Künstler vom Hoppengarten öffnen ihre Ateliers Mal-Automat aus Paris erstellt Besucher-Porträts

Münster -

Dornröschen war 15 Jahre alt, als sie in den hundertjährigen Schlaf fiel. Bei den Ateliers am Hoppengarten ist es umgekehrt.

Von Gerhard H. Kock
Iris Palandt malt surreale Bilder. Ihre Fische werden bald in einem Kinofilm mit Katja Riemann zu sehen sein.
Iris Palandt malt surreale Bilder. Ihre Fische werden bald in einem Kinofilm mit Katja Riemann zu sehen sein. Foto: kok

Dornröschen war 15 Jahre alt, als sie in den hundertjährigen Schlaf fiel. Bei den Ateliers am Hoppengarten ist es umgekehrt. Nach 15 Jahren „Schlaf“ ist die Künstlerschaft erwacht und lädt zu „Offenen Ateliers“ ein. Ein gutes Dutzend Künstler präsentiert Gemälde, Skulpturen und überraschende Kunst zum Mitwirken und Mitmachen. So erhält jeder Besucher dieser Ateliers der Wohn- und Stadtbau ein Porträt zum Mitnehmen. Möglich machen dies Ricarda Mau und Uwe Wiedenstried, die einen geheimnisvollen Künstler präsentieren, der in eine Art Foto-Automat einlädt: den „Christofix.de“. Der „Portrait-Shooter“ bietet als „Weltsensation aus Paris “ und vollautomatische Mal-Maschine Bilder in Kohle, als Holzschnitt, Kubismus und Pop-Art an. Das Ergebnis ist verpackt – schließlich ist die Aktion eine Hommage an die Verpackungskünstler Christo und Jean-Claude.

Bei Theresa Potente dürfen die Besucher an einem Riesenprojekt mitwirken – einem Teppich. Potente hatte sich überlegt, wie sie die Hoppengarten-Nutzer miteinander verbinden könnte und kam aufs Knüpfen. Seit Juli ist ein großer Teppich mit (bislang) 2,30 Meter Durchmesser entstanden. Eine Runde Knüpfen dauert inzwischen eine halbe Stunde: 320 Knoten. Die sind derart einfach, das jeder mitmachen kann und soll. Bunte Bettlaken-Streifen sind ausreichend vorhanden.

Monumentalkünstlerin Mari Girkelidse widmet sich Künstlerbüchern – aufwendigen Leporellos, die nicht nur Geist und Auge beschäftigen können, sondern auch dem Tastsinn etwas zu bieten haben. Die längste Arbeit der Georgierin misst 70 Meter. Auf der Frankfurter Buchmesse wird sie mit ihren langen Künstlerbüchern eine Performance gestalten.

Ulrike Lindken ist gelernte Geigenbauerin, Venedig ihre „zweite Heimat“, und das verkörpert auch ihre exakte Kunst. Mit schwarzen und weißen „Konfetti“-Punkten oder in Collagen aus italienischen Zeitungen hat sie Formen der Lagunenstadt gefasst.

Iris Palandt präsentiert im lichten Treppenhaus großformatige Malerei mit irritierenden Räumen. In ihrer Werkreihe „All places are temporary places“ werden Stadträume vorübergehend von Tieren genutzt: Ein riesiger Manta-Rochen passiert einen Birkenwald, vor Münsters Theater surft eine Giraffe, und exotisch bunte Fische schwimmen an Hochhaus-Trabanten vorbei. Dieses Bild wird demnächst in dem Film „Frauen“ mit Katja Riemann zu sehen sein.

Leonie Woeller stellt skurrile menschliche Figuren vor, die eine Referenz an die „Dada“-Kultur sind, aber zudem (mindestens) eine Überraschung bieten. Denn was wie dunkler Marmor oder Beton aussieht, entpuppt sich als luftig leicht. Woeller hat die Technik des Pappmaché für sich entdeckt und weiterentwickelt, so dass die Skulpturen wie massive Objekte wirken.

Klassische Malerei ist bei Junho Cho zu finden. Indes: Sein niedliches Mädchen mit dem Kopf in bunter Flora hält ein irritierendes Objekt in den Armen, das durchaus für sexuell „bedrohliche“ Fantasien taugt.

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Die Offenen Ateliers Hoppengarten, Hoppengarten 28, finden am Freitag (23. September) von 16 bis 21 Uhr, Samstag (24. September) von 14 bis 19 Uhr sowie am Sonntag (25. September) von 11 bis 18 Uhr statt. Abends gibt es Livemusik. Die Anfahrt ist ausgeschildert.

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