Einmalig Reibeisenfest, dunkel und einzigartig

Laer -

Mechthild Grossmann ist keine Frau der langen Vorrede. Sie ist als Schauspielerin bekannt, verkörpert sie doch die Staatsanwältin im Wilmsberg-Krimi. So kam die Akteurin gleich zur Sache, als sie im Rahmen des Kulturprogramms der Gemeinde Laer im Landhotel „Waldschlösschen“ auftrat. Dort begrüßte Bürgermeister Peter Maier die besondere Besucherin kurz und herzlich zur Premiere vor Ort.

Von Annegret Rose
Schauspielerin Mechthild Grossmann versteht es, mit ihrer Stimme zu spielen. Davon zeigte sich das Publikum im Laerer Landhotel „Waldschlösschen“ begeistert.
Schauspielerin Mechthild Grossmann versteht es, mit ihrer Stimme zu spielen. Davon zeigte sich das Publikum im Laerer Landhotel „Waldschlösschen“ begeistert. Foto: Rose

Mechthild Grossmann ist keine Frau der langen Vorrede. Sie ist als Schauspielerin bekannt, verkörpert sie doch die Staatsanwältin im Wilmsberg-Krimi. So kam die Akteurin gleich zur Sache, als sie im Rahmen des Kulturprogramms der Gemeinde Laer im Landhotel „Waldschlösschen“ auftrat. Dort begrüßte Bürgermeister Peter Maier die besondere Besucherin kurz und herzlich.

Schon nach zwei Sätzen, mit denen Grossmann die Geschichte von Alan Bennett ankündigte, ertönte aufbrandender Applaus. Ihre Stimme ist einfach einzigartig. Reibeisenfest und dunkel. Meistens.

Doch wie die Lesung bewies, arbeitet die Schauspielerin mit ihrem Stimmvermögen so, dass es ihr bestens gelang, Abwechslung in die Tonlagen zu bringen. Das ist für die Zuhörer bereichernd. Langeweile kam nicht auf. Im Gegenteil. Messerscharfe Konzentration lag am Freitagabend im Raum.

Die inneren Monologe, die Auskunft über die handelnden Personen geben, brauchen den Wechsel der Stimme von der Vorlesenden dann, wenn die wörtliche Rede im Dialog beginnt. Die Story handelte von einer einsamen Frau, die es nicht lassen kann, andere auszuspionieren und damit Unheil anrichtet. Schließlich landet sie im Gefängnis, weil ihre Briefe beleidigend und verstörend für das Leben der Menschen in dem kleinen Dorf sind.

Aber anders als andere verändert sich die Hauptperson zum Guten. Sie fühlt mit anderen mit und genießt die Gesellschaft der gestrandeten Frauen.

Der englische Schriftsteller, Alan Bennett, Autor dieser Story, wurde von Grossmann nach der Pause vorgestellt. Zunächst berichtete sie, dass er in den 30er Jahren in einfache Verhältnisse geboren wurde. Dadurch sei seine schonungslose Sicht auf die englische Gesellschaft, mit den sozialen Unterschieden, geschärft.

Durch glückliche Umstände gelang es ihm, seine Talente und Begabungen in der Schule und Hochschule auszuleben, sodass er ein viel beachteter Literaturwissenschaftler wurde. Germanisten kommen, wenn sie Kafka studieren, nicht an seinem Standardwerk über diesen Dichter vorbei. Er lebt zurückgezogen in London. Doch für Grossmann ist die humanitäre Haltung dieses Engländers etwas ganz Besonderes. Dass sie ihn dafür liebt, räumte sie unumwunden ein. So beschwor sie ihre Fans, diesen Autor für sich zu entdecken. „Egal, was sie von ihm denken, lesen sie ihn.“

Auch ihre zweite Geschichte nach der Pause handelte von einer Frau. Eine unglückliche Pfarrersgattin, die dem Alkohol verfällt. Für seine vermeintliche Fürsorge wird ihr Ehemann in der Gemeinde bewundert und anerkannt. Er geht in der Helferrolle auf, während sie in der Rolle der trinkenden Ehefrau untergeht.

Hier kommen die Gedankengänge und Empfindungen der Frau durch die inneren Monologe zum Ausdruck, die von der Stimme der Schauspielerin ausgearbeitet werden. Auch den Zustand der Trunkenheit betonte Mechthild Grossmann in der szenischen Lesung. Obwohl den Geschichten etwas Tragisches anhaftet, wurde oft über die Situationskomik gelacht.

Auf die Frage nach der unglaublichen Professionalität in diesem Genre, erwähnt sie, dass sie oft Hörbücher besprechen würde, daneben an vielen Lesungen, wie gerade der lit.COLOGNE teilnähme. Seit den 90er Jahren gäbe es ein Wiederaufleben von Lesungen und Hörbüchern. Diese Tätigkeit gehöre für sie zu der Arbeit als Schauspielerin.

Mit donnerndem Applaus und einer langen Reihe von Autogrammjägern wurde die Leistung der Schauspielerin belohnt. Kurzum, ein unterhaltsamer Abend.

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