Schönheitskönigin aus Münster Miss Germany: „Wir Frauen müssen uns nicht verstecken“

Münster -

Die amtierende „Miss Germany“, Olga Hoffmann (24), hängt nach einem Jahr als Schönheitskönigin ihren Beruf an den Nagel. „Ich möchte künftig als Model arbeiten“, sagte die Münsteranerin in einem Interview, in dem sie auch über die Ereignisse in Köln die Lage in ihrer ukrainischen Heimat spricht.

Die Münsteranerin Olga Hoffmann wurde im Februar 2015 zur „Miss Germany“ gekürt.
Die Münsteranerin Olga Hoffmann wurde im Februar 2015 zur „Miss Germany“ gekürt. Foto: dpa/Patrick Seeger

Olga Hoffmann (24) geht in den letzten Monat als „Miss Germany“. Am 20. Februar wird im Europa-Park in Rust bei Freiburg ihre Nachfolgerin gewählt. Hoffmann, Arzthelferin aus Münster in Nordrhein-Westfalen, muss dann ihre einjährige Tätigkeit als „schönste Frau der Republik“ beenden. Zurück in den weißen Kittel will sie nicht, sagt sie in Rust im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das Modeln passe zu ihr - und in die Zeit.

Aus der Arztpraxis kamen sie im vergangenen Jahr auf den Laufsteg. Gibt es nun das Comeback als Arzthelferin?

Olga Hoffmann: Ich kehre nicht in meinen Beruf zurück. Das Jahr als Schönheitskönigin hat mir die Tür geöffnet in eine neue, unbekannte Welt. Ich habe ja früher nie gemodelt - und auch nie Prominente getroffen. Es war ein tolles Jahr. Ich durfte Erfahrungen machen, die ich nicht vergessen werde. Und ich bin auf den Geschmack gekommen. Das ist mein Ding. Ich möchte künftig als Model arbeiten. Meine Zeit in der Arztpraxis ist, nach fünf Jahren in diesem Beruf, vorbei.

Zur Person

Olga Hoffmann (24) lebt seit 2001 in Münster in Nordrhein-Westfalen, geboren wurde sie in der Ukraine. Sie ist seit Februar 2015 „Miss Germany“. Zuvor arbeitete sie als medizinische Fachangestellte in der Praxis eines Neurologen und Psychiaters in Münster .

Was macht eine Schönheitskönigin eigentlich?

Hoffmann: Ich habe viele Veranstaltungen besucht, war auf dem Filmfestival in Cannes und in einer der letzten Fernsehsendungen von Stefan Raab. Es geht darum, auf Menschen zuzugehen, ins Gespräch zu kommen und etwas darzustellen - auch inhaltlich. Nett auszusehen und eine gute Figur zu machen, das alleine reicht nicht. Es braucht Selbstständigkeit und Selbstsicherheit. Das habe ich gelernt.

Aber passen Schönheitswettbewerbe mit Vorstellungsrunden im Bikini überhaupt noch in die Zeit?

Hoffmann: Gerade jetzt passen sie - nachdem, was an Silvester in Köln und anderswo passiert ist. Wir Frauen müssen uns nicht verstecken. Wir zeigen, was wir können und wer wir sind. Selbstbewusste Frauen auf dem Laufsteg sind Teil einer freien und offenen Gesellschaft. Das ist die Botschaft. Die Runde im Bikini steht dabei übrigens nicht im Vordergrund. In jedem öffentlichen Schwimmbad geht es freizügiger zu als bei der Miss-Wahl.

Sie stammen aus der Ukraine, seit 2001 leben Sie in Deutschland. Gerät die Ukraine in Vergessenheit?

Hoffmann: Ich wünsche mir, dass das deutsche Interesse wieder stärker der Ukraine gilt. Der blutige Konflikt dort ist in Vergessenheit geraten, die Welt schaut nicht mehr hin. Mir ist bewusst, dass Deutschland und Europa derzeit andere Probleme haben. Aber das Sterben in der Ukraine geht weiter. Nichts hat sich verbessert, nichts ist gelöst. Frieden in der Ukraine ist in weiter Ferne.

Was muss sich ändern?

Hoffmann: Die Ukraine braucht unsere Hilfe und Solidarität. Ich habe jüngst Kinder aus der Ukraine getroffen, die Eltern und andere Verwandte im Krieg verloren haben. Sie sind auf uns angewiesen. Wir dürfen sie nicht alleine lassen. Ich würde mir wünschen, dass Deutschland an die Ukraine denkt und hilft, den Krieg zu beenden.

Wahlen zur Miss Germany

Die „Miss Germany“ wird seit 1927 gewählt. Antreten dürfen unverheiratete Frauen zwischen 16 und 28 Jahren. Prominenteste Teilnehmerinnen früherer Wahlen war die spätere TV-Moderatorin Petra Schürmann (1933-2010). Sie kam nach Angaben der Organisatoren 1956 bei „Miss Germany“ unter die Top drei und wurde im gleichen Jahr „Miss World“. 1977 wurde Dagmar Wöhrl „Miss Germany“, heute sitzt sie für die CSU im Bundestag. 1993 erhielt die spätere Werbe-Ikone Verona Feldbusch (heute Pooth) den Titel. Gewählt wird jährlich im Europa-Park in Rust bei Freiburg. Die Siegerin erhält Geld- und Sachpreise sowie einen Vertrag, der ihr während ihrer Amtszeit laut Veranstalter mehr als 200 Auftritte sichert.

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3745122?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F