Kegelclub besteht seit 80 Jahren Vier Kegelbrüder unter sich

Münster -

„Loat susen – Dolle 9“ heißt er Kegelclub, der seit 80 Jahren besteht. Inzwischen sind es nur noch vier Mitglieder, die sich regelmäßig treffen. Mit dabei ist Ewald Pötter. Er ist mit 96 Jahren das letzte verbleibende Gründungsmitglied.

Mit 17 Jahren wurde Ewald Pötter zum Kegeln quasi „gezwungen“. Die Nationalsozialisten verboten seinen bisherigen Handball-Sportverein. Da schlossen sich einige Freunde zu einem Kegelclub zusammen. Heute ist der 96-Jährige das letzte verbleibende Gründungsmitglied des Clubs „Loat susen – Dolle 9“. Der Verein besteht seit 80 Jahren mit inzwischen nur noch vier Mitgliedern, berichtet Franz Josef Lübbe.

Doch noch immer treffen sich alle vier Kegelbrüder jeden Mittwoch. „Wir haben eine Gemeinschaft, wie ich sie nie gekannt habe“, sagt Ewald Pötter. Das Kegeln und die Jagd nach allen Neunen ist nach vielen Jahrzehnten in den Hintergrund getreten. Gespräche und Geselligkeit, ab und zu mal ein Bier, das ist den Vereinsmitgliedern heute wichtig. Ewald Pötter, Günter Bebnorz, Hans Gasche und Franz-Josef Lübbe treffen sich dazu regelmäßig zum Stammtisch. Eigentlich schlug Ewald Pötters Herz für einen anderen Sport. Anfang der 1930er Jahre spielte er mit anderen Lehrlingen und Schülern Handball. Aber dann kam Hitler, alle Vereine, die irgendwie mit der Kirche verbunden waren, wurden von den Nationalsozialisten verboten, erinnert sich der 96-Jährige. Auch sein Handballverein musste schließen.

Den Sport und die Freundschaft wollten sich die Jungs damals nicht verbieten lassen. „Dann haben die Alten einen Kegelclub aufgemacht“, „Loat susen“ hieß der Club. Das war 1936 und „die Alten“ waren Männer Ende 20.

Ewald Pötter selbst gehörte mit 17 Jahren zu den Jüngeren, die kurzerhand ihren eigenen Verein gründeten – die „Dolle 9“. Im Zweiten Weltkrieg war ans Kegeln nicht mehr zu denken. Einige Kegelbrüder starben an der Front, aber bereits zwei Jahre nach dem Krieg trafen sich beide Clubs erneut. Einige Jahre später kegelten sie gegeneinander. „Wir haben jahrelang einen Konkurrenzkampf gehabt“, 1955 siegte die Gemeinschaft, die Kegelclubs fusionierten. „Loat susen – Dolle 9“ war geboren.

Zwölf Männer trafen sich nun regelmäßig, kegelten um Herbst- und Königstitel, machten Ausflüge mit den Frauen. Es musste sogar ein Aufnahmestopp verhängt werden, weil kein Platz war. Mit den Jahren wechselten die Kegelbrüder, einige starben. Im Januar feierten schließlich vier Kegler das 80-jährige Club-Jubiläum. Heute halten sie auch ohne sportlichen Wettkampf besser zusammen als jemals in der Clubgeschichte, sind sich die vier Männer einig.

Vor sechs Jahren nahm Ewald Pötter noch selbst die Kugel in die Hand. Heute ist Kegeln für den 96-Jährigen nur noch Nebensache. „Ich komme nicht mehr runter.“ Auf die Gemeinschaft seiner Kegelbrüder will Pötter aber nicht verzichten: „Ich genieße jede Stunde mit ihnen.“

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