Arte zeigt den Kurator der Skulptur-Projekte bei Atelierbesuchen König krabbelt durchs Knopfloch

Münster -

In der vierteiligen Serie „Ateliergespräche“ begleiten die Sender RBB und Arte Kasper König nach Paris, Berlin, New York und in die Schweiz. Dort trifft der Gründer der Skulptur-Projekte Münster Künstler wie Claes Oldenburg, Nicole Eisenman, Niele Toroni, Sophie Calle, Ayşe Erkmen, Monica Bonvicini, Roman Signer und Peter Fischli in ihren Ateliers.

Von Gerhard H. Kock
Claes Oldenburg (l.) und Kasper König sprechen über die „Paint Torch“ in Philadelphia. Dort rutscht König auch den „Split Button“, den gebrochenen Knopf, seines Freundes herunter.
Claes Oldenburg (l.) und Kasper König sprechen über die „Paint Torch“ in Philadelphia. Dort rutscht König auch den „Split Button“, den gebrochenen Knopf, seines Freundes herunter. Foto: Bildersturm

Claes Oldenburg mahnt: „Pass auf, wir werden noch verhaftet!“ Doch Kasper König ist nicht zu stoppen. Der Westfale krabbelt mit seinen 72 Jahren unter den „Split Button“ in Philadelphia, steckt seinen Kopf durch das Knopfloch und rutscht die schräge weiße Fläche hinunter. „Ist sehr gut in Schuss“, merkt Claes Oldenburg an. Und man weiß nicht genau, meint er seine Skulptur oder den König? Beide vermutlich.

In der vierteiligen Serie „Ateliergespräche“ von Corinna Belz begleiten die Sender RBB und Arte den umtriebigen Gründer der Skulptur-Projekte nach Paris, Berlin, New York und in die Schweiz. Dort trifft Kasper König Künstler wie Claes Oldenburg, Nicole Eisenman, Niele Toroni, Sophie Calle, Ayşe Erkmen, Monica Bonvicini, Roman Signer und Peter Fischli in deren Allerheiligstem – ihren Ateliers.

König wandelt und schlurft durch die Metropolen – eine Stofftasche in der Hand und Postkarten im Mund. Denn neben seiner unbändig kindlichen Neugier, seinem scharfen Intellekt und seinen Erfahrungen ist das Geheimnis des einflussreichen Ausstellungsmachers und Kurators sein dickes Adressbuch. Der Film zeigt König in seinem Büro wie er mit Stift, Schere und Papier ganz analog Karten schreibt und anfertigt, die er dann zwischendurch in einen Postkasten wirft.

In New York begrüßt Claes Oldenburg König: „Er ist immer noch sehr jung.“ Dann sprechen die beiden alten Männer über das Sexuelle von Kippschaltern und erinnern sich, wie der junge König Mitte der 60er der erste Europäer war, der mit den jungen aufstrebenden Künstlern in Big Apple Kontakt aufnahm. Oldenburg und König erfanden dann das „Maus Museum“. In New York besucht König die 50-jährige Nicole Eisenman. Die Tochter eines Psychoanalytikers fragt ihn spontan, ob er ihr nicht Modell sitzen wolle. Er will. „Mal mir nicht so schmale Lippen“, verlangt er. Und sie sagt flüsternd in die Kamera: „Er hat schmale Lippen.“

Auf dem Montmartre in Paris trifft er Niele Toroni, der sich der Profitmaximierung des Kunstmarktes widersetzt und sich diebisch freut, wenn sein künstlerisch gestalteter Sarg eingeäschert wird – zum Entsetzen der Kunsthändler. Das Gespräch mit Sophie Calle beginnt spröde, irgendwann steht König einfach auf und wandelt durch die Wohnung der Künstlerin, während die unbeeindruckt weiterplaudert.

In Berlin erzählt König beim Besuch Ayşe Erkmens, wie er die SPD in Berlin beschimpft habe, sie setze sich nichts fürs Gemeinwohl ein: „Die Kette muss weg.“ Die Kette, die verhindert, dass der Leinpfad entlang der Spree öffentlich zugänglich wird. Bei Monica Bonvicini bekommt Berlin noch mal Fett weg: „Ich habe noch nie eine so hässliche Stadt gesehen.“ König und die Künstlerin sprechen darüber, wie viele „doofe Ausstellungen“ es gebe und dass das Künstler-Dasein ein „schwerer Job“ und eine „ziemlich einsame Angelegenheit“ sei. Für König hat die Kunst dadurch eine „heroische Dimension“.

In der Schweiz begegnet König Peter Fischli, der ihn um eine Skulptur herumführt – das originalgetreu nachgebaute „Haus“, das als Skulptur-Projekt 1987 neben der Imbissbude „Charlotte“ stand. Fischli möchte es nun in Zürich aufstellen. Bei Roman Signer erlebt König, wie der Künstler mit einem Modellhubschrauber Papierblätter von einem Tisch fegt.

Die „Ateliergespräche“ gewähren nicht nur einen Einblick in das Arbeiten von König, sondern zugleich in das Denken und Fühlen von Künstlern. Und immer wieder begegnet der Zuschauer den „Skulptur-Projekten“.

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Die Serie ist auf Arte sonntags um 11.15 Uhr zu sehen: Paris (10. Januar), New York (17. Januar), Berlin (24. Januar) und Schweiz (31. Januar). Die Sendungen stehen dort 90 Tage in der Mediathek.

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