Neuntes „Klangzeit-Festival für Neue Musik“ Geheimnisvoll, dramatisch und witzig

Münster -

Das neunte „Klangzeit-Festival für Neue Musik“ hat „Neue Heimat“ zum Thema. Vom 8. bis 21. Februar sind aktuelle Kompositionen zeitgenössischer Komponisten zur hören.

Von Gerhard H. Kock
Kooperationspartner des Festivals (v.l.): Reinbert Evers von der Musikhochschule, Fabrizio Ventura vom Sinfonieorchester Münster und Erhard Hirt von der Gesellschaft für Neue Musik
Kooperationspartner des Festivals (v.l.): Reinbert Evers von der Musikhochschule, Fabrizio Ventura vom Sinfonieorchester Münster und Erhard Hirt von der Gesellschaft für Neue Musik Foto: Gerhard H. Kock

„Wo mein Kinderbett steht, ist meine Heimat. Sagt die Eine. Wenn das so ist, dann habe ich keine mehr. Entgegnet der Andere.“ Der münsterische Musikprofessor Stephan Fro­leyks hat diesen Satz geprägt. Und er passt zum „Klangzeit-Festival für Neue Musik“, das in seiner neunten Ausgabe das Thema „Neue Heimat“ hat.

Damit ist selbstverständlich nicht der Skandal aus den 80er Jahren um den ruinösen Wohnungsbau der Gewerkschaften gemeint. „Neue Heimat“ bezieht sich darauf, jenseits des eigenen „Kinderbettes“ ein prägendes Lebensgefühl zu finden – zum Beispiel in der Musik. Und das muss nicht Mozart, Beethoven oder Schubert sein. „Die Neue Musik ist nicht mehr dogmatisch. Sie ist bunter und offener“, wirbt Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura für zeitgenössische Komponisten. Und Erhardt Hirt mag die Kategorie „Neue Musik“ ohnehin nicht. Er spricht lieber von „aktueller Musik“.

Die gibt es beim Festival „Klangzeit“ zu hören, das sich im zweijährigen Rhythmus aktuellen Musikformen widmet – mit zahlreichen Uraufführungen. Das Programm wurde von Reinbert Evers, Stephan Froleyks (Musikhochschule), Erhard Hirt (Gesellschaft für Neue Musik), Jan Termath (Ensemble:Hörsinn) und Fabrizio Ventura (Sinfonieorchester Münster) zusammengestellt. Hirt: „Es reicht von Kammermusik mit Geige oder Klavier bis zu elektronischer Musik, von erzählerischen bis zu abstrakten Klängen.“

Zur Eröffnung am 8. Februar präsentiert Froleyks sein Stück „Daily Drones“ mit Alltagsobjekten und seinem Messer-Tisch. Burkhard Spinnen hält seinen Vortrag „Heimat auf der Zunge“. Einer der Höhepunkte ist die Uraufführung einer Neufassung von Giorgio Battistellis „Experimentum Mundi“, bei dem Ventura („eine geheimnisvolle, witzige und dramatische Musik“) nicht nur sein Sinfonieorchester dirigieren muss, sondern zudem 16 Handwerker, fünf Frauenstimmen und Hannes Demming, der den Text auf Niederdeutsch liest.

Mit Jeffrey Chings „Se­venteen Ghosts“ wird das Werk eines Kosmopoliten aufgeführt, der (so Evers) „universal gebildet“ ist und „Einiges erwarten lässt“. Die Eltern des 50-jährigen Komponisten kommen aus China, er wurde auf den Philippinen geboren, studierte in den USA und England, und am Tag, als er seinen britischen Pass bekam, zog er nach Berlin, wo er seitdem lebt und arbeitet. Ching: „Ich habe viele Heimaten – und keine! Oder: Die ganze Welt ist meine Heimat.“ „Ich suche in meinen Kompositionen immer nach neuen musikalischen Heimaten.“

Im Schlosstheater startet ab 14. Februar „Die zweite Heimat“ von Edgar Reitz.

Zum Thema

Das Klangzeit-Festival findet vom 8. bis 21. Februar statt. Karten gibt es ab sofort an der Theaterkasse: ✆ 5 90 91 00.

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