Citymaut-Debatte
FH-Professor wehrt sich gegen Kritik der IHK

Münster -

Nach der Kritik der Industrie- und Handelskammer an den Überlegungen der Fachhochschule zum Thema City-Maut geht die Debatte weiter. Ein „weiter so“, davon ist FH-Porfessor Martin Robert Lühder überzeugt, werde in einer Stadt wie Münster zum Kollaps führen.

Donnerstag, 07.01.2016, 10:00 Uhr aktualisiert: 07.01.2016, 20:46 Uhr
 Maut auf der Autobahn – daran hat man sich gewöhnt. Bei der City-Maut teilen sich die Geister. Foto: dpa

„Natürlich ist Pkw-Mobilität ein wichtiger Standortfaktor, aber irgendwann kippt dieser Vorteil zu Lasten von Urbanität und städtebaulicher Verträglichkeit. Münster hat diesen Punkt erreicht.“ Mit diesen Worten reagiert Prof. Dr. Martin Robert Lühder, Verkehrsexperte an der Fachhochschule Münster, auf die Kritik der Industrie- und Handelskammer an Lühders Forschungen zum Thema Citymaut.

Wem gehört die Stadt?

In einer Replik, die er unserer Zeitung geschickt hat, weist Lühder darauf hin, dass in vielen Städten mit Citymaut, so Kopenhagen, die Initiative von der Bürgerschaft ausgegangen sei, nicht von der Politik. Das hänge damit zusammen, dass stetig wachsender Autoverkehr eine Grundsatzfrage berühre: „Wem gehört die Stadt?“ Nach Ansicht des Verkehrsexperten muss jede Kommune das Recht haben, „nur so viel Verkehr in der Stadt zuzulassen, wie für die Bewohner verträglich ist“.

Kommentar

Kommentar zum Thema: Die Debatte der Zukunft

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Das Thema Citymaut betrachtet der FH-Professor speziell für Münster als wichtiges Thema, trotz aller Kontroversen. Der Überschuss an Arbeitsplätzen löse Tag für Tag gewaltige Pendlerströme aus. Dauerhaft ändere sich daran auch nichts, da der „angespannte Wohnungsmarkt in Münster“ die Menschen nicht aufnehmen könne. Sprich: Die Pendler bleiben Pendler.

Pendler zum Umsteigen bewegen

Allein auf freiwilliger Basis lasse sich ein Umstieg auf Busse und Bahn nicht erzielen, da jede damit verbundene Entlastung der Straße das Verkehrsmittel Auto für alle anderen wieder interessanter mache. Genau an dieser Stelle sei die Citymaut ein wichtiges Regulativ. Bei rund 100 Euro Maut im Monat pro Pendler sei die Benutzung von Bus und Bahn preiswerter, zugleich helfe die Maut bei der „Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur im Umweltverbund“.

Eine unbeschränkte Zufahrt in das Zentrum von Münster ist auf Dauer nicht hinnehmbar.

Prof. Dr. Martin Rüdiger Lühder, Verkehrsexperte an der Fachhochschule Münster

Ein „weiter so“, davon ist Lühder überzeugt, werde in einer Stadt wie Münster zum Kollaps führen: „Eine unbeschränkte Zufahrt in das Zentrum von Münster ist auf Dauer nicht hinnehmbar.“

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