Harald Meyersick ist ausgewandert
Ein Leben in der Sonne

Greven -

Harald Meyersick, bekannt als Betreiber einer privaten Musikschule und Chorleiter, ist „ausgewandert“ und hat seinen Lebensmittelpunkt nach Peyia verlegt, einem kleinen Ort auf Zypern. Dort leben rund 4000 Menschen, einer davon ist jetzt Meyersick.

Montag, 22.04.2019, 12:10 Uhr aktualisiert: 22.04.2019, 13:00 Uhr
Harald Meyersick (57) ist Musiker durch und durch. 1996 hat er die private Musikschule Musik-Akademie gegründet, die sich in Greven etabliert hat. Auch in Bad Bentheim mit Zweigstelle in Schüttorf betreibt er eine Musikschule. Foto: Peter Beckmann

Davon geträumt haben schon ganz Viele. Aber: Bei den meisten ist es auch dabei geblieben. Zu bequem, zu feige, zu wenig Geld – es gibt reichlich Gründe dafür, es nicht zu machen. Harald Meyersick hat es gemacht. Er ist „ausgewandert“, hat seinen Lebensmittelpunkt nach Peyia verlegt, einem kleinen Ort auf Zypern. Dort leben rund 4000 Menschen, einer davon ist jetzt Meyersick.

Harald Meyersick? Ja, genau der. Viele Grevener kennen ihn als Gründer und Leiter der privaten Musikschule Musik-Akademie, als Leiter des Sinfonischen Chores und des Frauenchores Emsdetten und als Festival-Chef beim Chor-Festival am Beach. Ihm, dem Musiker, erging es so, wie es vielen anderen ergangen ist. „Die Natur, das herrliche Wetter, die andere, mediterrane Lebensweise haben es mir einfach angetan“, erklärt er.

Die Initial-Zündung erlebte Meyersick vor drei Jahren bei einer Digital-Nomaden-Konferenz in Berlin. „Da waren Menschen, die digital arbeiten und deshalb nicht an einem Ort gebunden sind und um die ganze Welt reisen“, erzählt er. Er habe darüber nachgedacht und erkannt, dass aufgrund der heutigen technischen Möglichkeiten auch für ihn so etwas in Frage kommen könnte.

Seitdem habe er den Plan im Hinterkopf. Immer wieder beim Urlaub auf dem spanischen Festland, auf Mallorca und zuletzt eben auf Zypern habe er darüber nachgedacht. „Zypern hat mich fasziniert. Die Insel ist so schön wie Mallorca, aber bei weitem nicht so überlaufen“, erzählt er mit strahlenden Augen.

Zunächst habe er nur ein Sabbatjahr (siehe Info-Kasten) geplant. „Bis ich dann schließlich zum Entschluss gekommen bin, komplett in den Süden zu ziehen.“ Mehrfach war er auf Zypern, und dann machte er Nägel mit Köpfen. In der Ortschaft Peyia mietete er sich eine Wohnung. „Mit Blick aufs Meer“, schwärmt Meyersick.

So ganz ist er aber noch nicht weg aus Greven. „Es laufen noch einige Projekte, die ich abschließen muss“, erklärt er. Deswegen sei er zurzeit in Greven. „Aus dem Tagesgeschäft der Musik-Akademie bin ich aber raus.“ Die werde jetzt von Bodo Wolff weiter geleitet, der auch schon für die Meyersiksche Musik-Akademie in Bad Bentheim und Schüttorf verantwortlich ist.

Auftritte mit dem Projektchor in der Carnegie Hall in Ney York und später bei den Aasee-Serenaden und mit dem Symphonischen Chor am Ems-Beach beim Klassik-Festival stehen noch auf des Musikers Liste. „Aber danach bin ich dann erst einmal für einen langen Zeitraum weg“, erklärt Meyersick. Das sehr anstrengende und teure Hin-und-her-Pendeln sei dann erst einmal zu Ende.

Und dann? Beine hoch und Sonne genießen? „Meyersick lacht. „Die ersten Monate werde ich sicherlich gar nichts machen und das mediterrane Leben mit vollen Zügen genießen.“ Aber: Irgendwann bekomme er dann auch wieder den Impuls, kreativ zu sein. „Komponieren ist meine Leidenschaft“, sagt er, und die Augen funkeln. Davon allein leben könne er aber nicht. „Es sei denn, ich bin so erfolgreich wie Martín Palmeri, dessen Werk wir in New York aufführen werden“, fügt er hinzu. Aber am Hungertuch nagen werde er sicherlich auch nicht.

Denn er hat ja durchaus noch mehr Ideen. „Ich habe schon eine Online-Musikschule programmieren lassen“, erzählt er. Dabei gehe es um Unterricht online mit Hilfe einer Kamera im Eins-zu-Eins-Unterricht oder in Gruppen oder gar um Seminare. „Das Kind muss aber noch laufen lernen, ist dann aber von überall machbar.“

Aber letztendlich wolle er sich Raum und Zeit schaffen, um kreative Prozesse in Gang zu bringen. „Dafür braucht es zunächst eine Zeit der Ruhe.“

Meyersick freut sich auf die Zeit in Zypern. Aber er sei auch ein Typ, der nicht im Blindflug unterwegs sei. „Ganz weit hinten im Kopf habe ich natürlich noch ein Hintertürchen offen.“ Schließlich habe er noch ein Haus in Greven und die Musikschule. „In zwei, drei Jahren wird sich zeigen, ob Zypern das ist, was ich will“, verdeutlicht Meyersick. Ein Weg zurück sei da immer noch offen.

Aber so oder so: Harald Meyersick hat den Schritt raus aus dem Alltag hinein in neue Welten jedenfalls gewagt – im Gegensatz zu ganz vielen Anderen.

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