Melanie Bisping und Nadia Pereira Benavente zeigen im Wewerka-Pavillon „Happy Hop“ Wenn die Hüpfburg traurig wird

Münster -

Melanie Bisping und Nadia Pereira Benavente haben eine Hüpfburg in den Wewerka-Pavillon gestellt. „Happy Hop“ heißt ihre Installation.

Von Gerhard H. Kock
Die beiden Künstlerinnen Nadia Pereira Benavente und Melanie Bisping dürfen sich auf ihre Hüpfburg im Wewerka-Pavillon setzen; Kunstfreunde müssen draußen bleiben.
Die beiden Künstlerinnen Nadia Pereira Benavente und Melanie Bisping dürfen sich auf ihre Hüpfburg im Wewerka-Pavillon setzen; Kunstfreunde müssen draußen bleiben. Foto: Gerhard H. Kock

Die Hüpfburg – Inbegriff ausgelassener Fröhlichkeit, unbeschwerter Kindheit und einer sorgenloser Zeit. Eine Verheißung für Kinder und gelegentlich auch für Erwachsene. Im Wewerka-Pavillon haben Melanie Bisping und Nadia Pereira Benavente ein solches Luftschloss platziert. Doch weil Münsters größte Ausstellungsvitrine immer geschlossen ist, wird die Hoffnung auf Spaß von den Künstlerinnen frus­triert.

Wäre der aufgeblasene Plastiksack eine Person, sie wäre vermutlich auch wohl traurig. Und als ob dies augenscheinlich werden soll, haben Bisping und Benavente für den gut drei Meter hohen Innenraum ein zu großes Exemplar bestellt. Im Gegensatz zur Geburtsstunde der Hüpfburg kein Versehen, sondern künstlerische Absicht.

Entstanden ist die Hüpfburg als „Luftburg“ im Jahr 1977. Laut Wikipedia hatte die österreichische Unternehmerin Elisabeth Kolarik für das Spielzimmer ihrer Tochter Marianne eine aufblasbare Spielwiese von einem englischen Hersteller aus Heißluftballon-Stoff bestellt. Weil die Briten irrtümlich „Zoll“ und „Zentimeter“ verwechselten, konnte die mehr als zweieinhalb mal so große „Spielwiese“ nun nur im Freien verwendet werden. Die clevere Geschäftsfrau griff die Idee auf und ließ mehr „Luftburgen“ produzieren: der Siegeszug der Hüpfburg konnte beginnen.

Während der Ausstellungszeit wird diese besondere „Traglufthalle“ durch einen Ventilator aufgeblasen. Abends sowie zwischendurch (damit das Gebläse nicht heiß läuft) darf und kann die Luft komplett entweichen. Das ist in diesem Umfeld ein trauriger Anblick. „Sie sieht dann depressiv aus oder müde“, findet die Spanierin Benavente.

Kläglich indes endet jede Aufblas-Aktion, denn der Pavillon ist für die Zinnen zu klein. Ausgerechnet. Versinnbildlicht doch gerade dieses mittelalterliche Architektur-Element den Stolz einer Burg. Insofern entlarvt die Arbeit die Illusion einer Festung als Spielzeug und vielleicht sogar ein wenig mehr – die Illusion einer Kindheit ohne Sorgen und Beschwernisse, einer Zeit reiner Freude und Fröhlichkeit. Um dieses Spannungsfeld geht es in der Arbeit „Happy Hop“. Bisping: „Die Hüpfburg verstärkt den Moment der Sehnsucht.“

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Die Installation ist bis zum 27. März im Wewerka-Pavillon am Aasee (Nähe Torminbrücke) zu sehen. Die Einführung übernimmt Benedikt Fahrnschon.

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