Carl Schumacher, der erste Redakteur und spätere Chefredakteur der WN-Lokalredaktion
Emsian war „King Charly“

Greven -

Mit „Emsian“ unterzeichnete Carl Schumacher, der erste Redakteur und spätere Chefredakteur der Lokalredaktion der Westfälischen Nachrichten in Greven, seine Glossen. In ihnen berichtete er über kuriose Geschehnisse, die er selbst erlebt hatte.

Freitag, 23.08.2019, 23:33 Uhr aktualisiert: 28.08.2019, 09:41 Uhr
So leger erlebten Gäste Carl Schumacher selten, wenn sie ihn in der Redaktionsstube aufsuchten – aber so konnte er eben auch sein. Foto: Privat

Themen waren z.B. der Grevener Karneval, die Beat-Szene oder eine Zigeuner-Hochzeit in Greven. Seine beeindruckende Fahrt als Sozius auf einem Motorrad (Überschrift: „Mit ‚70 Sachen‘ an der Steilen Wand“) während der Kirmes in Greven im Jahre 1950 unterschrieb er mit „C.Sch.“, noch nicht mit „Emsian“. Seine Emsian-Artikel erschienen erst ab 1953, „geschrieben mit spitzer und humorvoller Feder“, wie ein Kollege formulierte, und dienten der Bevölkerung in den folgenden Tagen besonders gerne als Gesprächsstoff.

Carl Schumacher wurde am 27. September 1925 in Münster geboren und ging dort zur Schule. Als er sein Abitur bestanden hatte, wurde er zum Militärdienst eingezogen. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Jahre 1946 studierte er in Münster Kunstgeschichte, Germanistik, Publizistik und Philosophie.

Josef und Elisabeth Schumacher, seine Eltern, wohnten mit ihren vier Kindern, nachdem ihr Haus in Münster-St. Mauritz während des Krieges zerstört worden war, in Greven. Denn Carls Mutter war eine geborene Mersmann und stammte aus dem Grevener Uhren- und Schmuckgeschäft Mersmann (Marktstraße).

Carl Schumacher heiratete im Jahre 1953 Eva-Maria, geborene Horn. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Ab Januar 1948 war Carl Schumacher freier Mitarbeiter der WN. Sein erster Beitrag vom 11. Januar 1948 umfasste vier Themen, zusammen 50 Zeilen. In dieser Zeit hat er seine Beiträge als Beleg, versehen mit Datum und Zeilenzahl, ausgeschnitten und in einem Schuhkarton aufbewahrt.

Ab Februar 1953 war er hauptberuflich freier Redakteur der WN, ab 1958 fest angestellter Redakteur und später Lokalchef der WN in Greven.

Ab dem Jahre 1953 hat er ein Büro an der Marktstraße im Hause Halstrup gehabt. Die erste Grevener Ausgabe der WN erschien als „Grevener Anzeiger“ am Samstag, dem 17. Januar 1953, auf zwei Seiten. Auf der zweiten Seite waren auch Artikel für Gimbte, Saerbeck und Schmedehausen abgedruckt.

Auf der ersten Seite befanden sich „Zum Geleit“ die „besten Glückwünsche“ des damaligen Amts- und Stadtbürgermeisters Anton Minnebusch, der es begrüßte, dass nun „eine noch stärkere Berücksichtigung der Grevener Belange und Interessen gewährleistet“ seien.

Der Hauptartikel „Greven am Wochenende“ hatte die Inhalte „Die Emsstadt wächst weiter – Verständigung zwischen den Einheimischen und Vertriebenen – 593 Gefallene und 298 Vermißte forderte der vergangene Krieg von Greven – Das Heimatliche ist in Gefahr“. Und zur Ortsgeschichte war der Artikel „Aus ‚Jecmari‘ wurde ‚Jochmaring‘“ von Wilhelm Schenkel (Schmedehausen) abgedruckt.

Dazu gab es natürlich den Artikel „Jetzt eigene Ausgabe für Greven“ von „C.Sch.“: „Vom heutigen Tage an wird der ‚Grevener Anzeiger‘ regelmäßig erscheinen. Die ‚Westfälischen Nachrichten‘ als Nachfolger des ‚Münsterischen Anzeigers‘ setzen damit eine Tradition fort, die vor dem Kriege Tausende von Freunden gewann. Diese werden das Wiedererscheinen besonders herzlich begrüßen.“ Und so war es.

So wie Carl Schumacher von Anfang an alle seine Einzelberichte aufbewahrte, so hat er seit dem ersten Erscheinungstage in der gesamten Zeit seines Berufslebens den Grevener Teil der WN aufbewahrt. Mitte der 1990er Jahre hat er diese für die Erforschung der Geschichte Grevens sehr wichtige Sammlung dem Stadtarchiv Greven übereignet.

