Elda Laro hat Münster zum Jahreswechsel verlassen – und strebt jetzt eine Dirigentinnenkarriere an „La Traviata? Sofort!“

Münster -

„Piano, piano“, sagt Elda Laro und meint damit nicht etwa die Lautstärke des Gesprächs. Sondern die Dynamik ihrer Karriere, die sie ganz sachte vorantreiben möchte. Sofern man denn ihren Wechsel zur Deutschen Oper Berlin und ihre Ambitionen als Dirigentin mit einer solchen Beschreibung in Einklang bringen kann.

Von unseremRedaktionsmitgliedHarald Suerland

Elda Laro, die Frau mit den lang über den Rücken fallenden Haaren, verbrachte den Jahreswechsel buchstäblich zwischen Umzugskisten. Im Januar ging es los mit dem Korrepetitoren-Job an der renommierten Hauptstadt-Oper im Westen Berlins. Eigentlich ist sie dort zuständig fürs italienische Repertoire. Aber als erste Aufgabe wartet dort schon Benjamin Brittens „Peter Grimes“, auch Strauss’ „Elektra“ wird sie einstudieren. Das sind Stücke, in denen die Frau am Klavier alle Hände voll zu tun hat, um die Sänger zu begleiten – für Elda Laro gewiss kein Problem: Hat sie doch auch in den drei Jahren in Münster, als Studienleiterin am Theater und zusätzlich als Dirigentin des Konzertchores, nicht nur ein großes Repertoire-Feld beackert. Sondern ganz „nebenbei“ noch im Tanzabend „Der schwarze Garten“ mit Rachmaninow-Klaviermusik gezeigt, welch fabelhafte Pianistin sie ist.

„Ich bin jetzt Dirigentin“, lautete der Satz, mit dem sie vor ihrem Abschied aus Münster noch über ihre Ambitionen sprach: nicht „nur“ vier Chorstimmen leiten, sondern das komplexe Geflecht einer Orchesterpartitur durchleuchten – womöglich noch mit Chor dazu wie in Orffs „Carmina Burana“, die sie an den letzten Tagen des Jahres in ihrer albanischen Heimat dirigiert hat. Und das war insofern schon eine heikle Herausforderung, weil die Aufführungen mit Ballett stattfanden. Vorn die Tänzer, hinten die Musiker, und mittendrin die Dirigentin, die ohne Hilfe von Fernseh-Monitoren den Laden zusammenhalten musste. Die Reise „war erfolgreich“, meldet sie aktuell, „und sie wollen, dass ich im Februar Ballett und Oper dirigiere.“

Wie gut sie ihr Metier beherrscht, haben ihr schon andere Dirigenten attestiert. Will Humburg etwa, Münsters ehemaliger GMD: Er lernte Laro am Teatro Massimo Bellini im sizilianischen Catania kennen und empfahl ihr, sich nach Münster zu bewerben. „Und wenn Maestro Humburg das sagt, dann mache ich es“, sagt sie rückblickend und findet, dass Münster genau richtig für sie war. Auch an Humburgs neue Wirkungsstätte Darmstadt hätte sie gehen können – doch der Zug zur Hauptstadt war stärker.

Ein anderer Dirigent, von dem sie geradezu schwärmerisch spricht, ist der italienische Star Riccardo Muti. Der lauschte ihr einmal heimlich in Mailand, wo sie eine Probe für den abwesenden Maestro leitete, und kam dann applaudierend auf sie zu: „Das war gut dirigiert!“ Überhaupt, die italienischen Dirigenten: Dem verstorbenen Claudio Abbado gedenkt sie mit verklärtem Blick, dem münsterschen GMD Fabrizio Ventura verdankt sie „viele wertvolle Hinweise“, und den jungen Star Antonello Manacorda, für seine Schubert-Aufnahmen aus Potsdam gelobt, kennt sie bestens: Mit ihm, der ursprünglich Geiger ist, hatte sie viele gemeinsame Duo-Auftritte.

Kein Wunder, dass bei ihrer nächsten Station als Dirigentin italienisches Belcanto-Repertoire auf dem Programm steht: Für das Romeo-und-Julia-Stück „I Capuleti e i Montecchi“ hat sie bereits mit den Sängern gearbeitet und die Romeo-Mezzosopranistin zu schlanker Klanggebung angehalten, damit sie den zarten Julia-Sopran nicht übertönt.

Bellini ist ein Komponist, den sie liebt, weitaus mehr als dessen lustigen Kollegen Rossini. Und Verdi? „Die Traviata würde ich sofort dirigieren“, verkündet Elda Laro mit Feuereifer, „auch den Troubadour – aber nicht Rigoletto.“ Man müsse die Stücke im Körper haben, lautet ihre Devise – und den Orchestermusikern ihre Freiheit lassen, ihnen nicht alles vorschreiben. „Ich muss eine Klangvorstellung haben, muss die entscheidenden Stimmen hervorheben“, beschreibt sie ihre Aufgabe. Sinfoniekonzerte in Tirana unter Elda Laros Leitung sind bereits geplant, die Programme stehen allerdings noch nicht fest. Mit den frühen Tschaikowsky-Sinfonien liebäugelt sie, aber auch mit einem so feinen Werk wie Schuberts Fünfter.

Elda Laros Arbeitsschwerpunkt ist die Deutsche Oper. In Berlin hat sie jetzt eine vorübergehende Bleibe, in einem halben Jahr folgt die endgültige Wohnung. Das Dirigentenpult will sie nach und nach erobern: „Ich möchte sehr langsam in diese Richtung gehen, nicht wie eine Verrückte“, sagt Elda Laro und fasst es mit zwei kurzen Worten zusammen: „Piano, piano.“

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