Problem „Dooring“ ADFC empfiehlt „einen Meter Abstand“

Münster -

Autofahrer ärgern sich häufig, weil Radler gerade auf kleinen Wohnstraßen die Fahrbahnmitte benutzen, statt ganz rechts zu fahren. Der ADFC nennt die Gründe. Radler werden häufig Opfer von Unfällen, wenn Leute aus den am Straßenrand geparkten Fahrzeugen aussteigen und unachtsam die Tür öffnen.

Von Helmut P. Etzkorn
Einen Meter Sicherheitsabstand sollten Radler einhalten, wenn sie an parkenden Autos entlangfahren. „Dann sind sie zwangsläufig mitten auf der Straße“, sagt Matthias Wüstefeld (r.).
Einen Meter Sicherheitsabstand sollten Radler einhalten, wenn sie an parkenden Autos entlangfahren. „Dann sind sie zwangsläufig mitten auf der Straße“, sagt Matthias Wüstefeld (r.). Foto: hpe

Der Radfahrer auf der Kanalstraße benutzt die Mitte der Fahrbahn, und schon nach wenigen Metern ist ihm ein nervöses Hupkonzert von Autofahrern, die hinter dem Radler auf die Bremse treten müssen, sicher. „Fahr doch weiter rechts“, ist noch die harmlose Variante, die Elmar Post dann regelmäßig aus der geöffneten Seitenscheibe des Autos ziemlich lautstark zu hören bekommt. „Manchmal werde ich auch schon fast abgedrängt, weil den Menschen am Steuer der Geduldsfaden reißt“, sagt Post.

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Entweder ich rausche rechts in die Tür oder nach links ins fahrende Auto

Elmar Post, ADFC Münster

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Doch Post will nicht knapp an den parkenden Autos entlang fahren, weil das Risiko für ihn einfach zu hoch ist. „Konflikt mit dem ruhenden Verkehr“, steht später im Unfallbericht, wenn er gegen eine sich plötzlich öffnende Autotür knallt. Im vergangenen Jahr kam dabei eine Radlerin auf der Kanalstraße ums Leben. „Wenn so etwas passiert, habe ich nur zwei schlechte Möglichkeiten: „Entweder ich rausche rechts in die Tür oder nach links ins fahrende Auto“, meint Elmar Post.

Überholen fast unmöglich

Um im Ernstfall noch reagieren zu können, hält der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) einen Abstand von einem Meter zu den am Straßenrand parkenden Fahrzeugen für erforderlich. Das führt in der Konsequenz auf fast allen Straßen in Wohngebieten dazu, dass Post mitten auf der Fahrbahn bleiben muss und so zwangsläufig zum Verkehrshindernis für Autos wird.

Denn die Fahrzeuge müssten, wenn sie Post überholen wollen, auch noch mal einen Sicherheitsabstand von 90 Zentimeter einhalten. „Überholen ist für Autos deshalb fast überall unmöglich, das ist nicht zu ändern“, sagt der zweite Vorsitzende des ADFC in Münster, Matthias Wüste­feld. Seine Organisation hat das heikle Thema „Dooring“, also den oft schmerzhaften Kontakt zwischen Autotür und Radler, jetzt in der Ordnungspartnerschaft „Sicher durch Münster“ zur Sprache gebracht.

„Sicherheitsabstand überlebenswichtig“

Markierungen auf den Straßen und Hinweisschilder würden laut Wüstefeld zwar helfen, damit der Autofahrer die Sicherheitszone für Radler besser erkenne und verstehe. Ohne gegenseitige Rücksichtnahme aber könne es dennoch nicht funktionieren. Wüstefeld: „Kinder sind noch unsicher unterwegs, alte Menschen oft nicht mehr reaktionsschnell genug. Deshalb ist der Sicherheitsabstand als Eigenschutz überlebenswichtig.“

Der ADFC will nun in einer Aufklärungskampagne an Schulen und gemeinsam mit den Ordnungspartnern über das „Dooring“-Problem informieren. Wüstefeld: „Autofahrer und Radler sollten sich nicht aggressiv begegnen, sondern als Partner im ohnehin engen Straßenraum verstehen“, so Wüste­feld.

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