Die Kürzel für seine Artikel waren: -C.Sch.-, -cher-, -c.s.- und -cs-. Er berichtete außer über das tägliche Geschehen im Ort auch über die kleinen Ärgernisse im Straßen- und Wegeverlauf, über öffentliche Planungen und deren Verzögerungen, über Versammlungen der vielen Vereine, über das politische Geschehen. Er war selbst „Partei“, redete niemandem nach dem Munde, stellte in „seiner“ Zeitung Forderungen an den Rat und an die Verwaltung, war bei den Politikern der Stadt gefürchtet als Kritiker. Er bewertete die Einkaufsmöglichkeiten, das Lebensgefühl, die Veranstaltungen in der Stadt. Vieles von dem, was er beim Gang durch die Stadt oder abends bei Kurzbesuchen bei „Öppe“, „Otto“ oder „Schiffels“ sah oder hörte, verarbeitete er in den nächsten Tagen in „seiner“ Zeitung. Alle wussten, morgens „seine“ Zeitung nicht gelesen zu haben, konnte sich noch im Laufe des Tages als ein großer Fehler herausstellen.

Aus seiner Feder stammen auch viele historische und volkskundliche Berichte und Erzählungen, ja sogar eigene Gedichte, die er im Grevener Teil der WN veröffentlichte. Seine Leser dankten es ihm.

Und er forderte auch andere Grevener auf, historische und volkskundliche Berichte und Serien zu schreiben. Hier sei besonders an die vielen Artikel von Friedrich („Pile“) Herkarn, von Wilhelm Schenkel, von August Wieners, von Dr. Gerhard Westrup (AGRICOLA) und Hans Galen erinnert. Auch der Autor dieses Artikels gehörte in den 1980er Jahren dazu („Bildstöcke und Wegekreuze in Greven“).

Carl Schumacher hatte aber auch den Schalk im Nacken. So war er beteiligt daran, nachts einen Zebrastreifen auf die Straße zu malen, um bevorrechtigt und somit ohne Wartezeit die Marktstraße zwischen den Gaststätten „Schiffels“ und „Otto“ überqueren zu können. Oder er teilte seinen Gesprächspartnern bei „Schiffels“ mit, er müsse, um weitere Informationen zu einem bestimmten Thema zu erhalten, dringend mit der Taxe das Lokal wechseln. Er ließ also eine Taxe kommen, stieg hinten ein, zahlte und stieg an der anderen Seite wieder aus, um die restlichen fünf Schritte zu „Otto“ zu gehen.

Erinnert sei auch an den im Januar 1982 erschienenen Artikel, in dem er Heinrich Pröbsting, den „Markt-Heini“, als „Fugen-Heini“ vorstellte. Bei den Abbrucharbeiten habe man in einer Fuge dessen Hauses eine Urkunde gefunden, die ihm alte Wasserrechte am Marktbrunnen bescheinige. Das Wasser heile übrigens nachweislich Zipperlein und Plattfüße und habe sogar verjüngende Wirkung. Ein Foto Schumachers zum Text zeigt „Fugen-Heini“ an seiner „Moneten-Quelle“, deren Wasser den Namen „Grevonia-Heilwasser“ bekam.

Carl Schumacher war kein Vereinsmensch. Aber als der von ihm bereits seit Mitte 1952 in der Zeitung geforderte Heimatverein Greven endlich am 8. März 1953 gegründet wurde, berichtete er nicht nur darüber, sondern er wurde Mitglied und ließ sich zum Schriftführer wählen. Dieser Heimatverein bestand allerdings nur bis zum Juli 1954, weil dessen Vorsitzender Bernhard Gronotte zum Ratsherrn gewählt wurde und danach die Aktivitäten des Vereins beendet waren.

Als am 19. März 1982 dann erneut ein Grevener Heimatverein gegründet wurde, hat er das sehr begrüßt und in der Grevener Ausgabe der WN sehr stark unterstützt. Das behielt er auch in den folgenden Jahren bei. Zum Dank dafür wurde ihm 1987 die Ehrenmedaille des Heimatvereins („Speckorden“) überreicht.

Mit dem 31. Oktober 1990 wurde Carl Schumacher in den Ruhestand verabschiedet. Dazu erstellten ehemalige und aktuelle Kolleginnen und Kollegen einen Zeitungs-„Mantel“ der WN, der allein ihm gewidmet war. Die Hauptüberschrift lautete „Tschüß, Charly“ und gleich darunter las man „Hymne auf King Charly“. Und es folgten viele weitere Artikel, die sein Berufsleben „erhellten“ und die hohe Anerkennung seiner Person und seiner beruflichen Leistung widerspiegelten.

Jetzt war Carl Schumacher als Opa mehr denn je von seinen vier Enkelkindern gefordert.

Seine sportliche Leidenschaft jedoch galt fortan dem Golfspiel. Er wurde ein sehr aktives Mitglied des „Golf-Club Aldruper Heide e.V.“ in Greven.

Carl Schumacher ist am 30. Januar 2001 in Greven gestorben.

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