Diskussion über das Gesundheitswesen
Patientenrettung ist nur Nebensache

Münster -

„Korruption im Gesundheitswesen ist ein aktuelles Thema. Pro Jahr kostet sie dem deutschen Staat etwa 7 bis 14 Millionen Euro“, mahnt Bundestags-Mitglied Maria Klein-Schmeink. Bei der vom Eine-Welt-Forum Münster organisierten Podiumsdiskussion in der Stadtbücherei ging es um die bei ihrer Medikation beeinflussten Ärzte und die weltweiten Folgen der Macht der Pharmaindustrie.

Mittwoch, 06.04.2016, 21:30 Uhr aktualisiert: 07.04.2016, 13:45 Uhr
Einsatz im Sinne der Patienten: Maria Klein-Schmeink (l.), Dr. Gopal Dabade und Dr. Christiane Fischer. Foto: axr

„Patienten können sich nicht mehr darauf verlassen, dass sie ihr Medikament aus rein gesundheitlichen Gründen verschrieben bekommen“, bedauert die Grünen-Politikerin Klein-Schmeink und empfiehlt Patienten, ihre Behandlung beim Arzt offen zu hinterfragen.

Das langfristige Ziel der Medizinerin Dr. Christiane Fischer ist deshalb das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu erneuern. Die 48-Jährige ist Geschäftsführerin bei der gemeinnützigen Organisation „MEZIS“. Der Name der Initiative „Mein Essen zahle ich selbst“ verrät die Kernbotschaft der Referentin: „Wir wollen eine Regelung, die verbietet, dass sich Ärzte durch Reisen, Geschenke oder gar teure Essen  von Pharmafirmen beeinflussen lassen, bestimmte Medikamente zu verschreiben.“ Damit verwies Fischer auf ein in naher Zukunft verabschiedetes Gesetz, dass lediglich konkrete Geldströme zwischen Konzernen und niedergelassenen Ärzten verbietet.

Darüber hinaus klärte Fischer über Strategien der Pharmaindustrie auf. „Die Konzerne machen keinen Hehl daraus, dass es ihnen nur darum geht, Gewinn zu machen. Patienten zu retten ist dabei lediglich ein Nebeneffekt.“

Neben den Problemen in Deutschland ging es bei der Veranstaltung „ Korruption im Gesundheitswesen: Globaler Vergleich von Nord und Süd“ auch um globale Probleme. Der indische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Gopal Dabade erklärte den rund 50 Zuschauern, wie sich Patentrechte bei Medikamenten auf Entwicklungsländer auswirkten. „Einige Firmen verkaufen ihre Medikamente so teuer, dass sie sich nur die Reichen leisten können. Sobald unsere Industrie in Asien versucht, diese Arznei selbst zu produzieren, werden wir als Verbrecher beschimpft“, erklärte der 61-Jährige.

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