„Archiv des Nichts“ von Stephan Us wird seit zehn Jahren ständig erweitert Am Anfang gibt es immer Witzchen

Münster -

Vor 15 Jahren begann Stephan Us damit, sich mit dem „Nichts“ auseinanderzusetzen. Diese Beschäftigung mündete vor zehn Jahren im Herzstück: dem „Archiv des Nichts“. Dieses wurde im Januar 2006 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Westfälischen Nachrichten stellen in einer dreiteiligen Serie das „Archiv“ und seinen Künstler vor.

Von Gerhard H. Kock
Aufgebaut ist das „Archiv des Nichts“ ein Regalsystem in Z-Form. Hier können sich Besucher mit ihrem und anderem „Nichts“ auseinandersetzen. Mittlerweile umfasst das Archiv 2800 Beiträge – CD und DVD, Bücher, Bilder und Objekte.
Aufgebaut ist das „Archiv des Nichts“ ein Regalsystem in Z-Form. Hier können sich Besucher mit ihrem und anderem „Nichts“ auseinandersetzen. Mittlerweile umfasst das Archiv 2800 Beiträge – CD und DVD, Bücher, Bilder und Objekte. Foto: Stephan Us

Das „Archiv des Nichts“ hat zwar das Nichts zum Inhalt, besteht aber nicht aus Nichts. Vor 15 Jahren begann Stephan Us damit, sich mit dem „Nichts“ auseinanderzusetzen. Diese Beschäftigung mündete vor zehn Jahren im Herzstück: dem „Archiv des Nichts“. Dieses wurde im Januar 2006 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Westfälischen Nachrichten stellen in einer dreiteiligen Serie das „Archiv“ und seinen Künstler vor.

„Was ist das denn?“ Diese Reaktion kennt Stephan Us. Begleitet von Schmunzeln, Witzeln und flotten Sprüchen nähern sich Besucher seinem Nichts-Archiv. „Das ist immer so.“ Ändert sich aber rasch, „wenn die Nutzer sehen, wie viel Persönliches in dem Archiv steckt“. Die Reaktionen auf Förder-Anträge des Künstlers sollen ebenfalls oft witzig sein: „Du machst nix, wir geben nix.“ Mittlerweile ist das „Archiv des Nichts“ aber bekannt.

Meist über die Internetseite erhält Stephan Us ein Mal in der Woche einen Beitrag. Zum Beispiel vom Kinderzentrum „Das gute Laune Haus“ in Frankfurt, das ein Projekt zum „Nichts“ durchgeführt hatte und dem Münsteraner nun die Dokumentation zukommen ließ mit anrührenden Gedichten von Kindern: „Wenn ich ganz alleine bin, dann muss ich weinen. Ich mag das Nichts nicht!“, schreibt eine Neunjährige.

Sortiert sind die 2800 Beiträge nach Begriffen: Nichts, Leere, Müßiggang und Nichtstun, Loch, Vakuum, Abwesenheit, Stille, Null sowie Schweigen. Unter „Abwesenheit“ findet sich zum Beispiel ein Buch mit Arbeiten Tony Conlans. Der Münsteraner schuf einen Grabstein mit der Aufschrift: „Bin gleich zurück“. Das Nichts lässt sich mit Humor nehmen. Hauptsächlich stehen im Archiv Datenspeicher und Druckwerke, auch ein paar Objekte. Wenn das Archiv aufgebaut ist, kommen persönliche Statements hinzu, was Menschen über das Nichts denken („Das kommt häufig vor“). Manche bringen Beiträge mit.

Sogar kunsthistorische Erkenntnisse lassen sich gewinnen: Mehr als 20 Jahre vor monochromen Malern wie Rodschenko, Malewitsch oder Yves Klein und lange vor John Cages berühmtem Stück „4:33“ (es besteht nur aus Pausen) hat Alphonse Allais 1897 ein Album mit drei monochromen Bildern vorgestellt und einen Trauermarsch für das Begräbnis eines tauben Mannes veröffentlicht: Bilder mit nichts als einer Farbe, Musik aus nichts als Notenlinien.

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