Anlieger der K53-Baustelle sehen sich in ihrer Existenz bedroht
Bis zu 50 Prozent weniger Umsatz

Reckenfeld -

Die Lage ist bedrohlich. „Ich habe jetzt schon 30 bis 40 Prozent Einbußen. Und ab nächster Woche wird sich das dramatisch erhöhen“, sagt Peter Arnke. Dann wird die Baustelle der K53 sein Grill-Restaurant „Pomm-Fit“ erreichen.

Donnerstag, 27.06.2019, 06:57 Uhr aktualisiert: 27.06.2019, 07:01 Uhr
Der Kanalbau ist im ersten Bauabschnitt schon fast abgeschlossen, in Höhe der Gaststätte Bagatelle verlegen nun die Stadtwerke neue Leitungen. Foto: Oliver Hengst

„Die Bauarbeiter können nichts dafür“, stellt er klar. Aber sobald sie mit der Fräse anrückten, so erwartet Arnke, wird sein Umsatz noch weiter in die Knie gehen. „Ein Angestellter hat schon gekündigt, weil es sich für ihn nicht mehr lohnt.“

Ähnlich geht es auch Matthias Große, Mit-Pächter der Shell-Tankstelle direkt gegenüber. Aushilfen, sagt er, hätten bereits das Weite gesucht. Die Lage sei „bescheiden. Alle fünf Minuten kommt keiner“, flüchtet er sich in Galgenhumor. Zwischen einem Drittel und der Hälfte des Umsatzes seien weggebrochen. „Es ist ja kein Durchgangsverkehr mehr da“, sagt Grohe. Immerhin kämen die Stammkunden. „Darauf kann man sich ja zum Glück verlassen, dass die einen unterstützen.“ Aber die klassische Laufkundschaft – Tanken, Bild, Kippen – fehle einfach. „Am Wochenende ist besonders wenig los.“ Grote fordert daher eine einseitige Verkehrsführung mit Ampel. „Damit man nicht ganz abgeschnitten ist.“ In anderen Gemeinden sei so etwas doch auch möglich, argumentiert der Unternehmer. „Man muss doch an die Gewerbetreibenden denken.“

Das macht die Stadt nach Angaben von André Kintrup durchaus. Der Geschäftsbereichsleiter Verkehr und Grün im Rathaus betont: „Alle Betriebe sind natürlich weiterhin erreichbar. Und für jeden Betrieb gibt es jeweils auch individuelle Lösungen.“ So werde der Imbiss vorrübergehend auch von hinten erreichbar sein, an der Tankstelle werde immer eine der beiden Zufahrten offen sein. Ein nachträgliches Umstellen auf eine einseitige Verkehrsführung sei nicht nur erheblich teurer, sondern auch rechtlich unzulässig. „Wir haben das nach entsprechendem Beschluss so ausgeschrieben und würden vertragsbrüchig, wenn wir daran etwas ändern.“ Dass es aktuell zu Einbußen komme, bestreite man nicht, man bedaure es auch sehr. Aber: Die Baustelle sei „erforderlich und alternativlos“. Das gewählte Verfahren – drei Bauabschnitte mit jeweiliger Vollsperrung – sorge für eine „deutlich verkürzte Bauzeit“. Statt der geplanten 15 Monate werde das beauftragte Unternehmen nur zwölf brauchen.

Zwölf Monate, die für Arnke und sein Imbiss-Team harte werden. Zu den von ihm angekündigten rechtlichen Schritten wird es dennoch wohl nicht kommen. Er müsse dafür in Vorleistung gehen und rechnet mit bis zu 40 000 Euro. „Das kann ich mir natürlich nicht leisten.“ Zumal ein Rechtsstreit so langwierig werden könnte, dass die Baustelle dann längst passé ist.

Andere Nachbarn (Aldi, K&K, Bäckereien) hätten auch Probleme, hat er sich berichten lassen. Deren Antworten reichten von eingeschränkten Verkaufszeiten über Aussitzen bis „Schüssel rumdrehen“, weiß Arnke aus persönlichen Gesprächen.

Auch Große kennt die Gemengelage im Umfeld. Der Unterschied: Bei den anderen Betroffenen handele es sich um Ketten und Konzerne, die eine zeitweise schlecht laufendende Filiale ausgleichen könnten. „Wir sind aber selbstständig“, sagt Große und macht deutlich: Es geht ums wirtschaftliche Überleben. „Es ist mehr als existenzbedrohend. Ich habe drei Kinder. Was soll ich machen?“, fragt Arnke vielsagend. „Wir sind die beiden größten Leidtragenden“, betont der Gastronom. Man sei mehr als andere auf Durchgangsverkehr angewiesen.

Stimmt so nicht, meint André Kintrup. „Eine Tankstelle und ein Imbiss werden gezielt angesteuert.“ Man habe im Übrigen viele Gespräche mit den Anliegern geführt, mehrfach die Situation erklärt und niemanden mit seinen Sorgen „abgewimmelt.“ Doch genau das wirft Arnke der Stadt vor. „Von denen habe ich noch keinen hier gesehen. Dass interessiert die nicht, wenn wir hier Pleite gehen.“

In vergleichbaren Fällen hätten Kommunen betroffenen Unternehmen Entschädigungen gezahlt, um sie vor dem Aus zu bewahren. Eine Idee, die Arnke gefallen würde. Viel Hoffnung, dass es so kommt, hat er hingegen nicht.

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