Grevener Familie Marien erlebt die Nachwirkungen der Anschläge auf Sri Lanka
Urlaub im Ausnahmezustand

Greven/Colombo -

Es sollte ein Erholungsurlaub bei der Familie sein. Aber die Mariens aus Greven landeten in einem Land im Ausnahmezustand: Sri Lanka nach den Anschlägen.

Donnerstag, 25.04.2019, 06:20 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 10:19 Uhr
Die Mariens aus Greven bei einem Museumsbesuch (v.l.): Suzanne, Tim, Eric und Alfred. Foto: Marien

Nein, Angst haben sie nicht. „Aber wir meiden öffentliche Gebäude. Besonders Kirchen und Tempel“, sagt Alfred Marien (54). Der Grevener befindet sich gerade mit seiner Frau Suzanne (44) und den Söhnen Tim (15) und Eric (13) in Colombo. Die Stadt der Bombenanschläge auf christliche Kirchen und Luxushotels, bei denen über Ostern 359 Menschen ums Leben kamen und mehr als 500 weitere Personen verletzt wurden.

Colombo, die Hauptstadt von Sri Lanka, ist 13 Flugstunden von Greven entfernt. Hier haben sich Alfred Marien und seine Frau Suzanne vor 19 Jahren kennengelernt. Heute leben sie mir ihren Söhnen im Grevener Stockkamp. Er arbeitet bei einer Bäckerei, sie bei einem Pflegedienst.

Bedroht habe sie sich in ihrer alten Heimat nie gefühlt, sagt Suzanne Marien, die in Sri Lanka geboren wurde. Sie hat noch im vergangenen Jahr ihre Familie besucht. Ihre Eltern leben in dem Inselstaat, ihre beste Freundin auch. „Allen geht es gut“, sagt sie per Whatsapp, „sie sind gerade zu Besuch.“

Von den Bombenanschlägen erfuhren die Mariens bei einer Safari in Yale. Der Fahrer gab ihnen die Nachricht weiter.

Suzanne Marien kennt eine der Kirchen, die von den Attentätern angegriffen wurden. Von den Opfern kennt sie glücklicherweise niemanden.

Aber auch ihre Familie blieb in der Vergangenheit von den blutigen Unruhen nicht verschont, die Sri Lanka Jahrzehntelang umtrieben.

Bei früheren Unruhen, sagt Suzanne Marien, sei ein Cousin ums Leben gekommen: „Er war beim Militär.“

Die Menschen seien derzeit nicht in Panik, berichten die Urlauber per Whatsapp. Aber sie seien sehr betroffen. Alle verurteilten den Terror und niemand könne die Taten nachvollziehen.

Telefonisch sind die Mariens derzeit kaum zu erreichen. Die Leitung ist überlastet, die Worte sind kaum zu verstehen.

„Direkt nach den Attentaten wurde Youtube und Facebook abgestellt“, sagt Alfred Marien.

Vermutlich wollte die Regierung des Inselstaates damit Propaganda, Panikmache oder die Verbreitung grauenhafter Detail-Aufnahmen von den zerstörten Gebäuden und den Opfern per Internet verhindern.

Allerdings funktioniert noch die Kommunikation über Textnachrichten per Handy.

Zwei Wochen dauert der Urlaub. Alfred Marien war seit 15 Jahren zum ersten Mal wieder in Sri Lanka: „Wir fliegen am Samstag wieder zurück“, sagt er.

Bis dahin lebt man in einem Land im Ausnahmezustand. An vielen Straße sehe man Soldaten. Bewaffnete, die Sicherheit garantieren sollen.

In Sri Lanka gab es früher einen blutigen Bürgerkrieg zwischen der Zentralregierung und tamilischen Gruppen. Aber dass es Konflikte zwischen den Minderheiten der Muslime und Christen gegeben hätte, daran kann sich Suzanne Marien nicht entsinnen: „Nein“, sagt sie.

Ihre Jungs Tim und Eric besuchen in Greven die Schule. Sie erleben jetzt in ihrem Urlaub eine Welt im Alarmzustand. Zweimal gab es abends Ausgangssperre auch für die Touristen. Am Montag waren die Geschäfte geschlossen. „Die Jungs“, sagt ihr Vater, „haben keine Angst.“

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