Das freiweltliche Stift beschäftigte einen eigenen Jäger Ein Taler Lohn für vier Hasen

Metelen -

Das Stift in Metelen hatte unter Äbtissin Agnes Anna von Ketteler (1645-1687) einen eigenen Jäger. Ab 1684 war Georg Müser für das „gehege“ des Stiftes zuständig. Seine Aufgabe: Alles, was er schoss oder fing, in der Küche des Stiftes abliefern. Außerdem galt es zu verhindern, dass die Bauern Bauholz schlugen. Sein Lohn war nicht festgelegt. Er wurde nach Leistung bezahlt.

Von Wilhelm Elling
In Deckung gehen musste Meister Lampe, wenn Ende des 17. Jahrhunderts Georg Müser genannt Trumpter, der Jäger des Damenstifts, unterwegs war.
In Deckung gehen musste Meister Lampe, wenn Ende des 17. Jahrhunderts Georg Müser genannt Trumpter, der Jäger des Damenstifts, unterwegs war. Foto: dpa

Nicht jedes Stift im Münsterland konnte sich einen eigenen Jäger leisten. Das Stift Metelen unter seiner Äbtissin Agnes Anna von Ketteler (1645-1687) beschäftigte allerdings einen solchen. (...) Die Äbtissin (...) war zwar schon vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges gewählt worden, wurde aber erst 1649 vom Bischof bestätigt.

Ähnlich wie in Langenhorst wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts das ursprüngliche Kloster in Metelen in ein freiweltliches Stift mit 15 Präbenden umgewandelt. Das gemeinsam genutzte Refektorium und das Dormitorium wurden nicht mehr gebraucht, und die Stiftsdamen wohnten in eigenen privaten Kurien. Die Äbtissin besaß das Archidiakonat über Metelen und Welbergen: Sie stellte die Pfarrer, Küster und Lehrer ein und hielt das Sendgericht.

Das Stift hatte im 16. Jahrhundert 145 abgabenpflichtige Höfe mit großem Waldbesitz. Im Jahre 1684 ernannte die Äbtissin Agnes Anna von Ketteler für das „gehege“ des Stiftes Metelen Georg Müser genannt Trumpter zum „Schütten und hünerfengern“ mit dem Auftrag, „obacht auf der wiltbahn“ zu haben.

In diesem Zusammenhang wird der Umfang des Jagdbezirks Metelen genau beschrieben: Das Gehege umfasste das Kerspel Ochtrup, Wettringen, Welbergen, „Neuenkirchen biß an der Rheinischen Linden in der Bauerschaft Haddorf, das Kirchspiel Epe, Schöppingen biß Ihlinghauß und durch Tinge unter den Berg über den Engel“ (Schutzengelfigur auf dem Schöppinger Berg, Anm. der Redaktion).

Dieser Bezirk wurde nach einem Prozess um das Jagdrecht mit Stift Langenhorst am Anfang des 17. Jahrhunderts festgelegt. Doch mehrfach gab es auch danach wegen des Anspruchs auf das Jagdregal Streit mit Langenhorst, dem Grafen von Steinfurt und mit Baron von Beverförde. Nur mit Haus Welbergen einigte sich das Stift Langenhorst im Jahre 1770 vertraglich über die Jagd in Welbergen und Langenhorst sowie über den Fischfang in Vechte und Aa. (Quelle: Archiv Haus Welbergen)

Die Aufgaben des Jägers waren klar umrissen: Als Jäger des Stiftes sollte er kein Wild für andere Leute schießen, sondern alles, was er schoss oder fing, musste er in der Küche des Stiftes abliefern. Außerdem sollte er darauf sehen, dass die Bauern kein Bauholz schlugen oder „fruchtbare Bäume“ fällten. Damit sind wohl Eichen gemeint, die der Schweinehirt des Stiftes zur Eichelmast im Herbst nutzen sollte.

Schließlich erlegte ihm die Äbtissin noch die Aufsicht über die Horner Mark in Ochtrup auf, damit dort kein Holz verhauen wurde. Er sollte eventuelle Täter anzeigen und dafür – wie damals üblich – einen Teil der verhängten Strafe erhalten.

Bevor die alte Äbtissin mit zitternder Hand den Vertrag unterschrieb, wurde das Salarium, der Lohn des neuen Wildschützen, genannt. Er bezog kein festes bares Gehalt oder jährliche Kleidung und Schuhe wie sonst wohl üblich, sondern wurde nach Leistung bezahlt.

Er bekam nämlich für:

► 4 Hasen 1 Taler

► 4 felthüner (Rebhühner) 1 Taler

► 16 schnepfen (Schnepfen) 1 Taler

► 4 krambsvögel (Wacholderdrosseln) 6 Stüber

► 1 wild Arndt (Ente) 3 Stüber

► 4 knurrhahnen (Birkhähne) 1 Taler.

Rehe, Kaninchen oder Fasane wurden nicht genannt, der Fasan war allerdings im 17. Jahrhundert im Münsterland noch nicht heimisch.

Anders als Metelen beschäftigte das Stift Langenhorst keinen eigenen Jäger, sondern übertrug dem Schlüter, also dem Beschließer, nicht nur das Niederlassen und Aufziehen der Zugbrücke sowie das Backen und Brauen, sondern auch die Pflege des Hopfengartens. Wenn Hilfe bei Jagd, Fischfang oder Schlachten von Schweinen gebraucht wurde, konnte er diese nicht verweigern. Sein Lohn: freie Kost und Logis, jährlich neun Taler und zwei Paar Schuhe.

Zum Thema

Der Text von Wilhelm Elling stammt aus dem Kreisjahrbuch „Unser Kreis 2018“. Der Autor, geboren 1930 in Ochtrup, war von 1965 bis 1995 Leiter des Hamaland-Museums in Vreden und Mitglied der Volkskundlichen Kommission. Er ist Autor volkskundlicher und landeskundlicher Beiträge und Bücher.

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