Ilona und Frank Weigel zogen 1991 nach Reckenfeld
Wende war wie ein Wunder

Reckenfeld -

Vom Fall der Mauer am 9. November 1989 haben Ilona und Frank Weigel durch die Übertragung im Fernsehen erfahren. Inzwischen leben sie sei Jahren in Reckenfeld und haben es nie bereut.

Donnerstag, 19.09.2019, 06:10 Uhr
Ilona und Frank Weigel sind gerne unterwegs. In Reckenfeld fühlen sich die „Ossis“ wohl, den Schritt hierher haben sie nie bereut. Foto: Privat

Vom Fall der Mauer am 9. November 1989 haben Ilona und Frank Weigel durch die Übertragung im Fernsehen erfahren. „Wir haben nie wirklich erwartet, dass es so schnell geht und vor allem, dass es überhaupt zur Öffnung der Mauer kommt“, erklären die beiden unisono. Zum Zeitpunkt des Mauerfalls wohnten sie im Berliner Stadtteil Kaulsdorf.

Für Frank und Ilona Weigel war es schon ein bisschen unwirklich. Da sie im Westen weder Verwandte noch Bekannte hatten, war der Drang, dort rüber zu gehen, nicht so groß. „Allerdings haben wir uns natürlich riesig gefreut, dass die Wende kam und vor allem friedlich vonstatten gegangen ist.“

Ilonas Büroarbeitsplatz lag damals mit Blick auf den Todesstreifen. „Man musste eine Erlaubnis haben, um auf das Betriebsgelände zu kommen“, erzählt sie. Ein einschneidendes Erlebnis für Ilona war, als sie am Morgen des 11. November 1989 in die Firma kam. Von den rund 400 Mitarbeitern waren etliche nicht zur Arbeit erschienen. „Die waren alle auf dem Weg nach Westberlin“, erinnert sich Ilona.

Das Paar fuhr dann knapp zwei Wochen später zum ersten Mal nach Neukölln, nachdem man sich das „Begrüßungsgeld“ abgeholt hatte. Für den damals 13-jährigen Sohn waren die Matchboxautos das Größte. Natürlich bekam er welche. Und Mutter Ilona gönnte sich eine Uhr, die sie heute noch hat.

Die damals besten Freunde haben sofort nach dem Mauerfall ihre Arbeit verloren. Deren Bekannte in Reckenfeld organisierten für diese Wohnung und Arbeit. „Wir selbst hatten vor dem Mauerfall einen Kleingarten gepachtet und ich hatte die ersten Käufe dafür getätigt. Doch dieser Garten wurde uns nach der Wende weggenommen, da die Fläche vermarktet werden sollte“, erinnert sich Ilona Weigel. Das gab den Ausschlag dafür, sich mit dem Gedanken zu befassen, den Schritt in den Westen zu wagen.

Ehemann Frank hatte bereits Anfang 1990 eine Beschäftigung bei Renault in Berlin und Ehefrau Ilona wusste, dass ihr Arbeitsverhältnis Ende 1991 enden würde. „Ich habe die Firma, bei der ich 19 Jahre tätig war, mit abgewickelt und war die Drittletzte der rund 400 Mitarbeiter.

Im Frühjahr 1991 schaute sich das Paar in Reckenfeld um, übernachtete in der Jägerklause, die es heute nicht mehr gibt. Reckenfeld gefiel, und so suchte und fand man hier die erste Wohnung auf der Rheinstraße sowie Arbeit. „Wir sind am 1. Dezember 1991 hierher ge-kommen, genau an meinem 36. Geburtstag“, so Ilona. Das Datum vergisst man nicht.

Ehemann Frank fand ab dem 1. Oktober bei Feldhaus Arbeit und blieb dort bis zum Renteneintritt. Ilona fand im Januar 1992 ihren ersten Arbeitsplatz bei Fricke in Reckenfeld.

Der Neustart in Reckenfeld verlief dank der damaligen Freunde aus der DDR also äußerst reibungslos, „allerdings hatte ich als „Ossifrau“ auf meinem ersten Arbeitsplatz ein wenig mit Vorurteilen zu kämpfen, da man mir nicht zugetraut hat, dass ich die Arbeiten in der Buchhaltung ordnungsgemäß erledigen kann“.

Die Familie fühlte sich hier wohl, baute 1999 ein Haus an der Hermann-Löns-Straße, später kam ein Anbau für den Sohn dazu. Das Haus wurde wieder verkauft und seit Januar 2018 wohnen die Weigels in der „Senioren WG“ an der Goethe­straße.

Schnell erkannten die beiden, dass sie über einen Verein am besten Kontakt zu den Reckenfeldern finden. Nach zwei Kegelclubs sind sie nun seit 1996 Mitglied der Re-Ka-Ge, amtierten dort 2001 als Prinzenpaar. Ilona Weigel mischte von 1999 bis 2014 als Kreistags-Mitglied in der Politik mit.

Die erste Reise im Westen ging im Übrigen 1991 nach Pertisau am Achensee. „Dort fahren wir auch heute noch fast jeden Winter hin“, er-zählen die beiden, die den Schritt nach Reckenfeld nie bereut haben.

Aktuell organisieren sie für den 9. November eine „Ossi-Party“ im Deutschen Haus. Einfach so, zum Spaß und zur Freude für alle Teilnehmer.

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