Krankenhaus-Übernahme „Wir waren keine Fremden“

Greven -

Die Franziskus-Stiftung hat das Grevener Krankenhaus vor wenigen Monaten übernommen. Und die Beteiligten zeigen sich zufrieden. „Dieser Wechsel war am Krankenbett zu keinem Zeitpunkt spürbar“, sagt Chefarzt Burkhard Greulich.

Von Ulrich Reske
Das neue Leitungsteam:  Stefan Kentrup, Kaufmännischer Direktor, Dr. Burkhard Greulich, Ärztlicher Direktor, Burkhard Nolte, Regional-Geschäftsführer der Franziskus-Stiftung.
Das neue Leitungsteam:  Stefan Kentrup, Kaufmännischer Direktor, Dr. Burkhard Greulich, Ärztlicher Direktor, Burkhard Nolte, Regional-Geschäftsführer der Franziskus-Stiftung. Foto: res

Das wundert Chefarzt Burkhard Greulich auch 75 Tage nach der Übernahme des Maria-Josef-Hospitals durch die Franziskus-Stiftung immer noch. „Dieser Wechsel war am Krankenbett zu keinem Zeitpunkt spürbar.“

Dabei wurden am 1. November sämtliche Leitungen zum alten Ckt-Verbund gekappt und die Verbindungen zur Franziskus-Zentrale am Hohenzollernring in Münster aufgenommen. Von einem auf den anderen Tag alles umgestellt, von der Buchhaltung über die Medikamentenversorgung bis zur Verwaltung.

Pannenloser Übergang

„Wir waren eben keine Fremden“, begründet Burkhard Nolte, der als Regional-Geschäftsführer der Franziskus-Stiftung für die Verbindung zwischen dem münsterischen Oberzentrum und den darum gruppierten Hospitälern der Stiftung zuständig ist, den weitgehend pannenlosen Übergang. Doch in diesem Punkt schält sich im Gespräch mit Nolte, Greulich und dem neuen kaufmännischen Direktor des Krankenhauses, Stefan Kentrup, auch ein Unterschied zwischen früher und heute heraus.

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Dieser Wechsel war am Krankenbett zu keinem Zeitpunkt spürbar.

Dr. Burkhard Greulich, Ärztlicher Direktor

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„Im Ckt-Verbund waren die Krankenhäuser nicht hierarchisch strukturiert.“ Das hat sich deutlich geändert. „Maximalversorgung gibt es in Münster. Die Grund-und Regelversorgung vor Ort in Greven,“ schleicht Nolte nicht um den heißen Brei herum. Von dieser Rangordnung werden alle Häuser profitieren, ist sich das kaufmännisch-medizinische Trio sicher.

Geografische Vorteile

Grevener, die beispielsweise in die Hände der Herzspezialisten nach Münster verlegt werden, aber auch Grevener Patienten, die unter den gleichen Standards wie in Münster jetzt heimatnah vor Ort behandelt werden können. Den erklärten Wunschpartnern spielt dabei auch die geografische Nähe ins Konzept. Nein, Bedeutungsverluste im Vergleich zum Oberzentrum quälen den Internisten gar nicht. „Für mich war das die einzige Lösung.“

Trotzdem gingen die vielen Monate der Unsicherheit nicht spurlos am Maria-Josef-Hospital vorbei. Personell gab es im Arzt- und Pflegebereich Verluste. „Es sind Leute gegangen,“ räumt Nolte ein. Weniger in der Inneren Abteilung, mehr in der Chirurgie und Gynäkologie. Genaue Zahlen präsentieren die Gesprächspartner nicht. „Wir haben uns mit Honorarärzten behelfen müssen,“ verweist Stefan Kentrup, seit 1. Januar neuer kaufmännischer Direktor, auf ein in Krankenhäusern durchaus übliches Verfahren.

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Das ist eine Arbeitnehmerbranche.

Stefan Kentrup, Kaufmännischer Direkto

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„Nach dieser elend langen Phase der Unsicherheit“, so Nolte, „werden wir uns 2016 stabilisieren.“ Dabei helfe die Nähe zu Münster und die Franziskus-Liaison. Der Ärztliche Direktor Greulich nennt als Beispiel rotierende Ärzten in der Ausbildung. Die kriegen nämlich etwa im Fachgebiet Innere Medizin das dreijährige Fundament der Fachausbildung in Greven und können sich dann in Münster spezialisieren.

Personal-Aufstockung

Auch im Pflegebereich gibt es in Greven keine „Riesenlücken“. Trotzdem benötige man mehr Personal. Auch da ist die neue Krankenhausleitung bereits aktiv geworden. Neueinstellungen, auch aus Emsdetten und Münster, werden ergänzt durch den Versuch, „die Pflege von pflegefreien Tätigkeiten“ zu entlasten. Hol- und Bringedienste von Patienten, sofern nicht medizinisch indiziert, fallen darunter.

Apropos Emsdetten: Nach der Schließung des Krankenhauses hätten etliche Mitarbeiter auch in Greven Arbeit gefunden. Auf einem Arbeitsmarkt, den Kentrup als „Arbeitnehmerbranche“ bezeichnet, sei die Jobsuche derzeit kein großes Problem.

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Da sind schnell mal ein paar 100 000 Euro fällig.

Burkhard Nolte, Regionalgeschäftsführer der Franziskus-Stiftung

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Die lange Phase der Unsicherheit ging auch baulich und investiv nicht spurlos am Grevener Krankenhaus vorbei. „Das ist zwar nicht so wie in Borghorst“, sagt Nolte, räumt aber einen gewissen Stau ein. Etwa beim Equipment im OP-Trakt. „Da sind schnell mal ein paar hunderttausend Euro fällig.“

Baulich steht vor allem eine neue Geriatrie im Fokus. Da würden wohl 2017 „die medizinischen Vorstellungen in eine bauliche Planung gegossen werden“.

Trotz der weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen müsse man sich um die Zukunft des Grevener Krankenhauses keine Sorgen machen. „Hoch motivierte und veränderungsbereite Mitarbeiter“ sorgten genauso für die verlässliche Perspektive wie die Tatsache, „dass die Franziskus-Stiftung schließlich nicht „blind und blauäugig in die neue Trägerschaft“ gegangen sei.  

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