Weltklasse-Jongleur Johan Welltons im Pumpenhaus Äxte verfehlen das Publikum – zielsicher

Münster -

Der schwedische Weltklasse-Jongleur Johan Wellton zeigt im Rahmen des Festivals „Rappaport hits Münster“ im Pumpenhaus seine Show „On the loose“. Für die Vorstellungen am Donnerstag und Freitag (14. und 15. Januar) gibt es noch Karten: 0251 523452.

Von Isabell Steinböck
Johan Wellton zeigt im Pumpenhaus einen furiosen Zirkus mit Nervenkitzel und zum Staunen.
Johan Wellton zeigt im Pumpenhaus einen furiosen Zirkus mit Nervenkitzel und zum Staunen. Foto: Company

„Sie trauen mir – ich weiß nicht wieso“, sagt Johan Wellton, während er im hohen Bogen Äxte auf ein Holzbrett wirft. Einige schießen zielsicher daneben, knapp vor die erste Zuschauerreihe. „Und Sie sitzen da!“

Der schwedische Weltklasse-Jongleur bringt dem Publikum seine Kunst nicht nur gefährlich nah, er redet auch wie ein Wasserfall (auf Englisch), während er beiläufig eine Nummer nach der anderen präsentiert. Wo sich andere Artisten – womöglich noch zum Trommelwirbel – auf ihre Höhepunkte konzentrieren, wirkt dieser Entertainer, als sei er permanent mit anderen Dingen beschäftigt. Gerade das macht seine Show so beeindruckend.

„On the loose“ nennt sich Johan Welltons „Neuer Zirkus“, der im Rahmen des Festivals „Rappaport hits Münster“ im Pumpenhaus zu sehen ist. Musiker und Schauspieler Stephen Rappaport hat die Regie diese furiosen Solos übernommen, das einen Künstler ins Rampenlicht stellt, der nicht nur durch Tricks fasziniert, sondern im wahrsten Sinne des Wortes etwas zu sagen hat, wenn er in einer zweiten Ebene Höhen und Tiefen seiner Existenz als Künstler wie auch als Mann auslotet.

Vordergründig wirkt alles leicht, doch unter der glatten Oberfläche brodelt es: „Wir haben eine gute Zeit zusammen, lernen voneinander, verstehen uns“, suggeriert Wellton seinem Publikum, während er Softbälle jongliert, sie mal unter einen Tisch, mal in einen Koffer hüpfen lässt oder blind Würfel im Becher übereinander schüttelt, bis sie kleine Türmchen bilden.

Ausgeglichen und „gut organisiert“ möchte diese skurrile Figur wirken und bringt das Publikum doch nur deshalb zum Lachen, weil gar nichts funktioniert. Da wird ein Fön dampfend in Wasser versenkt, als er die Bälle nicht so hoch pustet wie geplant. Eine Wurfmaschine spuckt einen Stoffhamster aus, was der Künstler prompt als Kränkung versteht („Ich bin ein Löwe, kein Stoffhamster!“). Als seine Jacke Feuer fängt, flieht er wie eine lebendige Fackel hinter die Bühne, um, weiß bepudert, mit Feuerlöscher im Arm, prompt wieder zu erscheinen. Das funkensprühende Finale lässt nicht lange auf sich warten; am Ende bricht alles über ihn zusammen. Virtuos kontrolliertes Chaos – im besten Sinne: Neuer Zirkus.

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Johan Wellton ist noch einmal am Freitag (15. Januar) um 20 Uhr zu sehen. Karten: ✆ 23 34 43.

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