Schmuckstücke
Architektonische Schmuckstücke

Laer/Horstmar -

Drei Jahre lang nahm Dr. Ludger Schröer aus Lüdinghausen im Kernmünsterland eine ganz besondere Art industrieller Kleinarchitektur unter die Lupe: Transformatorenstationen, die vor rund 100 Jahren errichtet wurden, als die Elektrizität in dieser Region ihren Siegeszug antrat. Die Beschäftigung des Historikers mit dieser Materie fand ihren Niederschlag in dem Buch „Wiederentdeckt. Historische Transformatorenstationen im Münsterland“, Lippe Verlag 2018. Bemerkenswerte „Trafo-Türme“ finden sich auch in Laer und Horstmar.

Donnerstag, 10.01.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2019, 10:18 Uhr
An der Bahnhofstraße ist vor Industriearchitektur der Gründerzeit eine weißverputzte Transformatorenstation erhalten. Foto: Dr. Ludger Schröer

Drei Jahre lang nahm Dr. Ludger Schröer aus Lüdinghausen im Kernmünsterland eine ganz besondere Art industrieller Kleinarchitektur unter die Lupe: Transformatorenstationen, die vor rund 100 Jahren errichtet wurden, als die Elektrizität in dieser Region ihren Siegeszug antrat. „Durch Überlandleitungen fließt der Strom mit einer elektrischen Spannung von 10000 Volt“, erläutert Schröer „die Trafostationen drosseln sie herunter auf 240 Volt“. Danach wird der Strom an die Haushalte weiter geleitet. Weil das Münsterland von Bauernhöfen geprägt ist, baute man tausende dieser Türme, die den ländlichen Bereich mit Energie versorgten.

Die Beschäftigung des Historikers Schröer mit dieser Materie fand ihren Niederschlag in dem Buch „Wiederentdeckt. Historische Transformatorenstationen im Münsterland“, Lippe Verlag 2018.

Bemerkenswerte „Trafo-Türme“ finden sich auch in Laer und Horstmar. „Hier stehen die letzten Stationen aus Naturstein“, sagt der Experte. So beispielsweise in Horstmar-Leer. Zu sehen ist eine Architektursprache wie die Heimatschutzbewegung, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildete, sie liebte. Das Material ist der regionale Sandstein, der Baukörper ist schlicht, ohne architektonische Dekorationen. Eine Besonderheit bildet die Gravurtafel, auf der das Baujahr 1923 verewigt ist, was keineswegs üblich war. Heute ist der Trafoturm mit dem steilen Satteldach ein Baudenkmal.

An der Bahnhofstraße in Horstmar markiert der weiße Putzbau einer Verteilerstation vor Industriearchitektur der Gründerzeit, heute von der Firma Coppenrath/Spiegelburg genutzt, den damaligen Durchbruch von Elektrizität in der Burgmannstadt. „Es ergibt sich ein reizvoller und seinerzeit durchaus beabsichtigter Kontrast der Architekturen“, erläutert Schröer, denn die saubere Elektrizität wurde auch gern als „weiße Kohle“˜ verkauft. So präsentiert sich die Trafostation in leuchtendem Weiß vor der dunkleren Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts.

In Laer, beschreibt der Historiker, ist immer noch eine Trafostation im Anschluss an eine ehemalige Textilfabrik aus den 1920er Jahren zu sehen. Ein Zeugnis dafür, wie gut gerade Textilfabriken in dieser Zeit bereits mit Elektromotoren ausgestattet waren. „Der Trafoturm“, erklärt der Fachmann, „war damals technisch so ausgelegt, dass er auch Horstmar mitversorgen konnte“.

In Niedern-Alst steht ein historischer Turm, der ursprünglich wahrscheinlich ein Pyramidendach trug. Besonders in den 1970er Jahren wurden solche Konstruktionen durch Flachdächer ersetzt, um Unterhaltungskosten zu sparen.

In Leer-Ostendorf befindet sich ein typisch münsterländischer Turm als schlanker Ziegelsteinbau mit Satteldach. Nachträglich hat man ihn wohl aus Gründen des Fassadenschutzes in einem rötlich-braunen Ton gestrichen. „Es ist ein seltenes Exemplar, weil man nach dem Krieg, hier im Jahr 1949, kaum noch gemauerte Türme als vergleichsweise teure Varianten schlichter Eisenmasten errichtete“, so der Kenner.

Ein faszinierendes Phänomen ist, dass Trafotürme zwar weit verbreitet sind, jedoch kaum wahrgenommen werden. Dabei wurden die Stationen längst Teil des baukulturellen Erbes. Zahlreiche Trafostationen sind zurzeit noch in Betrieb, doch diese Spezies industrieller Kleinarchitektur ist vom Abriss bedroht. Der Strom wird mittlerweile über Erdkabel zum Verbraucher geleitet, was die Trafotürme überflüssig macht.

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