Urban Priol live
Kriegt die Grenze blaue Flecke?

Münster -

Hektisch wie immer tigert Urban Priol auf der Bühne herum. Das Weißbier steht bereit, die Koboldfrisur reckt sich aggressiv in Luft. „Auswendiglernen lohnt nicht mehr!“ gibt er am Donnerstagabend in der Halle Münsterland gleich zu Protokoll. Die Ereignisse überschlügen sich in solchen Tempo, dass jede Pointe im Nu überholt sei.

Freitag, 16.10.2015, 14:03 Uhr aktualisiert: 16.10.2015, 14:16 Uhr
Was passiert einer verletzten Grenze? Kabrettist Urban Priol ist ratlos – und greift zu alten Witzen. Foto: Werner Zempelin

Wirklich? Das bejubelte Kabarett des ehemaligen ZDF-„Anstalts“-Wärters begnügte sich meist mit altbekannten Priol-Ingredienzien, die der immer bedrohlicher brodelnden Welt hilflos entgegengrinsten. „Wir wollen es immer einfach haben!“ urteilt er über das Wesen des trotteligen Teutonen. Wen wundert’s, dass Priol es sich da selber einfach macht und seiner zahlenden Klientel schlicht das gibt, was sie erwartet.

Urban Priol 2015 in der Halle Münsterland

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    Urban Priol am 15. Oktober 2015 in der Halle Münsterland.

    Foto: Werner Zempelin
  • Urban Priol am 15. Oktober 2015 in der Halle Münsterland.

    Foto: Werner Zempelin
  • Urban Priol am 15. Oktober 2015 in der Halle Münsterland.

    Foto: Werner Zempelin
  • Urban Priol am 15. Oktober 2015 in der Halle Münsterland.

    Foto: Werner Zempelin
  • Urban Priol am 15. Oktober 2015 in der Halle Münsterland.

    Foto: Werner Zempelin
  • Urban Priol am 15. Oktober 2015 in der Halle Münsterland.

    Foto: Werner Zempelin

Alle Politiker sind Vollpfosten

Die „große europäische Idee“ brauche nur etwas Solidarität, um aus dem Quark zu kommen. Der gierige Ami mit seinen Konzernen ist so böse, wie der rechtschaffene Grieche unschuldig an seiner Lage ist. Die herzlose EU ist schuld an allen Flüchtlingen. Alle Politiker sind Vollpfosten – es sei denn, sie heißen Bodo Ramelow und haben es vom SED-Nachlassverwalter zum thüringischen Ministerpräsidenten gebracht. Man merkt, woher bei Priol der Wind der Weisheit weht.

Sympathisch war beim hibbeligen Kabarett-Kobold jedoch immer, dass er den kollektiven Kotau vor der Kanzlerin verweigerte. „Was hab ich mich an diesem Führungsvakuum abgearbeitet!“, schnaubt er. Doch herrje! Auf einmal macht sie, was sie soll. Zeigt Gefühl und reißt jene Grenzen nieder, die in Priols idealer Welt sowieso nur der Wirtschaft gebührten.

Logisch verheddert

Man spürt, wie sich Priol beim Flüchtlingsthema logisch verheddert – und oft selber nicht mehr weiß, was er loben oder tadeln soll. „Grenzschutz! Was passiert einer verletzten Grenze? Kriegt die blaue Flecke?“ Wer über so was lacht, lässt vermutlich nachts die Haustür auf. Die Priol-Fans störte nicht mal, dass ihm zu Islamisten nicht mehr einfiel, als den abgestandenen Witz von den „72 Jungfrauen“ im Attentäter-Paradies zu bringen.

Und Merkel? Wie einst Bob der Baumeister rufe die nun immerfort: „Wir schaffen das!“ Plötzlich tadelt Priol die große Beschwichtigerin wieder. Wenn ein weißer Elefant in der Wohnung sei, sage Merkel ungerührt: „Da ist kein Elefant!“ Welchen „weißen Elefanten“ Priol genau meinte, hat man leider nicht erfahren.

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