Citymaut
Fachhochschule Münster stellt Konzept vor

Münster -

Die Fachhochschule Münster möchte die Verkehrsdebatte in Münster beleben. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Citymaut.

Montag, 04.01.2016, 07:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2016, 07:06 Uhr
Gewohntes Bild: Volle Straßen und Stau in der City. Über eine Maut könnten diese Probleme einer Untersuchung nach reduziert werden. Foto: Oliver Werner

Der Verkehrsexperte Prof. Martin Robert Lühder von der Fachhochschule Münster weiß, wie sensibel das Thema ist. Also beugt er vor: „In den nächsten fünf Jahren wird es in Münster keine Citymaut geben.“ Vielleicht auch in den nächsten zehn Jahren nicht.

Von einem aber ist Lühder überzeugt: „Es wird sie irgendwann geben.“ Denn Münster ist für ihn ein Paradebeispiel für die doppelte Problemlage attraktiver Großstädte. Zum einen: „Die Automassen werden immer mehr zur Belastung für die Innenstadt.“ Zum anderen: „Der Stadt fehlt es an Geld, um die Mobilität anderweitig zu organisieren.“

Aus diesem Grund haben sich FH-Wissenschaftler unter seiner Leitung mit dem Thema beschäftigt, unter anderem die Bauingenieurin Lisa Szeike, die in ihrer Masterarbeit ein komplettes Citymaut-Modell entwickelt hat.

In den nächsten fünf Jahren wird es in Münster keine City-Maut geben.

Prof. Martin Robert Lühder

Hier die Eckwerte:

► Münster erhält ein klar definiertes Maut-Gebiet, das begrenzt wird durch Ring, Friedrich-Ebert-Straße, Metzer Straße, Inselbogen und dann die Weseler Straße bis zum Ring. Wer stadteinwärts fährt, wird mautpflichtig.

► Bei Einfahrt in das Mautgebiet werden automatisch über VLPR-Kameras die Autokennzeichen erfasst und die Halter als Zahler herangezogen.

► Alle Autohalter in dem Mautgebiet sind von der Maut befreit, bei allen anderen Münsteranern wird eine Tagesgebühr von zwei Euro fällig, sobald sie in das Gebiet einfahren.

► Die Maut für Nicht-Münsteraner ist gestaffelt je nach Tageszeit: von 6.30 bis 8.30 Uhr sowie von 15 bis 19 Uhr liegt die Gebühr bei 5,20 Euro, zwischen 8.30 und 15 Uhr sind es 3,10 Euro. Dabei handelt es sich um eine Tagesgebühr. Sprich: Wer mehrfach am Tag einfährt, zahlt trotzdem nur einmal.

Kommentar

► Die Abend- und Nachtstunden sowie Samstage, Sonntage und Feiertage sind frei. Rettungsfahrzeuge und Lieferverkehr sind ebenfalls frei.

► Um Münster als Einzelhandelsstandort nicht zu schwächen, besteht die Möglichkeit, an Maut-Tagen die Parkplätze innerhalb des Mautgebietes gebührenfrei anzubieten beziehungsweise Parkgebühren mit der Maut zu verrechnen.

► Die Mauteinnahmen werden unter anderem eingesetzt zur ÖPNV-Förderung, zum Radwegeausbau sowie zur Organisation eines Park&-Ride-Systems mit mehreren großen Parkplätzen am Stadtrand.

Nach den Untersuchungen der FH-Verkehrsexperten hätte ein solches Verfahren dramatische Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen in der Stadt. Hier zwei Szenarien:

► Der Durchgangsverkehr durch die Stadt wird abnehmen. Um Geld zu sparen, benutzen Autofahrer die A 1 als westliche oder die (in einigen Jahren fertiggestellte) Umgehungsstraße als östliche Umfahrung. Auch auf dem Ring steigt das Verkehrsaufkommen.

► Für Berufspendler, die regelmäßig in das Mautgebiet müssen, werden Busse, Bahnen oder das ausgebaute Park & Ride-Angebot zur preiswerteren Alternative.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3716810?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Polizei Münster erteilt Auskunft
Polizeipräsidium Münster
Nachrichten-Ticker