Freilandhühner auf dem Hof Bönstrup
Über die Mär vom täglichen Ei

Greven -

Das Ei, in den meisten Fällen angemalt oder gefärbt, ist ein Symbol für das Osterfest. Die Eier werden – zumindest zu 60 Prozent – von deutschen Hühnern gelegt. Aber: Warum machen die das überhaupt? Eine österliche Spurensuche auf dem Hof Bönstrup in Westerode.

Samstag, 20.04.2019, 16:09 Uhr aktualisiert: 20.04.2019, 18:00 Uhr
Ingrid und Franz Bönstrup mit Enkeltochter Elisa umringt von den Hühnern der Sorte „Lohmann braun“. Deren Eier werden in der geeichten Sortieranlage gewogen, sortiert und gestempelt. Foto: Peter Beckmann

Nein, man kommt einfach nicht an dieser Zeile vorbei, wenn man sich mit Hühnern und Eiern beschäftigt. „Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn, ich hätt‘ nicht viel zu tun, ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei“, trällerten die Comedian Harmonist in grauer Vorzeit. Die moderne Antwort liefert der König von Deutschland (Rio Reiser): „Alles Lüüüüge.“ Wie jetzt? Stimmt das nicht mit dem Huhn und dem Ei? Neee, stimmt wirklich nicht, Rio hat Recht. Das bestätigen auch Franz und Ingrid Bönstrup vom gleichnamigen Hof in Westerode.

Ok, noch mal ganz von vorne. Oder doch nicht ganz, denn der Philosophenstreit, ob nun das Ei oder das Huhn zu erst da war, soll an dieser Stelle nicht beachtet werden. Also fängt man mit dem Huhn und dem Hahn an, die Spaß miteinander haben. Sie wissen schon, die Sache mit der Biene und der Blüte. Da legt das Huhn anschließend Eier, brütet `ne Runde und dann kommen die niedlichen Kücken.

Und wenn die dann bei den Bönstrups ankommen, sind die sogar schon 16 Wochen alt und speziell für die Freilandhaltung aufgepäppelt worden. „Lohmann braun“ heißt die Sorte. „Die sind besonders robust und damit gut für die Freilandhaltung geeignet“, erzählt Franz Bönstrup.

Rund 1000 Hühner haben die Bönstrups im Stall. „Die Zahl schwankt aber.“ Zu Ostern sind es mehr, vor den Sommerferien weniger.

Auf dem Hof gibt es zwei Ställe, einen für die Jugend, der andere für die alten Haudegen. Denn: Die jungen Hühner müssen noch lernen – das ist wie im richtigen Leben. „Die bleiben zunächst zwei Wochen im Stall, bis sie sich eingewöhnt haben“, erzählt Franz Bönstrup. Und: Sie müssen erst daran gewöhnt werden, ihre Eier in die vorbereiteten „Abroll-Nester“ zu legen. Jedes Ei, was darin gelegt wird, kullert automatisch auf ein Laufband, mit dem die Eier vom Eier-Bauern eingesammelt werden. „Das machen wir den Tieren auch schön einfach, da haben wir Latten eingebaut, dass sie ganz bequem zu den Nestern kommen.“ Sobald das klappt, dürfen sie auch nach draußen.

Womit wir jetzt zu den Lügen kommen. Denn: Jeden Tag ein Ei legen die Hühner nicht. „Jedes Huhn legt so zwischen 250 bis 280 Eier pro Jahr“, erklärt Ingrid Bönstrup. Zwei an einem Tag? Nee, selbst am Sonntag klappt das nicht.

Und überhaupt: Ei ist ja nicht gleich Ei. Die Lohmann-Hühner steigern sich da. „Die jungen Hühner fangen mit ganz kleinen Eiern an, je älter die Tiere sind, um so größer werden die Eier.“

Der Tag der Bönstrupschen Hühner ist übrigens gut durchstrukturiert. Morgens sind die Tiere im Stall und können in Ruhe ihrem Job nachgehen, dann wird die Tür geöffnet und sie können auf die Wiese. Mit Eintritt der Dämmerung gehen sie automatisch wieder in den Stall. Denn: Sie haben Schiss im Dunkeln, und zwar vor Fuchs, Iltis und den fliegenden Jägern.

Bei all dem kommen die Bönstrups übrigens ohne jegliche Antibiotika oder andere Medikamente aus. „Die bekommen höchsten mal eine Wurmkur“, verdeutlicht Franz Bönstrup.

Nach rund eineinhalb Jahren haben die Hühner dann ihre Pflicht getan. Dann sind die Schalen der Eier nicht mehr so schön und sie legen auch weniger. Und da es keine Hühner-Rente gibt, geht‘s dann ab in die Suppe. Klingt böse, aber zumindest hatten die Tiere ein erfülltes Leben.

Letztendlich bleibt eine Frage ohne wirkliche Antwort: Warum legen Hühner eigentlich Eier, so ganz ohne Hahn in der Nähe? „Die Tiere werden aufs Eierlegen gezüchtet“, versucht Franz Bönstrup eine Erklärung. Dies sei ein Faktor, aber auch das Futter spiele eine ganz wichtige Rolle. „Wir geben unseren Tieren das beste Futter. Das ist zwar teurer, zahlt sich aber letztlich aus.“ Sprich: Ohne dieses Futter würden die Tiere vielleicht ein, zwei Eier in der Woche legen. Mit Hilfe des Futters sind es deutlich mehr. Zwar nicht täglich ein Ei – siehe oben – aber immerhin fast.

Und noch mal die Frage: Warum legen Hühner Eier? Vielleicht ist die Antwort ja ganz simpel: Sie haben nichts anderes gelernt ...

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