Bülent Ceylans Panoptikum in Münster
Alle Migranten mal kurz „angepiekst“

Münster -

Das Thema Integration ist in diesen Tagen kein heiteres. Bülent Ceylan weiß das natürlich – und begrüßt die münsterschen Fans auf seine Weise. Das Intro klingt nicht türkisch, geschweige denn deutschtümelnd. Nein, der Comedian mit dem Zopf als Markenzeichen lässt pathetische Dudelsack-Klänge durch den aufsteigenden Nebel erschallen und erscheint im Schottenrock. Bülent als „Highlander“, der die ausverkaufte Halle Münsterland mit triumphalem Schlachtruf von Null auf Hundert und gegen Pegida in Stellung bringt: „Münstaaaa! Seid ihr auf der richtigen Seite?!“ Er weiß natürlich, wo er sich befindet – und der Saal tobt vor Begeisterung.

Freitag, 23.01.2015, 15:00 Uhr
Mann im Schottenrock: Bülent Ceylan wagt in Münster wieder multikulturelle Grenzgänge. Foto: Markus Lehmann

Aber der sympathische deutsch-türkische Comedian bleibt sich insgesamt treu und wechselt sofort die Tonlage. Aggressives Pathos ist seine Sache nicht, und durch sein Figuren-Panoptikum (von Macho „Hasan“ bis Pelz-Trulla „Anneliese“) schimmert stets noch der Schulhof-Witzbold durch. Immer mit Mannheimer Dialekt-Gebabbel, versteht sich. Das machte am Donnerstag viel Laune – nicht zuletzt deshalb, weil Ceylan dem Affen immer wieder improvisierend Zucker gab. Und das teils tiefer gelegte Niveau selbst ironisierte, wenn er sich in die vermeintlichen Lehrer-Spaßbremsen im Saal hineinversetzte: „Ich will keine Improvisation. Ich möchte den Witz verstehen und dann im Stuhlkreis diskutieren!“ Man merkt Bülent Ceylan das Vergnügen an, jede Migranten-Gruppe aus aller Welt mal kurz anzupieksen und die Reaktion des Publikums zu kommentieren. Ob etwa Griechen im Saal seien? „Tja, jetzt wo wieder etwas Geld da ist, könnt ihr euch das leisten!“ Und wie sieht’s mit Afrikanern aus? „Dreht mal das Licht etwas heller.“ Als der Witz teils mit skeptischem Raunen quittiert wird, grinst Ceylan: „Aber beim Wort Kanake habt ihr vorhin laut gelacht – das ist Rassismus!“

Dem Bülent kann keiner böse sein, auch der Afrikaner im Parkett nicht. Im Gegenteil, wenn er ein paar Zoten eilfertig „jugendfrei“ entschärft oder grinsend andeutet, gar der verschollene Erzeuger des zwölfjährigen Paul zu sein, schlägt der Saal sich auf die Schenkel. Er selber sei übrigens kein Moslem, sagt der Schelm aus Mannheim . „Vadder Moslem – Mudder katholisch.“ Und was sind noch mal Münsteraner? „Fahrrad-Terroristen!“

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