Interview
Lionel Richie: „Jeder Abend ist eine Karaoke-Party“

Münster/Los Angeles -

Lionel Richie ist nicht leicht zu erreichen. Ein Weltstar, zudem gerade auf Welttournee. Trotzdem: An einem freien Tag nahm er sich Zeit für ein Interview mit unserer Zeitung und rief unser Redaktionsmitglied Gunnar A. Pier an. Schließlich kommt Lionel Richie nach Münster, wo er am 19. Juni ein Konzert vor dem Schloss spielt.

Samstag, 30.05.2015, 05:00 Uhr
Lionel Richie wird im Juni 66 Jahre alt. Den Geburtstag feiert er in Münster. Foto: Foto: Gunnar A. Pier

Lionel , schön das das klappt! Von wo rufen Sie jetzt an?

Lionel Richie: Von einem sehr ungewöhnlichen Ort: Ich bin in meinem Haus in LA. Das ist verrückt - ich bin sehr selten hier.

Ihre Tour heißt „"All the Hits, all night long“". Das klingt gut für die Fans, die gerne die großen Hits hören. Aber wie ist das für Sie: Langweilt es Sie manchmal, Abend für Abend „Hello“ zu singen?

Richie: Selbst wenn es mich langweilen sollte: Das Schöne an Konzerten ist, dass das Publikum NICHT gelangweilt ist. Manchmal gehe ich also auf die Bühne und denke: Ach, jetzt muss ich schon wieder „Penny Lover“ spielen - und dann singen plötzlich 35000 Menschen „Penny Lover“ für mich! Dann wird mir klar: Mein lieber Mann, das ist ein Riesenspaß! Ich sag’s nicht gerne, aber: Jeder Abend ist wie eine Karaoke-Party . . .

Variieren Sie die Arrangements?

Richie: Wir haben das mal probiert. Aber da haben wir gemerkt, dass das Publikum nicht mehr weiß, wann es mitsingen soll. Die wollen die Songs genau so hören, wie sie sie kennen.

Sie spielen seit Jahrzehnten Konzerte. Was hat sich geändert?

Richie: Das Publikum wird größer - und wir erreichen jetzt drei Generationen. Die Leute, die seit Anfang an dabei sind, die Leute, die die 80er mitgemacht haben, und ob Sie’s glauben oder nicht: Auch die Kids sind da. Es ist erstaunlich, wenn ich 17-Jährige sehe, die die Songs mitsingen. Wie ist das möglich? Die waren doch noch gar nicht geboren, als ich die Songs geschrieben habe! Wenn ich ein Festival spiele, bei dem das Publikum zweieinhalb Stunden stehen muss - glauben Sie mir, dann ist meine Generation nicht direkt vor der Bühne. Die sitzen irgendwo.

Begegnen Sie manchmal zufällig Straßenmusikern, die gerade einen Ihrer Songs singen?

Richie: Ja klar. Ich habe beispielsweise mal einen Typen gesehen, ich glaube das war in Deutschland , der saß vor einem Restaurant und sang „Hello“ besser, als ich es jemals gehört habe. Keiner hat mich erkannt. Ich habe ihm 20 Dollar gegeben und gesagt: Hey, das ist die beste Version, die ich je gehört habe!

Steigen Sie dann manchmal mit ein?

Richie: Ich traf mal einen Musiker, der in einer Mall „All Night Long“ spielte. Alle sangen mit, also sang ich auch mit - aber niemand wusste, dass ich es bin. Ich war auch mal in einem Restaurant hier in LA. Als ich mit meinem Dinner fertig war, dachte ich: Super, niemand hat Dich bemerkt! Aber dann kam plötzlich „All Night long“ aus den Boxen und alle begannen zu tanzen. Da sagte der Wirt: Hey, wir haben nur gewartet, bis Sie fertig sind, damit wir Sie begrüßen können!

Bei Ihren Konzerten habe ich den Eindruck, dass das für Sie alles total leicht ist und Sie sehr entspannt sind. Ist das wirklich so?

