„Männerhort“ entwickelt in Münsters Borchert-Theater nur wenig Zündkraft
Klischeebeladenes Kellerduell

Münster -

Eine ausrangierte Bulli-Bank als Sitzgruppe, davor die alte Glotze mit Behelfsantenne, ringsum Versorgungsröhren und ein Riesenkühlschrank, gefüllt mit Knabbertüten und Dosenbier: Das ist die Welt, in der Regisseurin Monika Hess-Zanger und Bühnenbildner Darko Petrovic die Akteure des Stücks „Männerhort“ agieren lassen.

Freitag, 23.01.2015, 15:10 Uhr aktualisiert: 23.01.2015, 15:58 Uhr
Bei den Männern im Keller spitzt sich die Lage zu. Szene mit Florian Bender (vorne links), Sven Heiß (vorne rechts), Heiko Grosche und Jürgen Lorenzen (oben rechts) Foto: Borchert-Theater

So richtig wohnlich ist es also nicht im Keller des Kaufhauses, in dem Kristof Magnusson seine Komödie „Männerhort“ ansiedelt, die als Kultstück gilt. Warum, das wird an diesem Abend trotz durchaus bemerkenswerter Applaussalven nicht recht deutlich; denn die Story ist so dünn wie vorhersehbar und so klischeebeladen wie grotesk: Vier Herren der Schöpfung haben sich weitab ihrer kaufsüchtigen Frauen im Keller einquartiert, philosophieren und faseln über ihr unerträgliches Eheleben und rühmen das Männer-Dasein zwischen Fußballübertragung und Bier.

Das ist in der ersten Phase des Abends, in der sich die beziehungstechnische Gemengelage entfaltet, noch ansatzweise komisch. Pilot Helmut ( Jürgen Lorenzen ) hat sich auf das Sammeln von „Dosennippeln“ verlegt; er möchte mit einer langen Kette dieser Getränkedosenverschlüsse ins Buch der Rekorde. Eroll (Florian Bender), etwas zwanghaft wirkender Softwareentwickler – später wird er aus Eifersucht noch die Unterwäsche seiner Frau kontrollieren und in Aktenordnern sammeln –, berichtet von traumatischen Einkaufserlebnissen mit der teuren Gattin. Sven Heiß verkörpert die Führungskraft Lars, einen testosterongesteuerten Edelproll, dessen Telefon wie ein Hengst wiehert, wenn willige Frauen anrufen. Richtig komisch in dieser Männer-Kombo wirkt Heiko Grosche, denn er stattet den Feuerwehrmann Mario, der etwas später bei einer Inspektion in die Tiefe des Kellers vordringt, mit lakonischer Lässigkeit aus. Aber auch die anderen Akteure finden sich in ihren Rollen zurecht und arbeiten Ecken und Kanten heraus. Ein richtiges Stück wird aus dem Stoff trotz alledem nicht.

Im zweiten Teil spitzt sich die Lage im Keller künstlich zu. Denn die Frauen drohen, den „Männerhort“ auffliegen zu lassen, und die Männer decken wechselseitig ihre Eskapaden auf. Doch das alles wirkt – speziell in der mit Nebel und „Das Boot“-Musik unterlegten Schlacht im nach außen verriegelten Keller – eher grotesk als komisch. Und dann zieht es die Mannen des Männerhorts irgendwann doch wieder ins heimische Nest. Die Story dröselt aus.

Zum Schlussapplaus gesellte sich vielleicht bei manchem Besucher die bange Frage, was unsere Nachfahren wohl in 100 oder 200 Jahren zu diesem Stück sagen werden. Wenn es dann überhaupt noch auf dem Spielplan steht. 

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