Zeitreise für alle beim Mittelaltermarkt in der Emsaue
Ein Markt der „positiv Bekloppten“

Greven -

Bereits zum sechsten Mal fand am Wochenende am Grevener Beach der Mittelaltermarkt statt. Und natürlich zog es wieder viele Erwachsene und Kinder an den Emsstrand.

Sonntag, 21.07.2019, 17:19 Uhr
Bei Sonnenschein wird es direkt voller zwischen den Zelten. Der Markt erfreute sich einer großen Resonanz. Foto: pin

Der Geruch von Lagerfeuer schwebt über den Zelten, genauso wie das Stimmengewirr und die Musik. Laut kann es schon mal werden, fröhlich ist es immerzu. Begeistert erzählen die zahlreichen Aussteller von ihrer Leidenschaft: dem Mittelalter. Ein Gaukler bringt die Besucher zum Lachen, ein Feuerschlucker sie zum Staunen.

Bereits zum sechsten Mal fand am Wochenende am Grevener Beach der Mittelaltermarkt statt. Und schon fünf Mal war Jörg von der „Freien Sippe von Asnidi“ dabei. Unter dem Namen „Asnidi“ ist seine Heimat schon lange nicht mehr bekannt, heute heißt die Stadt „Essen“. Gemeinsam mit Bekannten, Familie und Freunden stellt Jörg das Bauernleben im 8. Jahrhundert vor.

Das Leben ist einfach, die ganze Familie packt mit an, alles wird selbst gemacht. „Das ist für mich Abschalten“, sagt Jörg. Warum dieses Hobby, warum Mittelalter? „Damals haben die Menschen alles gekonnt, das geht heute verloren.“ Sein Sohn könne deshalb häkeln und stricken, eine Kuh melken und jonglieren.

Für zwei Tage verwandelt sich der Beach in eine Zeitmaschine, ein Besuch gleicht einer kleinen Zeitreise oder vielmehr einem großen Zeitsprung mit vielen kleinen Hüpfern. Das Mittelalter war lang, das Leben vielfältig. Ein Kaufmann für Tuch und Wolle, ein Söldner und Kämpfer, einfache Bauern: Viele Schichten und Berufe sind vertreten. So können die Besucher sich ausprobieren, alles anfassen und immer nachfragen. „Wir freuen uns über die Besucher, die viele Fragen stellen. Das macht dann richtig Spaß“, meint Jörg.

Eine Frau betastet die Wolle, die gerade fürs Spinnen vorbereitet wurde. Daneben versucht sich ein Junge beim Melken, ein anderer lässt sich mit Schwert auf einem Holzthron fotografieren. Ein paar Zelte weiter wird mit Pfeil und Bogen geschossen, anderswo mit Äxten geworfen.

Dass es im Mittelalter brutal und hart zuging, wird für die meisten keine Überraschung sein. Umso eindrucksvoller ist die Schilderung eines Mannes, der als Söldner gekleidet ist. Er erzählt von mittelalterlichen Fechtkämpfen und den Gerichten der damaligen Zeit. Den Zuhörern steht der Mund offen.

Besonders für Kinder ist der Mittelaltermarkt spannend. Fasziniert beobachten sie einen Kaufmann beim Wiegen von Edelsteinen und sind begeistert, als sie helfen dürfen. Das handbetriebene Karussell ist spannend und das Popcorn vom offenen Feuer schmeckt nicht nur den Kleinsten…

Auch wenn sich die Schausteller um Authentizität bemühen und meist sogar die kleinsten Details stimmen, wird die Technik nicht völlig verbannt. Beim Feuerspucker am Abend dröhnt die Musik aus großen Boxen und ein Handwerker mogelt mit einem Klebestift: „So, einmal weggucken!“

Viele Schausteller kennen sich untereinander, man treffe einander regelmäßig wieder. Insgesamt sei das Ganze schon ein teures Hobby, vor allem, wenn nicht alles selbst gebaut wird. Ein neues Zelt könne schnell 1300 Euro kosten, ein offener Herd um die 600 Euro. „Man muss schon positiv bekloppt sein“, findet Jörg, wenn man das als Hobby betreibe.

Für die zahlreichen Besucher allerdings ist es gut, dass es so viele „positiv Bekloppte“ gibt: ein längst vergangenes Zeitalter wird lebendig, Geschichte erlebbar gemacht.

Und auch die Reporterin kommt um ein bisschen Einsatz nicht herum. Man müsse doch eine Kuh melken können, befindet Jörg. Und der Händler am Met-Stand ist entsetzt: Noch nie probiert? Das könne aber nicht angehen. Noch kein Leichtschwert in der Hand gehabt? Auch das muss dringend geändert werden. Und der Kaufmann sagt, dass man eine Balkenwaage bedienen können muss. Eine Axt soll geworfen werden und mit dem Bogen geschossen. Ein bisschen Nachhilfe gab es also gleich noch mit dazu. Und es soll gesagt werden: Melken, Bogenschießen und Axtwerfen ist gar nicht so leicht.

Am Abend gibt noch der Artist „Mr. Kerosin“ eine Vorstellung. Vor dem staunenden Publikum spuckt er Feuer, jongliert mit brennenden Keulen und verschluckt einige Flammen. Lauter Ohs und Ahs aus dem Publikum, das ganz begeistert ist von einer Show, die „sie nie zuvor so gesehen haben!“

Später sitzen einige Gäste noch in einer der zahlreichen Tavernen. Noch etwas, für das das Mittelalter bekannt ist. Und die Händler und Schausteller sitzen am Lagerfeuer, singen und erzählen. Alles wird von Kerzen, Fackeln und Lagerfeuern erleuchtet. Gesang und Stimmen schweben über allem. Das Mittelalter war keine friedliche Zeit. Der Mittelalter-Markt am Beach hingegen ist genau das.

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