Der katholische Journalist und Publizist Erich Kock ist mit 90 Jahren gestorben Seine Stimme hatte stets Gewicht

Münster/Köln -

Im vielstimmigen Konzert der katholischen Publizistik gab und gibt es nur wenige derart herausragende, profilscharfe Köpfe wie Erich Kock, dessen Wort über Jahrzehnte intellektuelles Gewicht und spirituelle Tiefgründigkeit aufwies. Der aus Münster stammende und seiner Heimatstadt stets innig verbundene Schriftsteller, Drehbuchautor und Journalist ist in der Nacht zum Donnerstag in seinem Haus in Köln-Müngersdorf gestorben. Erst im September vergangenen Jahres hatte er noch in stabiler Verfassung im Kreise seiner Familie sein 90. Lebensjahr feiern können.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy
Erich Kock (1925-2016) bei einem privaten Besuch in Senden-Bösensell, Herbst 2014.
Erich Kock (1925-2016) bei einem privaten Besuch in Senden-Bösensell, Herbst 2014. Foto: Johannes Loy

Erich Kocks Lebenswerk ist mit der katholischen Kirche der Nachkriegszeit, ihrer Geschichte und ihren Prot­agonisten verknüpft. Mit Bischöfen und kirchenpolitischen Gestaltern stand er im regen Austausch und Briefwechsel. Seine auf dem Feld der Literatur bedeutendste Arbeitsphase war die als Sekretär an der Seite des späteren Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll von 1961 bis 1968. Über ihn wusste Kock viele anerkennende Anekdoten zu berichten.

Erich Kock wurde am 19. September 1925 in Münster geboren. Hier besuchte er das Gymnasium Paulinum. Die späte Jugend war wie bei vielen Männern seines Jahrgangs von NS-Diktatur und Kriegsdienst überschattet. In der Gefangenschaft in Char­tres begann Kock im so genannten „Stacheldraht-Seminar“ unter Leitung des legendären Abbé Franz Stock das Studium der katholischen Theologie, Philosophie und Germanistik. Seit den 1950er Jahren war er als Journalist für Zeitungen, Zeitschriften und später für Rundfunk und Fernsehen tätig. Nach der Zeit an der Seite Heinrich Bölls engagierte sich Kock über mehrere Jahre publizistisch bei der Caritas. Er produzierte mehr als 100 Filme zu theologischen, kunst- und zeitgeschichtlichen Themen. 1977 erhielt Kock den Katholischen Journalistenpreis und 1990 den „Silbernen Brotteller“ des Deutschen Caritas-Verbandes.

Kocks literarisches Werk reicht von Büchern über seine münsterländische Heimat, sein geliebtes Flandern, die Aufarbeitung der NS-Diktatur bis hin zu Biografien und Essays über Persönlichkeiten der Geschichte und Gegenwart wie Heinrich Böll, Julien Green, Reinhold Schneider, Dompropst Bernhard Lichtenberg, Abbé Franz Stock und den seligen Nikolaus Groß. Mit Nelly Sachs, Julien Green, Robert Spaemann, Ernst Jünger, Lew Kopelew, Gabriel Marcel, Josef Pieper und dem emeritierten Papst Benedikt XVI. verbanden ihn Freundschaften und Briefwechsel.

Erich Kock, den Frömmigkeit, Ernsthaftigkeit und ein feiner Humor auszeichneten, war kein Freund journalistischer Schnellschüsse. Den auch in manchen Kreisen katholischer Publizistik angeschlagenen zynischen Ton mochte er nicht. Seine Sehnsucht galt stets auch der Heimatstadt Münster, die er gern besuchte. Ihr hat er in dem Buch „Die Jahre wie die Wolken gehen“ über seine Kindheit und Jugend ein faszinierendes Erinnerungsbild vermacht. Erich Kock wird im Gewirr der Stimmen dieser Zeit fehlen.

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