Dr. Christian Beuning ist Hausarzt und Homöopath
„Natürlich ist die Homöopathie wirksam“

Greven -

Die einen halten Homöopathie für Quatsch und reine Geldmacherei. Die anderen glauben, dass sie wirk und helfen kann. Zu ihnen zählt der Arzt Dr. Christian Beuning.

Samstag, 20.07.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 21.07.2019, 17:16 Uhr
Foto: Peter Beckmann

Beim Thema Homöopathie gibt es nur ein dafür und ein dagegen. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, kritisiert den Umgang der Kassen mit der Homöopathie. Er möchte, dass gesetzliche Krankenkassen grundsätzlich keine derartigen Leistungen finanzieren dürfen, weil seiner Meinung nach die Wirkung der Homöopathie wissenschaftlich nicht belegt sei. Für Dr. Christian Beuning, Hausarzt und gleichzeitig Homöopath, ist diese Behauptung falsch. „Es gibt sehr viele wissenschaftliche Studien, die die Wirkung der Homöopathie belegen“, sagt der Grevener, der in seiner medizinischen Ausrichtung eher die Ausnahme darstellt.

Schon während seines Studiums der Medizin habe er sich mit Homöopathie beschäftigt. „Das fand ich schon damals spannend“, erklärt der 58-jährige Mediziner, der seine Praxis an der Münsterstraße betreibt. Nach dem erfolgreichen Studium und der Doktorarbeit arbeitete er zunächst in der Inneren Abteilung eines Krankenhauses in Warendorf und später in der Abteilung Kinderheilkunde in einem Osnabrücker Krankenhaus. 1993 eröffnete Beu­ning seine Praxis in Greven – als Homöopath.

„Ich wollte in einer Privatpraxis nur Homöopathie machen, um auch mehr Zeit für meine Patienten zu haben“, erklärt er. Später habe ihm aber die Funktion als Hausarzt gefehlt. „Die Zulassung als Hausarzt braucht man, um Medikamente zu verschreiben, und EKG und Labor einsetzen und abrechnen zu können.“

Grundsätzlich versuche er, in seiner Praxis primär homöopathisch zu arbeiten. „Das hängt aber natürlich davon ab, was der Patient möchte und um welche Erkrankungen es geht“, verdeutlicht Beuning. Bei schweren Erkrankungen setzte er Homöopathie nur ergänzend ein. „Aber die meisten meiner Patienten kommen schon wegen meiner homöopathischen Ausrichtung.“

Zurück zur Homöopathie und dessen Wirkung. In letzter Zeit gebe es fast eine Hetzkampagne gegen die Homöopathie. „Das Dilemma ist, dass man nicht nachweisen kann, wie die Homöopathie wirkt. Das sie wirkt, ist wissenschaftlich nachweisbar“, macht Beuning deutlich.

Er setze die Homöopathie bei vielen verschiedenen Erkrankungen ein, oft bei Symptomen, die schulmedizinisch nicht gut einzuordnen seien. Beuning nennt als Beispiele Magen-Darm-Beschwerden, Hautkrankheiten, entzündliche Erkrankungen, Allergien, Depressionen und Infekte. „Mit homöopathischen Mitteln habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

Da werfen die Kritiker doch schnell einen Begriff in den Raum, der die Wirkung der Homöopathie direkt in Frage stellen soll: Placebo-Effekt. „Ja“, sagt Beuning, „den Placebo-Effekt gibt es, aber der spielt bei allen medizinischen Interventionen eine Rolle.“ Aber in der Praxis sei feststellbar, dass manchmal bei einer ersten Verordnung eines Mittels die erwartete Wirkung ausbleibe, nach erneuter Durchsicht der Symptomatik das zweite Mittel eine deutliche Wirkung zeige. „Der Placebo-Effekt tritt aber meistens nur bei einer ersten Verordnung auf.“

Der zweite Einwand: Man muss an die Homöopathie glauben, damit sie wirkt. „Das ist Quatsch, auch bei Menschen, die nicht an die Homöopathie glauben, wirkt sie“, versichert Beuning.

Aber: Natürlich komme es vor, dass er bei der homöopathischen Behandlung von Patienten an Grenzen stoße. „Für mich ist es besonders wichtig, diese Grenzen zu erkennen, allerdings auch in beide Richtungen“, sagt er. Denn es komme durchaus häufiger vor, dass die Schulmedizin an diese Grenzen stoße, die Homöopathie aber helfen könne. „Und nicht zuletzt kann die Homöopathie einen Beitrag dazu leisten, dass möglichst wenig Antibiotika eingesetzt werden und somit auch Resistenzen vermieden werden.“

Die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung, Homöopathie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen, sieht Beuning kritisch. „Wenn die Patienten die homöopathische Diagnostik wieder selbst bezahlen müssen, ist die Homöopathie nur noch für gut situierte Menschen finanzierbar.“ Vorbildlich sei da die Schweiz. „Dort wurde eine Volksabstimmung durchgeführt mit dem Ergebnis, dass dort die Krankenkassen Homöopathie voll bezahlen.“

Und dann war da noch die Sendung von Jan Böhmermann, selbst ernannter Satiriker des ZDF. Der zog Mitte Juni mal so richtig über die Homöopathie her. „Ja“, lacht Beuning. „Das habe ich auch gesehen.“ In der Sendung bezeichnet Böhmermann Homöopathie als dummes Zeug. Als Beweis nahm er zwei unterschiedliche homöopathische Mittel (Globuli), schüttete sie in einen Behälter, vermischte sie und verdeutlichte, dass es keine wissenschaftliche Methode gebe, die Mittel zu unterscheiden. „Da hat er Recht, rein materiell kann man bei homöopathischen Mitteln keinen Wirkstoff nachweisen.“ Aber die Wirkung der potenzierten Mittel auf Zellkulturen sei messbar. „Da lässt sich ganz klar eine Wirkung feststellen.“

Und Beuning wiederholt mit fester Überzeugung. „Die Homöopathie wirkt, das ist sicher, das ist nachgewiesen. Das große Problem ist eben nur, dass leider niemand nachweisen kann, wie sie wirkt. Und das ist der Grund für die große Skepsis.“

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