Taschendiebstähle Ex-Polizeichef: „Justiz muss umdenken“

Münster -

Münsters ehemaliger Polizeipräsident Hubert Wimber fordert eine härtere Gangart der Justiz bei Taschendiebstählen, die durch Gruppen - oft nordafrikanischer Männer - begangen werden. Der Rechtsstaat müsse sich wehren, sagt Wimber.

Von Dirk Anger
Hubert Wimber 
Hubert Wimber  Foto: bn

Jung, männlich, nordafrikanischer, häufig marokkanischer Herkunft – dieses Täterprofil beschäftigt die Polizei nicht erst seit den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht. Seit geraumer Zeit berichten Beamte in Münster verstärkt von Männern aus Nordafrika, die mit der sogenannten Antanzmasche zahlreiche Taschendiebstähle in der Stadt begehen. Angesichts dieser Lage und der in Münster zwischen 2012 und 2014 um 40 Prozent gestiegenen Zahl an Taschendiebstählen fordert der frühere Polizeipräsident Hubert Wimber die Justiz zum Umdenken auf: „Die Gesetze reichen zwar aus, aber wir müssen unser Instrumentarium schärfen.“

Konkret regt Wimber an, die juristische Bewertung bei den in Gruppen – häufig von Nordafrikanern – begangenen Taschendiebstählen zu überdenken. „Ich habe meine Zweifel, ob wir es hier wirklich nur mit leichten Straftaten zu tun haben.“ Vielmehr müsse dieses Vorgehen als Bandendiebstahl beurteilt werden. Das führe zu einem verschärften Strafrahmen und erleichtere in der Konsequenz den Erlass von Haftbefehlen gegen diese Täter, meint Wimber.

Nur allzu häufig, so beklagt der 2015 in Münster aus dem Amt geschiedene Polizeipräsident, hätten sich seine Beamten bereits bei der Festnahme von Tatverdächtigen anhören müssen: „Was wollt ihr denn, uns kann nichts passieren.“

Wimbers Folgerung: „Die Reaktion des Rechtsstaates ist unzureichend.“ Seine Forderung: „Wir müssen unsere Möglichkeiten konsequent ausnutzen – unabhängig von Herkunft, Ethnie und Religion der Täter“, betont der frühere Behördenchef am Friesenring.

Dazu gehört nach seiner Ansicht die Nutzung beschleunigter Verfahren im Bereich der Taschendiebstähle durch Gruppen: „Die Strafe muss der Tat auf dem Fuß folgen.“ In diesem Zusammenhang macht sich der erste Polizeipräsident der Republik mit grünem Parteibuch dafür stark, den Strafrahmen im beschleunigten Verfahren von bisher einem Jahr Freiheitsstrafe auf bis zu drei Jahre zu erweitern.

Wimber sieht akuten Handlungsbedarf: Wenn der Rechtsstaat Straftaten nicht ausreichend sanktioniere, wachse die Respektlosigkeit gegenüber seinen Organen – insbesondere der Polizei. „Wenn ich der Justiz etwas vorwerfe, ist es, dass sie diese Konsequenz ihres Tuns nicht mitbedenkt.“ Für manche Tätergruppen sei der Taschendiebstahl längst eine „lukrative Einnahmequelle“.

Hoffnung auf einen Kursschwenk löst bei Wimber die Nachricht aus, dass zwei von vier bei „Antanz-Diebstählen“ jüngst festgenommene Nordafrikaner nun in Untersuchungshaft sitzen. Das „Phänomen“ nordafrikanischer Tätergruppen will Wimber indes nicht mit aktuellen Flüchtlingsproblematik vermischt sehen. Viele der Tatverdächtigen lebten nämlich schon länger in Deutschland.

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