Theater zeigt „Das Original“ als Erstaufführung Echt ist das Leben

Münster -

Das Theater Münster zeigt „Das Original“ von Stephen Sachs als deutsche Erstaufführung mit Carola von Seckendorff und Gerhard Moor. Es geht um Kunst, um Wahrheit und vor allem um das Leben.

Von Helmut Jasny
Um Kunst geht es auch: Aber „Das Original“ von Stephen Sachs bietet Carola von Seckendorff und Gerhard Moor die Gelegenheit, ein Stück über das echte Leben auf die Bühne zu stellen – neben einen „Jackson Pollock“ (r.).
Um Kunst geht es auch: Aber „Das Original“ von Stephen Sachs bietet Carola von Seckendorff und Gerhard Moor die Gelegenheit, ein Stück über das echte Leben auf die Bühne zu stellen – neben einen „Jackson Pollock“ (r.). Foto: Oliver Berg

Ist das Kunst, oder kann das weg? Dies zu entscheiden, steigt der Kunstexperte Lionel Percy von seinem New Yorker Büro in die Niederungen einer Wohnwagensiedlung herab. Dort haust Maude Gutman, eine verkrachte Bardame, die auf dem Trödel ein Bild gefunden hat, das sie für einen millionenschweren Jackson Pollock hält.

Es geht um Kunst in Stephen Sachs’ Theaterstück „Das Original“, das im „U2“ des Theaters Münster deutsche Erstaufführung feierte. Aber mehr noch geht es um das Leben. Denn mit Maude und Lionel prallen zwei höchst gegensätzliche Menschen aufeinander. Hier der erfolgreiche und entsprechend arrogante Kunstpapst, dort die Vertreterin einer sozialen Schicht, die man in Amerika wenig charmant „weißen Abschaum“ nennt.

In der Inszenierung von Oliver D. Endreß werden diese Gegensätze weidlich ausgespielt. Lilith-Marie Cremer hat ein kitschiges Sperrmüll-Interieur auf die Bühne gebaut. Dort empfängt Maude den Kunstexperten und führt ihm ihren „Pollock“ vor. Gerhard Moor in der Rolle des Lionel agiert ausgesprochen überheblich, liefert aber auch einiges an Komik, wenn er beim Prüfen des Gemäldes wichtig daran schnuppert und in es hineinzuhören versucht. Trotzdem fällt sein Urteil vernichtend aus – eine Fälschung, weil zu exakt gemalt.

Das will Maude nicht akzeptieren, denn sie fühlt sich mit dem Bild selbst abgeurteilt. Wenn sie anfängt, um den Wert des Gemäldes zu kämpfen, kämpft sie um ihren Wert als Mensch. Für das Publikum eröffnen sich dabei Einblicke, die vieles, was vorher eindeutig schien, in ein neues Licht rücken. Carola von Seckendorff legt eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit an den Tag, wenn sie Maudes Charakter auslotet. Dabei überzeugt sie vor allem in den einfühlsamen Passagen, während die ordinären manchmal ein bisschen gewollt wirken.

„Das Original“ ist ein ebenso unterhaltsames wie spannendes Stück über die Kunst und das Leben und darüber, wer hier Deutungshoheit hat. Maude geht es um die Wahrheit. Sie ist sogar bereit, die Kunst zu zerstören, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das will Lionel verhindern. Für ihn steht die Kunst im Vordergrund, denn mit der Wahrheit ist er schon mal auf die Nase gefallen, wie sich herausstellt. Trotzdem scheint er am Ende des Stückes etwas gelernt zu habe. Auch wenn dann immer noch nicht klar ist, ob der Pollock jetzt echt ist oder eine Fälschung. Sehenswert.

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Vorstellungshinweise und Karten: ✆ 5 90 91 00.

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