„Anfangsverdacht auf Strafvereitelung“ Durchsuchung im SCP-Büro: Rückendeckung für Sicherheitschef

Münster -

Der Sicherheitschef des SC Preußen Münster, dessen Büros und Privaträume von der Polizei durchsucht wurden, gilt als einer der wenigen, die zwischen Ultras und Polizei überhaupt noch vermitteln können. Der Sportvorstand gibt ihm nach wie vor Rückendeckung.

Von Thomas Rellmann
Beim Spiel gegen Hansa Rostock zündeten Ultras reichlich Pyrotechnik.
Beim Spiel gegen Hansa Rostock zündeten Ultras reichlich Pyrotechnik. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Durchsuchungen in Büro- und Privaträumen des Preußen-Sicherheitsbeauftragten am Freitag haben vor allem im Netz heftige Reaktionen hervorgerufen. Der Tenor war dabei eindeutig: Wird hier nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen?

In der Tat werden die Aktionen von Staatsanwaltschaft und Polizei in Bezug auf die schwierige Ultra-Szene des Fußball-Drittligisten immer rigoroser. Dem SCP-Mitarbeiter wird vorgeworfen, nach der Skandalpartie gegen Hansa Rostock im Oktober , in der reichlich Pyrotechnik gezündet wurde, bei der Sichtung von Videomaterial Täter erkannt, diese aber nicht namentlich genannt zu haben. Das erfülle, so die Behörden, den Anfangsverdacht der Strafvereitelung.

Nach Einschätzung von Juristen habe der langjährige Ehrenamtler allerdings wohl nur eine Geldstrafe zu fürchten, sollte sich der Vorwurf bestätigen. Eine außergerichtliche Beilegung sei wahrscheinlich. Er gilt als wertvoller Mittler zwischen zwei kaum um Deeskalation bemühten Polen, nämlich der Ultra-Bewegung samt großer Gefolgschaft auf der einen und der Polizei auf der anderen Seite.

Rückendeckung vom Preußen-Vorstand

Dass die neue Stufe des Vorgehens die Fronten noch weiter verhärten wird, liegt auf der Hand. Umso schwerer trifft es den Verein, dass er womöglich die undankbare und heikle Aufgabe nun neu besetzen muss. In der Funktion als Bindeglied sind Interessenkonflikte meist vorprogrammiert. Im Mai hatte der 45-Jährige, der seit 2014 im Besitz des hochwertigen DFB-Sicherheitszertifikats ist, noch einen Sturm der Haupttribüne durch die Ultras nach dem 2:3 gegen die Stuttgarter Kickers verhindert.

Reaktionen

Die Reaktionen auf die Büro- und Haus-Durchsuchung beim Sicherheitsbeauftragten des SC Preußen fielen in Foren und sozialen Netzwerken teilweise sehr scharf aus. Tenor: Haben Staatsanwaltschaft und Polizei nichts Wichtigeres zu tun?

Ausgewertet werden nun Computer- und Handydaten des Beschuldigten. Offen sind noch die Rollen der sogenannten szenekundigen Beamten in diesem Zusammenhang. Als Konsequenz immer wiederkehrender Provokationen hatten Staatsanwaltschaft und Polizei in den vergangenen Monaten ihr Handeln gegen die Fanszene des SCP massiv verschärft. Dabei wurden gerade die führenden Köpfe der Bewegung ins Visier genommen, es hagelte reichlich Stadionverbote.

Preußen-Sportvorstand Carsten Gockel erneuerte am Wochenende seine Rückendeckung für den Mitarbeiter. Dass zur Zeit der Durchsuchung gerade der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert in Münster weilte, um sich über diverse Dinge rund um den SCP zu informieren, war Zufall. Aus Sicht des Clubs allerdings kein schöner.

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