Ein Abend ohne Abschluss
Lionel Richie durfte geplante Zugabe nicht spielen

Münster -

Es hätte so schön sein können: Anderthalb Stunden lang Party mit Lionel Richie, dann zum Abschluss ein versöhnliches „We are the World“ – Fans und Star liegen sich sprichwörtlich in den Armen und lassen den Abend gemeinsam ausklingen. So macht es Richie auf der aktuellen Welttournee. Eigentlich. Am Freitagabend kam es anders: Grußlos verschwand er nach seinem Hit „All Night long“ von der Bühne – und kam nicht für die geplante Zugabe zurück. Die Fans blieben pfeifend im Regen stehen.

Sonntag, 21.06.2015, 15:01 Uhr aktualisiert: 21.06.2015, 19:27 Uhr
„Meet & Greet“ vor dem Konzert: Doreen Lange hatte das Treffen mit Superstar Lionel Richie bei den Westfälischen Nachrichten gewonnen. Foto: Gunnar A. Pier

Was war passiert? „Wir dürfen nur bis 22 Uhr“, klärt Fred Handwerker , Chef des gleichnamigen Veranstaltungsagentur, im Gespräch mit unserer Zeitung auf. Und weil Lionel Richie bereits eine gute Viertelstunde überzogen hatte, als er nach dem regulären Konzertteil von der Bühne ging, wurde er nicht zurück ans Mikro gelassen. In Münster darf eben nicht „All Night long“, also die ganze Nacht lang, gesungen werden. „Das war keine einfache Entscheidung“, gibt Handwerker zu, „aber wir wollten das nicht weiter ausreizen.“

Eigentlich wollte Lionel Richie schon einige Tage vor seinem Konzert am Freitag nach Münster kommen und sich ein wenig umschauen. „Das hat nicht geklappt, leider“, verriet er wenige Minuten vor seinem Auftritt vor dem Schloss. Der US-Superstar kam erst um kurz vor knapp aus London .

Als die schwarze Limousine mit Lionel Richie in den Backstage-Bereich rollt, haben Sängerin Anastacia und ihre Band die Bühne schon wieder in Richtung Catering-Zelt verlassen. Sie hatten am Freitagabend als Anheizer den rund 7900 Fans die Gedanken an Kälte und Regen vertrieben. Für ein paar Minuten verschwindet Lionel Richie in seiner Garderobe, einem mit Teppichboden, Spiegel und Sofa gemütlich eingerichteten Container.

Dort begrüßt er einige Gäste. Unter ihnen: WN-Leserin Doreen Lange. Sie hatte beim Gewinnspiel unserer Zeitung Glück und darf den Star in den Arm nehmen. Die Musiklegende zeigt sich extrem nahbar und sympathisch. Wo Doreen sitzen werde, fragt er, und ob die Plätze gut seien. Er verspricht: „Ich schaue zu dir rüber!“ Dann noch ein Foto, und das Treffen ist vorbei. Lionel Richie hat noch etwas vor: Er muss auf die Bühne.

Dort kommt er mit einer Viertelstunde Verspätung an. „c.t“, wie man hier auf dem Uni-Gelände so sagt. Um 20.45 Uhr beginnt er mit einem theatralischen Intro und dem Song „All around the World“. In den folgenden anderthalb Stunden wechselt er unnachahmliche Balladen („Three Times a Lady“) mit kräftigem Soul und leichtem Pop („Don’t stop the Music“) ab. Die Viertelstunden-Verspätung hängt er am Ende dran und spielt bis 22.15 Uhr. Nur die übliche Zugabe bleibt eben aus, obwohl sie eigentlich auf dem geheimen Ablaufplan des Konzerts stand.

Die Fans wussten von den Hintergründen nichts – und waren entsprechend verärgert. Viele pfiffen, als Arbeiter begannen, auf der Bühne die Mikrofone abzubauen, einige beschimpften unschuldige Ordner. Schließlich hatten sie mitunter deutlich über 100 Euro für ihre Eintrittskarten gezahlt. Nun merkten sie, dass etwas fehlte – auch wenn es letztlich nur ein Lied war.

Übers Wochenende kursierten viele Gerüchte: Lionel Richie habe sehr wohl seine Zugabe spielen wollen – sei aber von städtischen Ordnungshütern abgehalten worden. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner am Sonntag, der jedoch selbst nicht vor Ort war.

Er sollte recht behalten: Der Veranstalter selbst zog den Stecker. „Wir wollen ja noch mal wiederkommen“, sagt Fred Handwerker.

 

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