Richie: Konzerte zu geben ist schon ein harter Job. Sie dürfen nicht vergessen: Ich stehe zweieinhalb Stunden dort oben - da wird die Bühne immer länger und länger. Das Singen ist gar nicht so schwierig, aber ich muss gesund und fit sein.

Wenn es auf mich leicht wirkt, machen Sie also einen guten Job.

Richie: Genau, dann bin ich ein guter Schauspieler.

Passieren bei den Konzerten manchmal Dinge, die selbst Sie noch überraschen?

Richie: Und wie! Jeden Abend sage ich meiner Band: Herzlichen Glückwunsch, nichts wird so laufen, wie wir es geprobt haben! Es kann etwas kaputt gehen, eine Frau kann auf die Bühne springen und sich ausziehen - stellt euch darauf ein! Du weißt nie, wie sich das Publikum verhält - und genau das macht den Spaß aus.

Ihr nächstes Konzert findet in Münster statt. Haben Sie jemals von der Stadt gehört?

Richie: Ich habe oft davon gehört - aber ich weiß nichts über Münster. Mein Toningenieur kommt aus München, und der erzählt mir vor jedem Konzert etwas über die jeweilige Stadt.

Haben Sie überhaupt die Zeit, die Städte anzuschauen?

Richie: Ja, die habe ich tatsächlich. Wir machen inzwischen einige Tage Pause zwischen den Konzerten, damit ich mich umschauen kann. Nach Münster komme ich sogar ein paar Tage vor der Show, um die Stadt kennenzulernen.

Am Tag nach dem Münster-Konzert haben Sie Geburtstag. Sie dürfen leider nicht bis Mitternacht spielen - wie werden Sie also feiern?

Richie: Das ist doch ganz einfach: Ich muss keine Party organisieren, ich spiele einfach.

Aber die Leute müssen gehen, bevor Sie Geburtstag haben!

Richie: (lacht) Egal, ich singe mir selbst ein „Happy Birthday“ - auch wenn es ein paar Stunden zu früh ist. Wahrscheinlich mache ich das bei den nächsten Konzerten auch noch (lacht).

Ist Ihnen der Geburtstag überhaupt wichtig?

Richie: Heutzutage bin ich sehr froh, wenn ich Geburtstag habe - denn ich mag die Alternative nicht. Die Alternative wäre ja, dass ich nicht mehr da bin. Also liebe ich meinen Geburtstag!

Wie würden Sie zuhause feiern?

Richie: Mit der ganzen Familie. Ich wohne zwar in Beverly Hills, aber ich würde die Südstaaten-Tradition aufleben lassen: Barbecue, schwimmen, essen, es würde laut. Mit Freunden und Familie - so bin ich. Ich hätte keine Lust auf eine Riesenparty mit Leuten, die ich nicht kenne.

In Deutschland geht man typischerweise mit 65 in Rente. Sie werden jetzt 66 - schon mal ans Aufhören gedacht?

Richie: Ich würde mich langweilen! Und wissen Sie: Wenn Sie sich von einem Beruf zur Ruhe setzen wollen, müssen Sie vorher einen Beruf gehabt haben! Ich hatte nie einen Beruf. Ich habe schon viele im Business gefragt: Warum tust du dir das noch an? Und alle sagten: Weil es der größte Spaß des Lebens ist!

Stimmt, ich kenne Leute, die haben mit der Musik angefangen, als sie in Rente gingen.

Richie: Genau! Wie diese Wall-Street-Leute, die Millionen verdienen - und doch nur aufs Wochenende warten, um in einer Band zu spielen.

Was planen Sie für die Zeit nach der Tour?

Richie: Ich mache drei Wochen Urlaub. Und weil ich gerade in Europa bin, reisen wir da mit Kindern und Enkeln ein wenig herum. Alles ist so schön nah: Du musst nur eine Stunde fahren, und schon bist du in einem anderen Land mit einer anderen Sprache.

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