Arbeitsmarkt Ein Jahr der Rekorde

Münster -

Arbeitslosenquote auf dem Tiefstand, die zahl der sozialversicherungpflichtig Beschäftigen auf dem Höchststand: Die Arbeitsmarktdaten des vergangenen Jahren sprechen Bände. Münsters Wirtschaft ging es selten so gut – aber es fehlen Fachkräfte.

Von Karin Völker
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2015 war für die Wirtschaft in Münster ein gutes Jahr: Noch nie waren hier so viele Menschen erwerbstätig. Als „traumhaft“ bezeichnet Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, die Bilanz des Arbeitsmarktes. Deren Kennzahlen hat die Arbeitsagentur Münster-Ahlen am Mittwoch vorgelegt.

Die Arbeitslosenquote liegt mit 5,8 Prozent 0,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Damit hat Münster unter den größeren Städten in NRW den niedrigsten Wert. Im ebenfalls wirtschaftsstarken Düsseldorf gibt es acht Prozent Arbeitslose, in Duisburg, Schlusslicht im Land, 13 Prozent.

Mit 157 000 der 300 000 Einwohner in Münster ist mehr als jeder Zweite sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Laut Schulte-Uebbing ein „historischer Rekordwert“. Um fast zwölf Prozent ist laut Arbeitsagentur im Münsterland seit 2010 die Zahl der sozialversicherungpflichtig Beschäftigten gewachsen.

Die Folge für die florierende Wirtschaft: Qualifizierte Arbeitskräfte sind in manchen Branchen nur schwer zu finden. Die Arbeitsagentur nennt vor allem Gesundheitsberufe speziell Altenpfleger, die Gastronomie und Handwerksberufe. Eine Sprecherin der Handwerkskammer Münster berichtet von Abwerbekampagnen bei Bauberufen und einem großen Fachkräftebedarf in den Bereichen Metall, Elektro- und Kfz-Technik sowie Nahrung. „Ende 2014 hielten sich Stellenangebote und Stellengesuche in etwa die Waage, jetzt registrieren wir in unserer Börse doppelt so viele offene Stellen wie Stellengesuche“, so die Sprecherin. Die Nachwuchswerbung habe für das Handwerk absolute Priorität.

Es dauerte in Münster länger, bis offene Stellen wieder besetzt werden konnten – nämlich durchschnittlich drei volle Monate – „ein Höchstwert“, stellt die Arbeitsagentur fest. Ausdruck der guten Konjunktur in der Stadt sei auch, dass mehr unbefristete Stellen angeboten wurden. IT-Betriebe profitierten von den qualifizierten Studierenden und Absolventen der Hochschulen vor Ort, erklärt Schulte-Uebbing.

Trotz der euphorischen Bilanz bleiben Sorgen: Etwas mehr als die Hälfte der 2015 arbeitslos gemeldeten rund 21 000 Münsteraner sind Langzeitarbeitslose. Ihre Zahl blieb relativ konstant. Auch Arbeitslose über 50 Jahre haben es laut Agentur schwer, eine neue Beschäftigung zu finden.

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