Musiker proben für Klassik Open Air am Beach
Aus 200 eine Einheit formen

Greven -

Die einzelnen Chöre und Orchester, die beim Klassik Open Air auf eine der drei (!) Bühnen treten werden, haben natürlich schon intensiv geprobt, zum Teil auch schon miteinander – je nachdem, in welcher Konstellation die Stücke präsentiert werden. Aber alle gemeinsam, das hat es so noch nicht gegeben.

Freitag, 21.06.2019, 21:17 Uhr aktualisiert: 21.06.2019, 21:30 Uhr
Vorne das Sinfonieorchester „Alte Philharmonie“, dahinter die beiden Chöre – so werden sie auch am Beach Aufstellung nehmen. Die Chöre werden dann allerdings verstärkt, damit sie klanglich nicht untergehen. Foto: Oliver Hengst

Der letzte Schliff? „Nein, im Gegenteil“, sagt Thorsten Schmid-Kapfenburg. „Das ist im Grunde das erste Zusammentreffen mit allen.“ Dem Dirigenten der Alten Philharmonie Münster kommt heute – und auch am Konzert-Sonntag – eine besondere Rolle zu. Er muss die über 200 Musiker, die beim Klassik Open Air am Beach (30. Juni) beteiligt sind, unter einen Hut bekommen. Kein leichtes Unterfangen, wie die Probe im Ballenlager zeigt. Die Übergänge stimmen mitunter noch nicht, die Chöre gehen akustisch irgendwie unter, der Takt stimmt manchmal nicht perfekt, hier und da müssen Details abgestimmt werden. Viele, sehr viele Details.

Am Montag im Ballenlager: Es geht eng zu, sehr eng. „Wir haben hier 27 Meter in der Breite. Die Bühnen am Beach haben 37 Meter“, erläutert Wolfgang Bernhardt. Auf dem Boden kleben Markierungen. „10 Meter“ ist auf einer zu lesen. Der Leiter der Musikschule koordiniert die Abläufe und spielt selbst in der Alten Philharmonie Oboe. „Wir haben das große Glück dieser Verbindung von Herrn Bernhardt zur Alten Philharmonie“, freut sich Egon Koling, Vorsitzender der Kulturinitiative. Der Verein ist Ausrichter des Konzertes. Wie jedes Jahr. Aber diese Ausgabe ist in vielerlei Hinsicht herausragend. Für die KI ist es die größte Veranstaltung, die jemals organisiert (und finanziert) werden musste. Oder besser: durfte. Denn natürlich ist das diesjährige Open Air für die KI ein Highlight.

Wie für eigentlich alle Beteiligten. „Auch für uns ist das etwas, was wir nicht alle Tage machen“, sagt Schmid-Kapfenburg. Seine Musiker seien zwar allesamt professionell ausgebildet oder zumindest sehr ambitionierte Laien. Aber mit drei weiteren Orchestern und zwei Chören vor 2000 (oder mehr) Zuschauern auftreten – schon eine Herausforderung auch für die Profis. „Wir musizieren zum Beispiel selten bis nie mit einem Chor“, verdeutlicht der Dirigent, heute wie alle anderen leger im T-Shirt. Man spüre durchaus Aufregung. „Aber wenn man erstmal merkt, man kommt da unfallfrei durch, dann läuft es.“

Aufregend ist die Teilnahme natürlich erst recht für die anderen Musiker, die zwar auch auf hohem Niveau musizieren, aber eben überwiegend Laien sind. Die Chöre „The Scales“ und der Sinfonische Chor“ – beide haben sich nebenan eingesungen – stellen sich hinter dem Sinfonieorchester auf – so wie es auch beim Konzert sein wird. Im Foyer des Ballenlagers werden derweil noch vereinzelt Geigen gestimmt. Die Big Band der Musikschule nimmt rechts Aufstellung, die beiden Blasorchester aus Reckenfeld und Gimbte links – so wie am Konzert-Tag. „Jetzt hat man mal eine Vorstellung davon, wieviel 200 Musiker sind“, sagt Zaungast Koling. „Heute fehlen ja noch 30“, sagt Bernhardt. Was fast ein Segen ist, denn das Ballenlager ist auch so schon mehr als gut gefüllt.

„Jetzt aber los. 20 Uhr war angesagt, jetzt haben wir schon viertel nach“, mahnt Schmid-Kapfenburg. „Ne, ne – das habe ich schon eingeplant“, erwidert Bernhardt schmunzelnd. Die Chöre und Orchester stellen sich kurz vor, damit jeder weiß, wer wo sitzt und steht. Die Musiker begrüßen sich gegenseitig mit freundlichem Applaus.

Das Klangvolumen, das die imposante Zahl an Musikern an diesem Probenabend erzeugt, lässt den KI-Chef strahlen. „Das muss das Publikum begeistern“, hofft Koling. Dass das ankommt – er hat eigentlich keine Zweifel. Die Musiker stimmen „Music“ an, jene Pop-Hymne von John Miles, die auch stets bei „Night of the Proms“ erklingt, die Pop-Klassik-Konzert-Reihe, an die man sich bei den Proben unweigerlich erinnert fühlt. „Wenn die klanglichen Effekte im Freien auch so gut wirken, wird das richtig toll. Da kann man doch wirklich sagen: Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Koling.

Er steht am Rand des Ballenlagers, beobachtet aufmerksam, hört genau hin. Auch bei „Conquest of paradise“ von Vangelis – ein weiteres Stück, dass die rund 200 Musiker gemeinsam präsentieren. Andere Beiträge spielen sie mal allein, mal zusammen mit anderen Partnern. All das zusammenzuführen, so dass es ein Klangerlebnis aus einem Guss wird – das ist die große Aufgabe. Schmid-Kapfenburg strahlt Zuversicht aus, dass das gelingt: „Ein bisschen Erfahrung haben wir ja. Es wird alles gut.“

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