Ein Besuch bei dem Softwareentwickler Georg Bokermann
Programmieren in zwei Welten

Greven -

Georg Bokermann programmiert. Klingt langweilig? Nur wenn man nicht weiß, wofür das alles gut ist.

Donnerstag, 25.04.2019, 12:21 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 16:38 Uhr
Georg Bokermann entwickelt Software für Logistikunternehmen. Foto: Felicia Klinger

„Das Paket befindet sich momentan im Postzentrum.“ Ich aktualisiere die Seite. Das Paket befindet sich immer noch im Postzentrum. Wann kommen denn endlich die Schuhe, die sich mein Bruder so gewünscht hat? Ich klicke nochmals auf aktualisieren. „Das Paket befindet sich im Paketwagen auf dem Weg zu Ihnen und wird in einer Stunde geliefert“, heißt es nun.

Dass immer mehr Paketzulieferer diese Tracking-Dienste anbieten können, liegt an Menschen wie Georg Bokermann. Er ist Softwareentwickler und arbeitet an „Logistischen Informationssystemen.“ Kurz LIS, so heißt auch sein Arbeitgeber. Nicht nur die DHL, UPS oder Hermes wicklen enorme Warenmengen ab, sondern auch Automobilzulieferer, Chemiekonzerne oder Reederei bringen Bestände von A nach B. Einfache handschriftliche Notizen, Steckkarten und Excel-Tabellen reichen längst nicht mehr aus, um dabei den Überblick zu behalten. Eine feinere Software muss her.

„Unsere Programme reichen von der Auftragserfassung der Waren über effiziente Tourenplanung und Überwachung bis hin zu Abrechnungssystemen“, erklärt Georg Bokermann.

Um eine passende Software zu entwickeln, muss sich der Informatiker sowohl in der Logistikbranche wie auch in den technischen Systemen und Entwicklungen auskennen. „Eigentlich lebe ich in zwei Welten“, erklärt Bokermann. In der einen besuche er Fachkonferenzen, in der anderen bekommt er über seine Kunden auch mit, wie sich der Arbeitsalltag eines LKW-Fahrers gestaltet. „Das ist schon auch schön, dann etwas von der „echten“ Welt mitzubekommen“, sagt der Informatiker.

Und noch in einer anderen Hinsicht lebt er in zwei Welten – zwischen Details und generellen Grundlagen. „Wir passen unsere Software selbstverständlich an den jeweiligen Kunden an“, so Bokermann, „gleichzeitig ist es natürlich schön, wenn der grundsätzliche Aufbau für andere Projekte genutzt werden kann.“

Seit 2003 arbeitet er bei LIS und hat dort auch seine Ausbildung gemacht. In seinen Beruf komme man entweder über ein Studium oder die Ausbildung, erklärt er. In den letzten 17 Jahren hat sich auch oder gerade im Bereich der Informationstechnologie einiges getan. „Auf der technischen Seite haben sich die Programmiersprachen enorm weiterentwickelt und auch die Umgebungen“, sagt Georg Bokermann, „klar wir arbeiten nicht mehr mit Microsoft Windows 2000.“ Auch auf der Seite der Kunden gibt es neue Themenschwerpunkte. „Die Datenmengen sind enorm gestiegen und wie beispielsweise bei den Post-Tracking-Angeboten wird viel mehr über das Web gemacht“, erklärt er, „aber auch das Thema Datenschutz- und Sicherheit wurde immer wichtiger.“ Oder aber die politischen Bedingungen ändern sich. „Wenn auf einer Strecke die Maut eingeführt wird, muss das natürlich mitkalkuliert werden“, so Bokermann.

LIS hat neben dem Hauptsitz in Greven Niederlassungen in den Niederlanden, Frankreich und Polen. Mit den Kollegen dort steht Bokermann auch in Kontakt. „Ich bin leider nicht so sprachenaffin und meine Englischnoten waren eher so mittelmäßig“, sagt Bokermann, „aber viele technische Begriffe sind sowieso auf Englisch und man gewöhnt sich daran.“

Zu zweit sitzen die meisten Mitarbeiter in Greven in einem Büro. Jeder hat zwei Bildschirme vor sich, auf denen Quellcodes zu sehen sind. „Programmiert wird schon eher alleine, aber man teilt sich Projekte“, erklärt er, „einer kümmert sich dann eher um das Oberflächendesign und der andere darum, was unter der Haube passiert.“

Manchmal qualmt es auch und die Softwareentwickler müssen die Haube öffnen. So einfach wie zumindest bei den älteren Autos ist das aber nicht. „Dann beginnt die Detektivarbeit“, sagt Bokermann und erzählt von der Suche nach Fehlern: „Mir macht das ja Spaß Programmbugs zu suchen. Da sitzt man manchmal drei Tage dran und findet dann eine fehlerhafte Zeile.“ Für diese Analysearbeiten muss man logisch denken können und nicht zu schnell aufgeben. „Findet man die Schwachstelle, ist das ein kleines Erfolgserlebnis“, so Bokermann.

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