Ursula Nelles ist die Festrednerin beim Neujahrsempfang im Rathaus Uni-Rektorin spricht Tacheles

Münster -

Weniger klagen, mehr machen! Die WWU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles hat die Münsteraner dazu aufgefordert, mehr die Chancen der Stadt zu sehen und weniger ihre vermeintliche Benachteiligung zu beklagen.

Von Klaus Baumeister

Jetzt ist es raus: Ihren wichtigsten Ratschlag fürs Leben hat die Rektorin der Uni Münster, Prof. Dr. Ursula Nelles, von ihrer Oma erhalten – und zwar die Lehre vom „Gipsei.“ Immer wenn Omas Hühner das Eierlegen vergaßen, legte Oma ein Gipsei in den Hühnerstall, gemäß der Erkenntnis: „Die Hühner legen ihre Eier dort ab, wo bereits ein Ei liegt.“

Anhand dieser Lehre durchforstete die Uni-Rektorin beim Neujahrsempfang im Rathaus, wo sie als Festrednerin fungierte, die münsterische Kommunalpolitik und kam zu der Erkenntnis, dass weniger Luftschlösser und mehr Gipseier erforderlich seien.

"

Unser Teil ist gepflastert, der städtische Teil ist es nicht.

Uni-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles über den Schlossplatz

"

Die WWU Münster jedenfalls sei mit der Gipsei-Methode in den vergangenen Jahren sehr gut gefahren. Zu vielen funktionierenden Forschungseinrichtungen seien weitere hinzugekommen, referierte die Rektorin. Nicht ganz unbescheiden fügte Nelles hinzu: „Die Uni ist für Münster auch ein Gipsei.“

Einem Teil der münsterischen Stadtgesellschaft attestierte Nelles eine „bräsige Unbeweglichkeit“. Jeder Verlust einer Behörde werde als „feindlicher Angriff“ gewertet. Zu den endlosen Debatten über die vermeintliche Benachteiligung Westfalens gegenüber dem Rheinland hatte die Referentin eine klare Meinung: „Ich kann es nicht mehr hören.“

Statt über die Mitleidsschiene zu gehen, sei es für Münster allemal besser, aus einer Position der Stärke zu argumentieren, zumal die Stadt in Phasen der Not ohnehin über eine erstaunliche „kollektive Umsetzungsstärke“ verfüge. Exemplarisch nannte sie die Hilfseinsätze nach dem Unwetter 2014 und die aktuelle Hilfe für Flüchtlinge.

"

Sie hat die Stadt  vorangebracht. Jetzt ist Erntezeit.

Oberbürgermeister Markus Lewe über die Uni-Rektorin

"

Deutliche Kritik äußerte Nelles auch am Rat der Stadt Münster, wo ein „Verfall der politischen Moral“ erkennbar sei und „kleinkarierte Partikularinteressen“ oft wichtiger seien als das Wohlergehen der Stadt.

Apropos Gemeinwohl: Angesichts der Diskussionsfreude der Münsteraner und ihrer Neigung dazu, Projekte zu zerreden, gelte manchmal eine ganz einfache Bürgerpflicht: „Mund halten!“ Speziell bei wichtigen Bauvorhaben hätten die Debatten oft eine Blockade nach sich gezogen. „Man sollte darüber erst reden, wenn die Bagger bereits da sind.“

Um ihrer viel beachteten Rede keinen falschen Zungenschlag zu geben, verriet Nelles gleich zu Beginn ihre Herkunft: „Ich bin gerne Münsteranerin.“

„Goldene Bauhelme schon in Bearbeitung“

„Die goldenen Bauhelme sind schon in Bearbeitung.“ Beim Neujahrsempfang im Rathaus lobte der Hausherr Markus Lewe ganz ausdrücklich den Investitionsboom, den Münsters Hochschulen derzeit erleben. In vielen Rankings sei die WWU Münster inzwischen ganz oben anzutreffen.

Was die erforderliche Integrationsarbeit bei den Flüchtlingen betrifft, so ließ Lewe keinen Zweifel daran, dass sich nach den Ereignissen von Köln eine neue Herausforderung ergebe. Es sei wichtig, „die Balance zwischen Warmherzigkeit und Klarheit“ erhalten. Einseitige Debatten seien schädlich.

Nochmals rief der Oberbürgermeister die für 2016 anstehenden Beratungen über den münsterischen Zukunftsprozess in Erinnerung. Diesen betrachte er auch als einen Beitrag zum sorgsamen Umgang mit Finanzmitteln. Lewes Credo: „Die Städte, die keine Strategie haben, geben am meisten Geld aus.“

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3729194?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F