„Stephen Rappaport Band“ spielte im Pumpenhaus Extravagante Performance

Münster -

Das Intro ist nebelverhangen. Düstere Töne bahnen sich den Weg ins Publikum. Die Gitarre ist ein Kojote, der irgendwo in der Ferne heult, der Bass ein bedrohliches Brummen und das Schlagzeug ein dürrer Ast im Wind. Dann schält sich ein kalkweißer Körper aus der Dunkelheit. Nur mit einem langen weißen Rock bekleidet, der an das rituelle Gewand eines Zeremonienmeisters erinnert, betritt der Sänger die Bühne. Man könnte ihn für einen Butoh-Tänzer halten oder für einen Dämon, wenn er in krampfhaft zuckenden Bewegungen die Töne der Musik nachformt.

Von Helmut Jasny

Es ist ein imposanter Auftritt, mit dem die Stephen Rappaport Band am Samstag ihr Konzert im Pumpenhaus eröffnet. Und nicht weniger eindrucksvoll gestaltete sich der Rest des gut zweistündigen Abends. Als „Mikrophon Gottes“ stellt sich Frontmann und Sänger Stephen Rappaport vor. Und man nimmt es ihm ab, auch wenn die Themen auf den ersten Blick eher weltlich erscheinen.

Von Muffins und von Tintenfischen handeln die Songs, von weggelaufenen Hunden und vom Tier, das in jedem Menschen steckt. Es geht um die unvermeidliche Kämpfe zwischen Mann und Frau und um Liebe als eine der letzten großen Herausforderungen. Explizit religiös wird es erst kurz vor Schluss, wenn Rappaport seine höchstpersönliche Version der Schöpfungsgeschichte abliefert, bei der Würmer eine wichtige Rolle spielen.

Musikalisch bewegt sich das Konzert im Bereich zwischen Songwriting und Chanson, wobei die Band mit Johan Carlberg an der E-Gitarre, Joacim Backman am Bass und Brady L. Blade am Schlagzeug gerne auch Ausflüge in andere Genres unternimmt. So beginnt ein Song über die länger werdenden Tagr im Frühjahr mit einem kernigen Rock-Rhythmus, der sich dann zu einem neutönerischen Klanggewitter verdichtet, das jeden Planeten aus der Bahn zu werfen droht. Kontrapunkte dazu setzen besinnliche Balladen wie „Slow Time“ oder „People on the Other Side“, wobei sich der Sänger zunächst Gedanken macht, dass er mit seiner Musik die Nachbarn stören könnte, und den Begriff „Andere Seite“ dann auf das Leben allgemein überträgt.

Mit ihrer extravaganten Performance nehmen Rappaport und Band das Publikum schnell für sich ein. Das zeigt sich auch daran, dass die Zuschauer dem Bassisten gleich drei Ständchen singen, als sie erfahren, dass er Geburtstag hat.

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