Polizeipräsident zieht Schlüsse aus Köln Kuhlisch: Kameras kein Allheilmittel

Münster -

Münsters Polizeipräsident Hans-Joachim Kuhlisch will genaue Schlüsse aus den Kölner Vorfällen ziehen, wo es in der Silvesternacht zu zahlreichen Übergriffen gegen Frauen gekommen war. Eine ausgeweitete Videoüberwachung hält er dabei nicht für ein probates Mittel.

Von Ralf Repöhler
Polizeipräsidenten Hans-Joachim Kuhlisch zweifelt an der abschreckenden Wirkung von Videoüberwachung, wie sie zuletzt in Köln gefordert wurde.
Polizeipräsidenten Hans-Joachim Kuhlisch zweifelt an der abschreckenden Wirkung von Videoüberwachung, wie sie zuletzt in Köln gefordert wurde. Foto: Matthias Ahlke

Auch wenn in Münster keine mit den Kölner Übergriffen vergleichbaren Fälle bekannt sind, will Polizeipräsident Hans-Joachim Kuhlisch „genau gucken, unter welchen Rahmenbedingungen eine solche Lage eskalieren kann“.

Seit Ende 2014 gebe es in Münster eine Form von Taschendiebstählen, bei denen die Täter ihre Opfer auf der Straße oder in Diskotheken antanzen und berühren, um das Portemonnaie oder das Smartphone zu stehlen. Dabei gebe es einen Schwerpunkt von Tätern aus Nordafrika. „Die körperliche Nähe ist hier Mittel zum Zweck der Ablenkung. Mit Berührungen im Intimbereich, wie sie aus Köln bekannt wurden, hat das nichts zu tun“, erläutert Kuhlisch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Vor allem vor dem Kölner Hauptbahnhof, aber auch in anderen Städten war es in der Silvesternacht zu zahlreichen sexuellen Übergriffen gegen Frauen in Verbindung mit Taschendiebstählen gekommen. Inzwischen gingen nach Polizeiangaben in Köln mehr als 100 Anzeigen von mutmaßlichen Opfern ein, davon haben drei Viertel einen sexuellen Hintergrund. Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft.

Meinung

Bei der Wahrheit bleiben: Übergriffe lassen Emotionen hochkochen - ein Kommentar .

„Köln“, sagt Kuhlisch, „ist mit den Übergriffen auf Frauen – möglicherweise eben nicht als Ablenkung, sondern als wirkliches Sexualdelikt – eine ganz andere Dimension. Das müssen wir im Auge behalten.“

Münsters Polizeipräsident hat seine Zweifel, ob dabei eine ausgeweitete Videoüberwachung , wie in Köln gefordert, ein probates Mittel ist. „Sie ist kein Allheilmittel, weil die Abschreckung zumindest fraglich ist“, so Kuhlisch. Ein polizeilicher Schwerpunkt, wie ihn sich das Polizeipräsidium gesetzt habe, sei der richtige Weg.

Münsters Polizei geht seit Jahren konzentriert gegen den Taschendiebstahl und das Antanzen vor. Die Zahl ist bis November im Vergleich zum Vorjahr zumindest nicht gestiegen. Dabei hat sie „hausgemachte Täter und welche mit Migrationshintergrund“, so Kuhlisch, im Visier. „Diese Täter segeln unter dem Begriff der flüchtenden Menschen. Sie sind aber schon viel länger hier, seit dem arabischen Frühling 2010.“

Kommentar

Die Polizei in Münster reagiert angemessen , meint WN-Redakteur Ralf Repöhler.

Im Nachhinein habe es weitere Zuwanderungen gegeben, auch über Spanien und Frankreich. „Es sind typischerweise alleinreisende junge Männer, die auch in Münster in den verschiedensten Unterkünften ihren Wohnsitz haben und die dann immer mal wieder auffällig werden. Aber: Sie zählen nicht zu aktuell flüchtenden Menschen.“

Nach Erkenntnissen der Polizei wechselt diese Gruppe in Zusammensetzung und Umfang. „Die Frage ist, ob die Täter allein unterwegs sind oder ob sie miteinander kommunizieren. Wir wissen, wo sie sich aufhalten und wir versuchen die Szene nicht nur zu beobachten, sondern auch ein Stück unter Druck zu halten“, sagt Kuhlisch. So gab es Ende letzten Jahres eine Razzia im Bereich Bahnhof und Hafen.

Kuhlisch betont, dass die in den vergangenen Monaten geflüchteten Menschen polizeilich unauffällig seien. Es gebe zwar kleinere Delikte in den Unterkünften, wie mal eine Beleidigung oder Bedrohung, die es aber immer dort gebe, wo Menschen unter engen Bedingungen miteinander leben. „Wir haben in Münster die glückliche Situation, dass wir mit den Landeseinrichtungen in den ehemaligen Kasernen große Räumlichkeiten haben, wo man die Dinge scheinbar viel besser in den Griff bekommt als in anderen Städten“, sagt Kuhlisch.

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