mussten die Familien mit den Alten und den Kindern retten. Sie haben sich hier nahtlos in die Aufbauarbeiten integriert und das Überleben der Familie gesichert.Welche Rolle spielt der Bund der Vertriebenen bei der Aufnahme aktueller Flüchtlinge?Werthan: Der BdV hat zahlreiche Beratungsstellen, in denen er alle Flüchtlinge auch heute berät.

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