Struwenbacken im Haus Kirsch Die Puderzuckerfraktion

Metelen -

Das genaue Rezept ließen sich die beiden Marias nicht entlocken. Aber sie versicherten: Im Struwen-Teig ist nur Gutes drin. Und den Gästen im Haus Kirsch schmeckte es. Für die leckeren Küchlein war es gestern zwar eigentlich etwas zu früh – aber dafür gab es gute Gründe

Von Martin Fahlbusch
Maria Dittrich (oben) und Maria Hinkert (links) bereiten Struwen im Haus Kirsch zu. Die genaue Rezeptur? Streng geheim!
Maria Dittrich (oben) und Maria Hinkert (links) bereiten Struwen im Haus Kirsch zu. Die genaue Rezeptur? Streng geheim! Foto: Martin Fahlbusch

Sie sind Kult, Tradition, ein Muss – und durch sie wird die Karwoche erst so richtig schön und rund: Struwen. Oder Struwwen. Denn schon bei der Schreibweise gehen die Meinungen ein wenig auseinander.

Den beiden Marias im Kreativen Bauernstübchen in Metelen war das am gestrigen Dienstag allerdings wurscht. „Wir bieten die Struwen eigentlich nur an – und können uns vor Nachfrage kaum retten“, schmunzelt Maria Dittrich und wartet auf weitere Anweisungen von Maria Hinkert. „Ohne sie, ihre Kenntnisse und Erfahrungen liefe das hier nämlich überhaupt nicht“, schiebt sie schnell noch nach. Die Angesprochene winkt schon fast verlegen ab: „Küer du menn“, ist ihr einziger Kommentar.

Eigentlich sind Struwen in diesen und den niederrheinischen Breiten ja das typische Gericht am Karfreitag. „Aber wir öffnen halt nur dienstags, also ist für uns heute essenstechnisch schon etwas Karfreitag“, stellt Maria Dittrich fest. In der kleinen Küche hinter der Verkaufstheke im Haus Kirsch ist an diesem Mittag alles bestens gerichtet und längst schon wieder sauber.

Um kurz nach 9 Uhr haben sich die Damen bereits getroffen, um den bewährten Hefeteig nach altmünsterländischer Rezeptur anzusetzen. Der schwappt und blubbert schon leicht in mittelgroßen Wäschewannen, und die Damen denken über eine Tasse Kaffee nach. Jetzt ist Geduld gefragt. „Wenn der nicht ordentlich gehen kann, wird der nicht richtig“, weiß Maria Hinkert, die sich über Feinheiten des Ansatzes aber nichts entlocken lässt. „Kurz und gut: Es gehören nur gute Sachen rein, und der Rest ist das gewisse Etwas – und langjährige Erfahrung“, lauten ihre geheimnisvollen Hinweise.

Und dann gibt es ja auch Leute, die keine Rosinen mögen, welche für die zwei Metelenerinnen eigentlich unverzichtbar sind. „Aber da machen wir dann halt eine kleine Schüssel ohne“, schlägt Maria Dittrich vor und widmet sich großen Pfannen.

Neben denen auf dem Gasherd stehen Elek­tropfannen auf dem Küchentisch. Eine flache Platte ist schon mit Küchentuch belegt. „Allzu viel Fett ist ungesund“, sagt die blonde Maria und stellt sich schon mal den Schüttelbecher mit Puderzucker zurecht. Derweil ist die leicht angegraute Kollegin schon wieder fleißig mit dem großen Schneebesen in den Teigwannen unterwegs. „Die Rosinen setzen sich schnell am Boden ab“, erklärt sie den Arbeitsschritt, „und man mengt so noch etwas Luft unter das Mehl-Hefe-Eier-Gemisch. Dadurch geht der Teig besser.“ Für Maria Hinkert muss der Teig auch noch beim Ausbacken in der Pfanne „wachsen“, bevor die Küchlein goldbraun und heiß auf den Tisch kommen.

Ach ja, auch beim Bestäuben kann es zu Glaubenskonflikten in der vorösterlichen Woche kommen. „Ich kenne da eine ganz strenge Zimt-Zucker-Fraktion, die hält nichts von Puder“, berichtet Maria Dittrich.

Jetzt warten die beiden noch auf ihre Mitstreiterinnen und ihre Gäste. Einige haben sich schon im Mittag angekündigt, und das Bauerstübchen bietet in diesem Jahr auch „Struwen to go“ an. Die ersten Ungeduldigen laufen draußen schon herum und kratzen an der Tür.

Und dann wird es ganz heiß und eng in der Bauernstübchenküche. Neben den heißen Struwen wird auch Kaffee gekocht, und es gilt, die vielen Bestellungen aus den Gasträumen abzuarbeiten. Keine Frage: Der Struwenladen läuft. Nur zum Kaffeetrinken sind die beiden Marias und ihre Mitstreiterinnen selbst noch nicht gekommen . . .

Das Team

Neben den zwei Marias gehören zum Struwen-Team Maria Fremann, Anne Brand, Irmgard Herdering, Johanna Polz, Anni Focke und Anneliese Nauschütte.

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