Hotelier Hendrik Eggert über die Lage in Münster 8000 Betten – das passt

Münster -

8000 Betten stehen zurzeit in Münster unter anderem in Hotelbetrieben für Gäste bereit. Genug, sagt Hendrik Eggert, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Münster und blickt sorgenvoll auf die Entwicklung in der Branche.

Hotelier Hendrik Eggert ist seit zwölf Jahren Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Münster.
Hotelier Hendrik Eggert ist seit zwölf Jahren Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Münster. Foto: Matthias Ahlke

Die Hotellandschaft in Münster ist in Bewegung. Betriebe wollen sich neu ansiedeln, ein Hotel wird erweitert, der Wettbewerb nimmt zu. Münster, sagt der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Hendrik Eggert, sei bei Städtetouristen beliebt. Eggert (46) selbst betreibt in fünfter Generation das Landhaus Eggert in der Haskenau mit 70 Betten. Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit ihm über den Wandel in der Branche.

Blicken Sie sorgenvoll in die Zukunft?

Eggert: Ein Stück weit ja. Ich möchte nicht zu pessimistisch sein, aber Sorgen haben wir schon, wenn rund 400 Betten dazukommen. Es wird in Münster aufgrund der zusätzlichen Betten nicht einfacher. Das ist eine Menge, auch wenn Münster als ein B-Standort gut positioniert ist.

B-Standort?

Eggert: Nach Städten wie Hamburg, Berlin oder Frankfurt sind es die etwas kleineren Städte, die noch gute wirtschaftliche Daten aufweisen. Dabei werden aber schnell Begehrlichkeiten geweckt, was sich in Münster in den nächsten zwei oder drei Jahren auf dem Hotelmarkt niederschlagen wird.

Wie geht es der Hotelbranche in Münster?

Eggert: Die Buchungszahlen und Durchschnittspreise sind auf einem guten Niveau, jedoch sind die Übernachtungen in den ersten drei Quartalen 2015 leicht zurückgegangen.

Wie erklären Sie sich den Rückgang?

Eggert: Vielleicht sind es die fehlenden Messen in Münster, aber vielleicht ist der Markt ein Stück weit gesättigt.

Wie viele Betten gibt es in Münster?

Eggert: Mit den Kapazitäten in den Schulungsheimen sind wir bei über 8000 Betten.

Ist diese Zahl passend?

Eggert: Es passt. Wenn Münster so weitermacht wie bisher, dann kann die Stadt noch ein oder zwei Hotels im Niedrig-Preis-Segment vertragen, dann ist es aber gut gewesen.

Es haben sich auch Schulungsheime schon verabschiedet?

Eggert: Dafür kommen sehr viele Boardinghäuser und private Vermittler, die in den Buchungsplattformen der Hotels erscheinen. Das wird immer mehr.

Es wird immer ein Fünf-Sterne-Haus gewünscht, ist das auch Ihr Wunsch?

Eggert: Das hat aber bisher nur jemand gesagt, der sich mit der Branche nicht auskennt. Wer sich auf fünf Sterne konzentriert, muss so viele Serviceleistungen bringen. Und bei den steigenden Löhnen heutzutage ist man schnell in einem Preissegment, das schwer zu verkaufen ist. Außerdem fehlt in Münster ein bisschen die Internationalität.

Wie stufen Sie die Hotelpreise in Münster ein?

Eggert: In Deutschland sind die Preise im Vergleich zum Ausland noch niedrig. Im Vergleich zu den Metropolen liegen wir im Mittelfeld. Aber wenn mehr Betten angeboten werden, beeinflusst dies auch die Preise.

Wie ist heute das Buchungsverhalten der Gäste?

Eggert: Kurzfristig und es wird mehr online gebucht. Das ist extrem angestiegen, und es erhöht aber natürlich auch den Preis, denn auch die Portale machen es nicht umsonst. Vor Kurzem hat das Bundeskartellamt ja die Bestpreisklausel für Buchungsplattformen verboten. So lohnt es sich für den Gast immer mehr, wieder direkt im Hotel zu buchen.

Wie lange bleiben die Gäste im Schnitt?

Eggert: Es schwankt. Der Geschäftsreisende bleibt ein bis zwei Nächte, der Tourist zwei bis vielleicht fünf Tage. Der statistische Durchschnitt bei den Hotels liegt in Münster bei 1,7 Übernachtungen.

Hat der Hotelboom in Münster auch mit der Skulpturenausstellung 2017 zu tun?

Eggert: Die Ausstellung ist ein Magnet, das war schon vor zehn Jahren zu spüren.

Ärgert die Bettensteuer die Hotelbetriebe?

Eggert: Der Rat gab einen Prüfungsauftrag an die Verwaltung weiter, obschon die Steuer rechtlich sehr unsicher ist. Es werden damit auch falsche Zeichen gesetzt. Die fünf Prozent, die pro Tourist im Raume stehen, können nicht einfach an die Gäste weitergegeben werden.

Was ist eine Bettensteuer?

Eggert: Die Bettensteuer, Tourismusabgabe oder Kulturabgabe – man weiß nicht, wie sie genannt wird, wird auf die Beherbergung von Touristen aufgeschlagen.

Wie eine Kurtaxe?

Eggert: Ziemlich ähnlich. Nur werden die Einnahmen einer Kurtaxe wieder komplett in die Tourismusinfrastruktur investiert, und der Gast erhält in der Regel noch Gegenleistungen wie kostenfreies Busfahren sowie ermäßigte Eintritte in Bäder oder Museen. Es ist auch nicht jeder Tourist ein Städte­tourist. Viele Gäste nutzen die schönen Hotels der Stadt für Familienfeiern und auch als Zwischenstation für die Durchreise. Für Geschäftsreisende gilt diese Bettensteuer nicht. Die Abgabe kommt in einen großen Topf und wird nicht in den Tourismus reinvestiert. Eine Million Euro brutto soll die Steuer bringen. Zieht man die Kosten für Bürokratie und dadurch sinkende Gewerbesteuer der Betriebe wieder ab, bleibt außer Arbeit und Abschreckung unserer Gäste nicht viel übrig.

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