Neue Modelle der Sparkasse Münsterland Ost Geld reicht nicht fürs Spar-Konto

Münster -

Ingrid und Dieter Haring ärgern sich über die neuen Konto-Modelle der Sparkasse Münsterland Ost. Diese finden sie unsozial, da sie ältere Menschen und Geringverdiener stärker zu Kasse bäten. Die Sparkasse selbst sieht das anders.  

Von Markus Kampmann
Ingrid und Dieter Haring finden die neuen Konto-Modelle der Sparkasse Münsterland Ost „unsozial“.
Ingrid und Dieter Haring finden die neuen Konto-Modelle der Sparkasse Münsterland Ost „unsozial“. Foto: mfk

Ingrid und Dieter Haring ärgern sich mächtig. Stein des Anstoßes sind die neuen Kontomodelle der Sparkasse Münsterland Ost, die – wie berichtet – ab Februar gelten. Sie ärgern sich aber weniger über die teils deutliche Gebührenerhöhung, sondern vor allem darüber, dass hierdurch insbesondere ältere Menschen und Geringverdiener belastet würden. So wie Ingrid Harings Mutter.

88 Jahre ist die Seniorin alt und lebt im evangelischen Altenhilfezentrum Meckmannshof. Weil ihre Rente nicht reicht, um die Heimkosten zu decken, zahle das städtische Sozialamt die Kosten, erklärt Ingrid Haring. Dafür allerdings gehe ihre Rente direkt ans Amt.

Das ist das Problem: Bisher führt Ingrid Haring die Bankgeschäfte ihrer Mutter via Online-Banking – sie nutzt das Girokonto-Modell „Giro Aktiv“. Das ist zwar auch in den neuen Tarifen ohne monatliche Grundgebühr vorgesehen, aber nur noch nutzbar, wenn monatlich mindestens 750 Euro eingehen. Die Seniorin aber erhalte vom Sozialamt lediglich ein Taschengeld von 100 Euro überwiesen. Da sie „die erforderlichen Bedingungen“ nicht erfülle, wolle die Sparkasse sie auf das Modell „Giro Basis“ umstellen, schrieb sie der Seniorin.

Das sagt die Verbraucherberatung

Bei der Beratungsstelle Münster der Verbraucherzentrale NRW suchen bisher nur vereinzelt Kunden der Sparkasse Münsterland Ost Rat wegen der neuen Konto-Modelle. „Wir haben Anfragen, aber nicht viele“, sagt Schuldnerberaterin Simone Weinke. Vorgehen könnten die Kunden dagegen aber nicht. Weinke rät Betroffenen, die Modelle zu prüfen und das für sie günstigste herauszusuchen – oder zu einer anderen Bank zu wechseln. Mit dem Rundum-Paket „Giro Komfort“ für 7,90 Euro liege die Sparkasse im Vergleich durchaus in der „gehobenen Preiskategorie“. Andererseits sei sie ein lokaler Anbieter, was ebenfalls ein Aspekt sei, den Kunden bei ihrer Entscheidung berücksichtigen sollten.

Bei einer Grundgebühr von 3,90 Euro und einigen kostenpflichtigen Buchungen kämen da schnell fünf Euro pro Monat zusammen, rechnen Harings vor: „Das sind fünf Prozent ihres Monatseinkommens.“ Ihnen persönlich gehe es nicht so sehr um die 3,90 Euro, betonen beide. Aber dass die Sparkasse ihren Profit auf Kosten von Geringverdienern und älteren Menschen mehren wolle, die sich gegen die Umstellung kaum wehren könnten, das ärgert das Ehepaar besonders. „Das ist unsozial“, sagt Ingrid Haring. Gerade die öffentlich-rechtliche Sparkasse nehme doch „eine besondere Rolle“ ein, meint Dieter Haring. Zudem habe die Sparkasse Münsterland Ost 2014 einen Gewinn von 20 Millionen Euro erwirtschaftet. Seine Schlussfolgerung: Hier geht es vor allem um mehr Profit.

Anders sieht das die Sparkasse: Sie hatte die Neugestaltung unter anderem mit mehr Wirtschaftlichkeit begründet. Aber auch soziale Aspekte seien berücksichtigt worden, sagt Sprecher Sebastian Pähler. „Wir haben uns bewusst für einen im Wettbewerbsvergleich niedrigen Wert für den Mindestgeldeingang entschieden, den ein Großteil unserer Kunden auf ihrem Hauptkonto erreicht.“ Dazu gehörten beispielsweise auch Transferleistungsempfänger wie Bezieher von Hartz IV und Wohngeld. Auch biete die Sparkasse die Möglichkeit, „in einem persönlichen Gespräch gemeinsam eine tragfähige Lösung zu finden“, sollte der Mindestgeldeingang nicht erreicht werden. Bei wie vielen Kunden das der Fall ist, konnte Pähler nicht mitteilen.

Harings gehen davon aus, dass sie bei Weitem nicht die einzigen Betroffen sind. Sie haben ein persönliches Gespräch gesucht: Die angebotene Pauschale von vier Euro finden sie aber – gemessen an der bisher kostenlosen Kontoführung – immer noch zu hoch. „Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass wir woanders hingehen“, sagt Ingrid Haring.

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