Die verschollenen Kirchenbank-Schilder Historischer Diebstahl aufgeklärt

Münster-Nienberge -

Einen alten Kriminalfall haben Mitglieder des Heimatvereins Nienberge vor einiger Zeit gelöst.

Von Marion Fenner
Kirchenbankschilder wie dieses zierten in früheren Zeiten die Sitzgelegenheiten in der Pfarrkirche St. Sebastian.
Kirchenbankschilder wie dieses zierten in früheren Zeiten die Sitzgelegenheiten in der Pfarrkirche St. Sebastian. Foto: privat/eb

Die Tat ist längst verjährt – dennoch soll im neuesten Heimatblatt, das der Vorsitzende des Vereins, Josef Rölver, gemeinsam mit Reinhold Klumpe vorstellte, auch die Öffentlichkeit darüber informiert werden. Es geht in einem Beitrag von Werner Döring und Gerd Grahlmann um die im Jahr 1956 verschwundenen Kirchenbankschilder.

Wer es sich leisten konnte, durfte sich in früheren Zeiten in der St.-Sebastian-Kirche gegen ein Entgelt eine komplette Bank reservieren lassen. Für zehn Jahre gehörte der komfortable Sitzplatz beim Gottesdienst dem Pächter und seiner Familie. Ein kleines Messingschild an der Bank machte dieses Vorrecht für jeden sichtbar.

Josef Rölver erinnert sich noch an die Zeit. Vor allem die reichen Bauern hätten sich dieses Vorrecht erkauft und es auch rigoros durchgesetzt, erzählt Klumpe. „Wenn eine Familie einmal nicht in die Kirche kam, haben die Nachbarn darauf geachtet, dass sich dort auch kein anderes Gemeindemitglied hinsetzt“, berichtet Rölver.

Durch den Zuzug der Heimatvertriebenen sei nach dem Zweiten Weltkrieg die Einwohnerzahl in Nienberge enorm gestiegen. Die Neubürger hätten nie eine Chance auf einen Sitzplatz gehabt, wird im Heimatblatt aus den Auszeichnungen von einem unveröffentlichten Manuskript über die Kirchenbänke zitiert.

Pfarrer Carl Neuendorff, der 1954 die Pfarrstelle in St. Sebastian übernahm, sei diese Reservierungsmethode ebenfalls ein Dorn im Auge gewesen, erzählt Klumpe. Vor allem, weil bei seiner Amtseinführung nicht einmal ein Sitzplatz für seine Eltern in der Kirche vorhanden war. Auch sie hätten stehen müssen, berichtet Rölver. Doch freiwillig wollte keiner der Bankinhaber auf sein Recht verzichten.

Eines Morgens im Jahr 1956 waren die Schilder plötzlich weg. „Der Verdacht fiel sofort auf den Pfarrer“, erzählt Rölver. Er habe seinen Unmut über die Reservierungsschilder bereits einmal gegenüber des Kirchenvorstands kundgetan, aber nicht zum Kirchenraub aufgefordert, heißt es im Beitrag im Heimatblatt.

Die Polizei sei damals eingeschaltet worden, um gegen Unbekannt zu ermitteln. Klar, dass der Ortspolizist in dieser Sache auch den Pfarrer aufsuchte. Der allerdings habe erklärt, dass er von der Sache nichts wisse. Der Fall blieb ungelöst.

Doch vor knapp zwei Jahren sind die Schilder wieder aufgetaucht und zwar im Kirchentresor in Nienberge. Messdiener sollen die Schilder damals abgeschraubt und dem Seelsorger übergeben haben, heißt es in dem Bericht. Ob Neuendorff Anstifter war, lasse sich nicht wirklich klären, versichert Klumpe. Aber gewusst habe er von der Aktion, ist sich der Ortschronist sicher. Einen Teil der Schilder habe der Pfarrer später den Eigentümern still und heimlich wiedergegeben, 49 waren noch in der Schachtel, die 2014 im Tresor auftauchte. Angebracht wurde damals übrigens kein Schild mehr, dafür habe Pfarrer Neuendorff zu viel Autorität gehabt, erzählt Josef Rölver. Seitdem darf jeder sitzen, wo er will.

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